Die Chippille: Orwells 1984 im Jahr 2012?

Eine neue Form der Medizin ist auf dem Markt: Tabletten mit eingebautem Sensor .Vor einigen Tagen erst von der amerikanischen Food and Drug Administration genehmigt, sind Chippillen laut dem Hersteller Proteus Digital Health die goldene Zukunft der Medizin!

Und was Sie nicht alles können: Einmal geschluckt, wird der Silizium-Chip durch Kontakt mit der Magensäure aktiviert. Sodann beginnt er eifrig Daten zu versenden, die drahtlos an eine Smartphone App übertragen werden. Im simpelsten Fall handelt es sich dabei um eine schlichte Einnahmekontrolle. Der Arzt bekommt eine SMS und sieht sofort, ob sich der Patient nicht an die vorgeschriebene Dosierung hält oder die verschriebenen Medikamente möglicherweise überhaupt nicht einnimmt!

 

50 Prozent der Amerikaner schlucken die verschriebenen Pillen nicht!

 

Die fehlende Disziplin im Tablettenkonsum - anscheinend ein gravierendes Problem der heutigen Medizin. Patienten die ihren Ärzten nicht vertrauen. Um dieser Problematik zu begegnen wurde in Belgien sogar eine Non-Profit-Organisation mit dem schönen Namen Healthcare Compliance Packaging Council , kurz HCPC, gegründet. Klingt nach einem Krankheitserreger, heißt übersetzt aber so viel wie „Vereinigung für kooperatives Verhalten des Patienten bei der medizinischen Therapie durch ansprechendere Verpackungen“. Weil das aber genauso kompliziert ist wie es klingt, ist HCPC begeistert von den Möglichkeiten der neuen Chippille: "Menschen, deren Leben von einem Medikament anhängt, sind oft dankbar für die Kontrolle. Angst vor Big Brother ist hier deshalb nicht angebracht“ äußert sich HCPC-Pressesprecher Tassilo Korab gegenüber Pressetext. Er möchte übrigens auch die Angabe der Nebenwirkungen im Beipackzettel abschaffen. Hierbei handelt es sich schließlich um völlig unnütze Angaben, die einzig der Haftpflichtversicherung Rechnung tragen und den Patienten nur verängstigen.

 

Foto:Wikipedia/Markus Würfel

Aber zurück zur Kontrolle, denn darum geht es ja schließlich bei der Chippille. Der Arzt wird zum Aufpasser, der Chip zum mahnend erhobenen Zeigefinger: „Hast du deine Medizin genommen?“. Es darf allerdings daran gezweifelt werden, ob ein aufgezwungener Kontrollmechanismus irgendetwas ändert. „Die Kooperation der Patienten bei Behandlungen ist zwar ein internationales Problem, die Erfolgsquote ist aber von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Ein Funktionierendes Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist das beste Mittel für regelmäßige Medikamenteneinnahme.“ kommentiert Otto Pjeta, Medikamentenreferent der österreichischen Ärtzekammer, den neuen Chip. Die Überwachung und Bevormundung des Kranken trägt zu einem solchen Vertrauensverhältnis sicher nicht bei.

 

Chippillen - Medizinische Innovation oder Big Brother im Bauch?

 

Andererseits ist die Einnahmekontrolle nur ein erster Schritt auf dem neuen Feld der Digitalen Medizin. Schon bald könnten ganze Mini-Labore in dem Körper geschleust werden. Dort sammeln sie Informationen über die Wirkung und Verträglichkeit der Medikamente oder die Aktivität des Immunsystems. Daten die, laut Hersteller, auch der Patient selber einsehen kann. Dosierungen könnten besser angepasst werden, mögliche Unverträglichkeiten schneller erkannt und Probleme bereits im Kleinststadium aus dem Weg geräumt werden. Familien die ihre Großeltern pflegen, können deren Gesundheitszustand besser verstehen und haben so eine Erleichterung im Alltag.

 

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Was auf den ersten Blick wie eine hilfreiche und angenehme Neuerung wirkt, wirft trotzdem beträchtliche Fragen auf. Wer erhält Zugriff auf die gesammelten Daten? Wie kann man sich vor Informationsklau schützen? Was für ethische Konsequenzen entstehen aus dieser direkten Form der Untersuchung?

 

 

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