Befreiung vom Überfluss - Letzter Ausweg

„Befreiung vom Überfluss” heißt das neuste Buch des Oldenburger Wirtschaftswissenschaftlers Niko Paech, Professor an der Uni in Oldenburg. Darin fordert er konsequenten Klimaschutz – der nur ohne Wohlstandsballast gehe. „Postwachstumsökonomie” nennt er sein Modell. Nach seiner Auffassung leben alle die mehr als 2,7 Tonnen CO2 pro Jahr verursachen über ihre Verhältnisse, demnach die Mehrheit von uns. Diese Zahl übrigens stammt von wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen.

Paech sagt: „Unser ständiges Verlangen nach Mehr vernichtet Rohstoffe, zerstört die Umwelt und beutet andere Menschen aus. Die Folgen sind Klimawandel, Knappheiten und letztlich auch die derzeitige finanzielle Instabilität, die einen Wandel unabdingbar machen.“

Foto: Uni Oldenburg

Er steht auf dem Standpunkt, dass der technische Fortschritt lediglich die Art der ökologischen Plünderung verändert und unser Wohlstand von Energie und Ressourcen umwandelnden Maschinen erzeugt wird. Paech fordert sich vom Dogma des Wirtschaftswachstums abzuwenden und das Konsum- und Mobilitätsverhalten durch Reduktion zu mäßigen. Nur so kann man seiner Meinung nach den Klimaschutz ernst nehmen.

„Statt wie bisher rund 40 Stunden sollten Arbeitnehmer nur noch etwa 20 Stunden pro Woche arbeiten, um Geld zu verdienen. Die übrigen 20 Stunden dienten nicht nur der Freizeit, sondern auch der kreativen Selbstversorgung: Anbau von Obst und Gemüse, Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten, Eigenproduktion … Manche Güter und Dienstleistungen könnten im sozialen Umfeld getauscht werden. Moderne Subsistenzwirtschaft könnte die Verringerung des Geldeinkommens auffangen, indem eine verringertes Güterquantum durch eigene Instandhaltung und Reparatur „veredelt“, also länger genutzt werden kann“, sagt Prof. Paech in einem Interview.

Foto: Dingfabrik e.V.

Auch sieht er eine Verrücktheit der heutigen Gesellschaft darin, einerseits durch steigende Kaufkraft sich von anderen Menschen unabhängig machen zu wollen, andererseits aber viel Zeit bei Facebook zu verbringen, um sich als soziales Wesen zu fühlen. Gefragt danach ob er denn nach seinen Forderungen lebt, antwortet er:

„Ich habe kein Einfamilienhaus, kein Auto, kein Handy, keinen Fernseher und bin in meinem 51-jährigen Leben nur einmal geflogen. Seit 1979 bin ich Vegetarier und versuche, mich saisonal, regional und ökologisch zu ernähren. Und ich benutze Sachen, bis sie kaputt gehen, lasse Hosen und Schuhe flicken. Ich repariere Fahrräder, backe Brot und habe mir auch sonst einige Subsistenzfähigkeiten angeeignet.“

Das ganze Interview lesen Sie unter: Universität Oldenburg

Niko Paech: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. Oekom Verlag, München 2012, 14,95 Euro.

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