Eine Mass voll CO2: Klimawandel in Bayern

Ein sonniger heißer Tag Ende Juli, bestes Schulausflugswetter. Ich fange schon an zu bereuen, dass ich mir diesen Tag für meinen Besuch in der Wanderausstellung „Klima Faktor Mensch“ des Landesamtes für Umweltschutz ausgesucht habe, denn vor dem Deutschen Museum in München ist vor lauter Schulklassen fast kein Durchkommen. Gerade jubelt der ganze Innenhof, weil einer der Schüler einen Football auf den Balkon geschossen hat und nun von der oben sitzenden Cafebesucherin Bedingungen diktiert bekommt. Ich betrete das Museum. Das müsste doch hier sein? Nachdem mir eine Besucherbefragerin auch nicht weiterhelfen kann entdecke ich gut versteckt hinter dem Infozentrum das Schild: „Klima Faktor Mensch in der Bibliothek“. Aha. Wieder raus, über den Innenhof und rein in die Bibliothek. Auf gut Glück öffne ich eine der Türen und finde tatsächlich die Ausstellung. Allerdings, große Überraschung: Ich bin die einzige Besucherin und kann mich in der nächsten halben Stunde in Ruhe über schmelzende Gletscher, Bayern ohne Schnee im Winter und ein klimafreundliches Frühstück informieren.

Foto: wikimedia CC BY-SA 3.0/Usien

Die Klimafolgen einer Weißwurst

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 21. September hier und hat das Ziel, Schüler ab der sechsten Klasse und Interessierte über die Auswirkungen unseres Handelns auf das Weltklima zu informieren. Neben Erklärungen über die Ursachen und weltweiten Folgen des Klimawandels gibt es in der interaktiven Ausstellung anschauliche 3D-Klapptafeln, die je nach Betrachtungswinkel einen intakten und einen ausgetrockneten Wald, Permafrostboden und aufgetauten Permafrostboden zeigen. Die Frage „Was hat mein Konsum mit dem Klimawandel zu tun?“ beantwortet die Ausstellung anhand des Beispiels einer Weißwurst und eines gekauften T-Shirts. Ein kurzer Film erklärt, dass konventionelle T-Shirts viel gravierende Folgen für die Umwelt haben und quer um den Globus geflogen werden, bevor sie hier im Geschäft ankommen. Als Alternative nennt der Film Fair-Trade-T-Shirts mit Baumwolle aus dem ökologischen Anbau. Die Weißwurst wiederum besteht aus Kalb- oder Schweinefleisch, das bei seiner Herstellung viel mehr Wasser verbraucht und CO2-Emissionen verursacht als, sagen wir, das Mehl für eine Breze.

 

Blick in die Ausstellung Foto: Deutsches Museum

Grüne Wiesen im Winter: Die Folgen des Klimawandels für Bayern

Was die Ausstellung von anderem Informationsmaterial über den Klimawandel unterscheidet ist der Bezug zur Region. Es gibt „Heimatromane“, die Pärchen im Winterlook auf grünen Wiesen zeigen, nachhaltige Hirschlederhosen („aus nachwachsenden Rohstoffen, waschen unnötig, hält ewig“) und schöne Vergleiche mit in Bayern bekannten Größen: Der Freistaat stößt nämlich im Jahr so viel CO2 aus wie der Bodensee Wasser fasst. Jeder einzelne Bayer wiederum verursacht im Durchschnitt alle zehn Minuten eine Mass voll CO2. Das Ziel ist Reduktion der Emissionen auf ein Wasserglas. Fazit: Den Zusammenhang zwischen dem Konsum einer Weißwurst und der fehlenden Winterromantik macht die Ausstellung gut und unterhaltsam deutlich – nur größere Hinweisschilder vor dem Deutschen Museum wären schön, damit auch ein paar von den Schulklassen die Ausstellung finden.

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