Nachhaltig leben braucht "Anstupser"

Eine schlichte Stellenausschreibung des Kanzleramts für Referenten mit psychologischen, soziologischen, verhaltensökonomischen Kenntnissen löste im Sommer 2014 eine Flut humoriger bis bissiger Kommentare, vom Boulevardblatt bis zur seriösen Wochenzeitung aus. „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, „Sofas würden aber noch nicht bestellt“. „Merkel will jetzt wirksam regieren“ - und dazu braucht man „Psychotricks“.

Aber: Was ist eigentlich falsch daran?

Foto: Wikimedia CC 3.0/Kleuske

Da kam die breite Rezeption der „Nudges“ gerade recht, eines Buchs von R. Thaler und C. Sunstein, die sich - gestützt auf zahlreiche Forschungsergebnisse - mit den kleinen „Anschubsern“ befassen, die für „kluge Entscheidungen“ oft hilfreich sind.

Unsere Verhaltensweisen werden von (internen) Motiven, aber eben auch von externen Anregungen, Stubsern, Stolpersteinen beeinflusst, aber auch von „self-nudges“, wie dem Wecker am Morgen oder dem Foto am Kühlschrank für den Diätwilligen.

Nutzen wir nicht täglich viele Anstupser, um das Leben zu meistern?

Dass weniger daneben geht, weil die aufgemalte Fliege als Ziel im Urinal dient, ist allseits bekannt. Werden Anschubser aber für flächendeckendes Impfen oder vermehrtes Organspenden eingesetzt, wähnt man Marketing-Tricksereien, fürchtet Manipulation, Bevormundung, ja sogar „Bedrohung bürgerlicher Freiheitsrechte“.

Aber: Was ist eigentlich falsch daran, wenn Merkel jetzt wirksam regieren und „Vorhaben aus der Sicht der Bevölkerung betrachten“ will?

Nehmen wir wichtige Aufgaben der nachhaltigen Entwicklung, z.B. die Energiewende. Technologische, rechtliche und ökonomische Maßnahmen reichen da nicht aus. Notwendig sind veränderte Lebensstile, also letztlich Verhaltensänderungen. Da ist es an der Zeit fundierte Erkenntnisse der Verhaltens- und Sozialwissenschaften zu nutzen und Alltagswissen und Populärpsychologie auf ihre Plätze zu verweisen.

 

Lenelis Kruse ist Honorarprofessorin für Ökologische Psychologie an der Universität Heidelberg. Sie schrieb den Text für Denkwek Zukunft

 

 

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Maria Herzger
14-05-15 23:55:
Dem kann ich nur zustimmen. Veränderte Lebensweisen sind von Nöten. Dabei müssen es nicht aufwändige Veränderungen sein. Auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist! Die Summe macht m.E. den Erfolg, nachhaltiges Wirtschaften ebenso wie Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren.

Zufälligerweise habe ich gerade einen aktuellen Artikel zum Thema:

http://maria-herzger.eu/nachhaltigkeit-kann-jeder/

Wir sind alle gefragt unseren Beitrag zu leisen, im Kleinen und im Großen!

Nachhaltige Grüße,
Maria
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Maria Herzger
14-05-15 23:55:
Dem kann ich nur zustimmen. Veränderte Lebensweisen sind von Nöten. Dabei müssen es nicht aufwändige Veränderungen sein. Auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist! Die Summe macht m.E. den Erfolg, nachhaltiges Wirtschaften ebenso wie Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren.

Zufälligerweise habe ich gerade einen aktuellen Artikel zum Thema:

http://maria-herzger.eu/nachhaltigkeit-kann-jeder/

Wir sind alle gefragt unseren Beitrag zu leisen, im Kleinen und im Großen!

Nachhaltige Grüße,
Maria

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