Ziemlich geschmacklose Koch-Kunst

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten: Die Hamburger, die der niederländische Physiologe und Pharmakologe Mark Post aus Maastricht Testessern kredenzt, sollen jenen, munkeln jedenfalls die meisten Berichte über den Food-Versuch in London, tatsächlich gemundet haben. Ob Posts Idee aber auch wirklich unseren Rindern das Leben retten und uns zugleich vor dem Klima-Kollaps bewahren wird, bleibt vorerst eine offene Frage.

Sagen aber dürfen wir schon jetzt, dass allein der Weg dorthin eher ein äußerst geschmackloser ist.

Foto: ap/B. Thorn

Doktor Post legt natürlich seinen Finger tief und auch in die richtige Wunde: Unser Hunger nach Fleisch ist im doppelten Sinn mörderisch. Er killt die Tiere, deren Muskeln und Fett wir verzehren wollen. Er heizt das Klima an, weil Methan aus Kuhmägen ein Treibhausgas ist und der Transport von Futter und Fleisch um den Globus viel fossile Energie verschleudert. Post schlussfolgert, dies müsse auch anders gehen. Seine Alternative heißt: Kunstfleisch aus dem Reagenzglas.

 

Essen der Zukunft: Fleisch für das kein Tier leiden muss

 

Stammzellen aus der Schulter einer Kuh wachsen in nur drei Monaten zum genau aufs Brötchen passenden Bürger – ohne dass dafür ein Herzschlag einer Kuh nötig wäre. Für das Kunstfleisch des Wissenschaftlers müssen keine Wälder fallen, damit Bauern Felder für Kraftfutter bepflanzen können. Für das Fleisch muss kein Tier im Maststall leiden und auch keine Angst vor dem Metzger haben.

Noch freilich tüftelt Post an der Konsistenz seines Burgers. Weil er bislang erst Muskelfasern wachsen ließ, fehlt es dem Fleisch an Fett und damit am Geschmack. Die Herausforderung nimmt der Professor gerne an. Er ist sicher: „Es dauert keine 15 Jahre mehr, dann essen wir solches Fleisch.“

 

Umfrage: 60 Prozent für Kunstfleisch

 

Er dürfte vermutlich Recht behalten. Laut einer Leser-Umfrage des britischen Guardian sind 60 Prozent der Briten und Niederländer „cultured food“ gegenüber aufgeschlossen. Sie würden das Kunstfleisch kaufen und – essen!

Dabei gäbe es echte Alternativen: Die lauten weniger Fleisch verzehren und öfter – manche sagen: immer – nur Gemüse, Hülsenfrüchte oder Obst essen.

 

 

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