Hoffnung auf die Protestbewegung

Donald for President – und nun? In den USA gehen die Gegner des neu gewählten Chefs im Weißen Haus auf die Straßen und demonstrieren gegen seine im Wahlkampf geäußerten Absichten für die künftige US-Politik. In der Frankfurter Rundschau entdeckt der Journalist, Regisseur und Schauspieler Michael Herl darin eine Chance: „Viele Verbesserungen in den USA sind aus Protestbewegungen entstanden - warum nicht auch jetzt?“ Mit seiner Erlaubnis publiziert global° den Text:

Screenshot: ctv

Eigentlich hatte ich auch nicht gedacht, dass es so weit kommen könnte, aber dennoch den Teufel schon mal an die Wand gemalt. Es war Anfang August, als ich an dieser Stelle überlegte, welche Konsequenzen ein Wahlsieg Donald Trumps haben könnte. Und siehe da, schon hatte der Dämon ein Stück seiner Schrecklichkeit verloren. Denn wie sagt doch der Volksmund: Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut wäre.

Damit meine ich nun nicht, dass Trump als US-Präsident nicht so fürchterlich sein würde wie während seines Wahlkampfes. Der Mann agiert nicht irrational, wie immer kolportiert wurde, er – und das ist schlimmer – ist berechnend, eiskalt kalkulierend. Und noch schlimmer: durch und durch rassistisch, frauenfeindlich, xenophob und homophob. Und er wird sich nicht bessern, denn er will und kann sich nicht bessern.

So weit, so schlecht. Aber was soll daran nun das Gute sein? Das lässt sich eine Woche nach der Wahl auf den Straßen der USA schon erahnen. Dort skandieren bereits Hunderttausende „Not my President“, dort kommt es zu Demonstrationen und zu Blockaden. Und allerorten in dem riesigen Land wird diskutiert. Eine Gesellschaft politisiert sich wieder, das war überfällig. Zu lange waberte das Land wie in einem riesigen Wattebausch einer immer düsterer werdenden Zukunft entgegen, was jedoch kaum einer erkennen und wahrhaben wollte.

 

„Et hätt noch emmer joot jejange“

 

Michael Herl Foto: FR-Online

Das kölsche Jeckenmotto „Et hätt noch emmer joot jejange“ wurde in den Vereinigten Staaten auf grausame Weise widerlegt. Die Lage ist kompliziert, weltweit, nicht zuletzt als Folge der Globalisierung. Das muss man wenigstens zu erkennen versuchen. Muss lesen, sich bilden, anspruchsvolle Sendungen sehen, debattieren, neugierig sein. Das alles ist – vorsichtig ausgedrückt – in den USA nicht jedes Bürgers Sache. Dann kam einer, der Belgien für eine Stadt hielt, und versprach einfache Lösungen. Und viele johlten ihm zu. Zu viele. Die alte Westcoast-Weisheit „We always try to keep it easy“ hat aber längst ausgedient, das werden sie nun schmerzhaft erkennen müssen.

Jedoch: Die große Mehrheit hat sich ja für Hillary Clinton entschieden. Gewonnen hat dennoch Trump – dank eines Wahlsystems, das eigentlich installiert wurde, um Leute wie Trump zu verhindern. Das ist fatal. Diese große Mehrheit aber ist geblieben, und sie wird noch wachsen, da gewiss viele Trump nur wählten, um irgendwem einen Denkzettel zu verpassen. Als Präsidenten wollten sie ihn nicht wirklich haben. Das möge bitte die Protestwähler in Europa zur Vorsicht gemahnen. Wir stehen vor der gleichen gesellschaftlichen Problematik, und auch bei uns helfen keine einfachen Lösungen.

So ist auch hier die Mehrheit der Vernünftigen gefordert, wie in den USA. Dort – und so schrieb ich es bereits im August – muss man nun die Situation als Chance begreifen. Sich erinnern, wie viele großartige gesellschaftliche Veränderungen in diesem Land aus Protest entstanden. Man denke an die Beatniks, die Blumenkinder, die Friedens-, Frauen-, Schwulen- und Black-Panther-Bewegung. Das alles ist lange her, es wird also wieder Zeit. So könnte sich entwickeln, was Bernie Sanders, der unterlegene Kandidat der Demokraten, als eines seiner Ziele formuliert hatte: „Wir bringen die linke Revolution voran“.

 

 

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