Slavery Footprint: Zähle deine Sklaven

Mein Konsum hat seinen Preis, nicht zuletzt sozial: Jeder weiß, dass für unsere Smartphones, Laptops oder Jeans Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Aber wie viele Personen das sind, wusste ich bisher nicht. Auf slaveryfootprint.org habe ich es erfahren. Wie die Website funktioniert, wer hinter ihr steht und was wir gegen Zwangsarbeit tun können, steht hier.

 

Startseite von slaveryfootprint.org

 

Mein Konsum fordert 30 Sklaven

Slaveryfootprint.org führt mich in 11 Schritten durch einen interaktiven Fragebogen. Zunächst kann ich angeben, wo ich wohne, wie alt ich bin etc. Dabei erfahre ich nebenbei u.a., dass es mindestens 27 Mio. Zwangsarbeiter gibt oder dass die Shrimps-Industrie in Süd-Ost-Asien Zwangsarbeit fördert.

In Kategorien wie Elektronik, Kleidung und Essgewohnheiten gebe ich an, was und wie viel ich besitze bzw. esse. Den Anteil an fair Gehandeltem kann ich auch berücksichtigen lassen.

Den Vergleich in der Kategorie Sport finde ich besonders anschaulich: "In China, soccer ball manufacturers will work up to 21 hours in a day, for a month straight. Even the toughest American coaches wouldn't ask that from their squads." (Um Fußbälle herzustellen, arbeiten Menschen in China 21 Stunden am Tag. Nicht mal der härteste amerikanische Trainer würde das von seiner Mannschaft verlangen.)

Nachdem ich alle Angaben gemacht habe, erscheint eine Zahl auf dem Bildschirm: 30 - der Total Slavery Footprint.

 

Screenshot (slaveryfootprint.org): Das traurige Ergebnis meines Konsums

 

Diese Zahl Zwangsarbeiter war wahrscheinlich an der Herstellung der von mir gekauften Produkte beteiligt. Der Footprint basiert einerseits auf Untersuchungen wie dem Trafficking in Persons Report 2011 (Department of State; weitere hier), andererseits auf Informationen zu den erforderlichen Prozessen. Mehr als 400 der gängigsten Gebrauchsgüter wurden dazu untersucht. Von Zwangsarbeit/Sklaverei wird dabei gesprochen, wenn jemand zur Arbeit ohne Bezahlung gezwungen und wirtschaftlich ausgebeutet wird, und dabei keine Möglichkeit hat, dieser Situation zu entkommen.

 

Was kann ich für eine „Free World“ tun?

 

 

Hinter slaveryfootprint.org steht Made In a Free World (MIAFW), eine Anti-Sklaverei Organisation aus Oakland, CA. Insgesamt versucht Made In a Free World ein Netzwerk aus Einzelpersonen, Gruppen und Firmen aufzubauen, das gemeinsam gegen Zwangsarbeit vorgeht. Ihre Vision von Produkten, die bald ein neues „Made In …“-Label tragen, nämlich „Made In a Free World“, gefällt mir sehr.

Den jährlich 120 Mio. $ Spenden stehen aber noch 150 Mrd. $ Profit aus Zwangsbeschäftigung gegenüber. Eine Veränderung muss also unbedingt auch am Markt stattfinden.

Und jeder kann daran mitwirken: Neben Spenden ist ein bewusstes Einkaufen eine Möglichkeit. Wer wie ich trotzdem Produkte der großen Firmen wie Sony, Apple oder Nike benutzen will, kann diese Firmen auffordern, ihre Zulieferer zu überprüfen. Eine vorformulierte E-Mail wird an alle Firmen gesendet, die ich auf madeinafreeworld.com/take_action auswähle. Was mir daran so gut gefällt, ist, dass MIAFW den Firmen konkrete Hilfe bei der Überprüfung ihrer Handelsbeziehungen anbietet und sie nicht nur anklagt.

 

Made In a Free World (MIAFW) - Organisation gegen Zwangsarbeit

 

Screenshot von madeinafreeworld.com/mission: MIAFWs Model

 

Diese Hilfe ist einer der drei Teile aus denen das Model von MIAFW besteht:

1. Geschäftslösungen: Lieferketten sind der Schlüssel, um Sklaverei zu beenden. MIAFW hilft Unternehmen dabei, ihre Lieferketten zu untersuchen, Zwangsarbeit zu identifizieren und mit geeigneten Maßnahmen abzuschaffen. Dazu hat MIAFW eine aufwendige Plattform geschaffen, die sog. FRDM (Forced Labor Risk Determination & Mitigation). Unternehmen geben dabei ein, was sie woher beziehen. Das Programm ermittelt die Wahrscheinlichkeit, dass Zwangsarbeiter daran beteiligt sind und hilft, andere Zulieferer zu finden. MIAFWs Werbevideo erklärt die Plattform anhand eines Fahrradladens, der u.a. Reifen und Rahmen überprüfen lässt.

 

 

2. Vor Ort laufen Programme, die Betroffene dauerhaft von der Gefahr der Versklavung befreien. Ein Projekt läuft in Indien (Kosmetik), das zweite Projekt in Ghana (Fischerei).

3. Bewegung aufbauen: Durch mangelndes Bewusstsein bezüglich der Sklaverei-Thematik fehlt es an Unterstützung gegen ausbeuterische Beschäftigung vorzugehen. Mit innovativen Kampagnen wie slaveryfootprint.org macht Made In a Free World auf die Problematik aufmerksam und zeigt, wie sie uns betrifft. Wer helfen will findet auf madeinafreeworld.com, auf der zugehörigen Facebook-Seite oder bei einer anderen Organisation bestimmt eine Möglichkeit. Schreibt einen Kommentar, wenn ihr weitere Organisationen kennt, euch engagiert oder sonst etwas sagen wollt!

 

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Ruth Goll
21-10-16 18:31:
Habe den Fragebogen ausgefüllt. Es wird nicht differenziert, wie und wo ich einkaufe (Bsp. lokaler Markt, BIO, Regional, Fairtrade, fairfashon usw.)
Brigitte Stolz
08-09-16 16:10:
die Infos sind bestürzend, ich würde gerne den Fragebogen ausfüllen
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21-10-16 18:31:
Habe den Fragebogen ausgefüllt. Es wird nicht differenziert, wie und wo ich einkaufe (Bsp. lokaler Markt, BIO, Regional, Fairtrade, fairfashon usw.)
Brigitte Stolz
08-09-16 16:10:
die Infos sind bestürzend, ich würde gerne den Fragebogen ausfüllen

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