Japan: Bald wieder Kernkraftwerk am Netz?

Die japanischen Behörden wollen im Herbst 2014 das erste Kernkraftwerk wieder anschalten, nachdem als Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima alle Reaktoren vom Netz gingen. Um sicherer zu werden, müssen die Kraftwerke allerdings höhere Standards erfüllen, bevor sie wieder angeschaltet werden dürfen. Das Kernkraftwerk Sendai auf der südlichsten japanischenen Hauptinsel Kyushu hat diesen Test nun als erstes bestanden. Die Verkündigung dieser Entscheidung war mit Protesten von Atomkraftgegnern verbunden. Doch wenn auch die städtischen und regionalen Behörden vor Ort zustimmen, könnte es dann im Herbst soweit sein: Das erste Atomkraftwerk nach dem Unglück von Fukushima wäre wieder in Betrieb.

 

Das Kernkraftwerk Sendai in Kyushu Foto: wikimedia CC BY-SA 3.0/Kei

Sicherheitsstandards der Regierung erfüllt

Die Betreiber mussten dafür Sicherheitsstandards erfüllen: Einen erdbebensicheren Kommandoturm und Betonwände um die Kühlwasserpumpen vor Tsunamis zu schützen haben die Betreiber bereits gebaut. Wie aus dem Prüfbericht von Kyushu Electric hervorgeht, ist das Kernkraftwerk aber trotzdem nicht für Erdbeben von der Stärke des Tohoku-Erdbebens im März 2011 ausgelegt. Vermutlich ist es mit den neuen Vorkehrungen gegen Tsunamis, Erdbeben und auch Terroristen zwar sicherer als je zuvor. Hundertprozentig sicher, und das räumt auch die Atombehörde ein, kann es allerdings nie sein.

Lange Folgekosten

Premierminister Shinzo Abe will die Wirtschaft schonen, indem er die Atomkraftwerke wieder anschaltet. Die Strompreise sind in den letzten Jahren in die Höhe geklettert weil auf teueren Strom aus fossilen Brennstoffen zurückgegriffen werden musste. Die Bürger zahlen aber auch die Kosten für die Schadensbegrenzungen in Fukushima: Eine Eiswand, die verhindert, dass das kontaminierte Grundwasser ins Meer fließt, die ständige Kühlung, die immer mehr radioaktiv verseuchtes Wasser produziert, die Dekontaminationsmaßnahmen...

Hoffnung?

Aber es gibt eine Hoffnung für die Atomkraftgegner Japans, die laut Umfragen immerhin 70 Prozent der Bevölkerung ausmachen: Wenn tatsächlich die lokalen Behörden ein Mitspracherecht haben, können sie sich dagegen wehren, dass Atomkraftwerke in ihrer Nähe wieder angeschaltet werden. Und wenn das alle machen würden? So unwahrscheinlich ist das nicht: Nur 20 Prozent der zuständigen Kommunen würden laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo uneingeschränkt einer Wiederinbetriebnahme zustimmen.

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