MUSS-Bücher über das Wesen echter Demokratie

Zwei US-Politiker denken darüber nach, wie Politik sinnvoller und gerechter zu gestalten sei. Beide kommen dabei zu jeweils ganz unterschiedlichen Resultaten. Sie können kaum gegensätzlicher sein: Der eine will die Demokratie zuspitzen und sie auf eine epistokratische "Herrschaft der Wissenden" verengen - der andere will ihre BAsis erweitern und die gegenwärtigen Interessensschwerpunkte tauschen: statt der Profite der ohnehin Reichen, sollen künftig die Interessen der bis dato Benachteiligten ins Zentrums rücken.

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Reginaspics

Ein Schelm, der bei dieser Konstellation der in jeweils unterschiedlichen Büchern geführten Debatte an die aktuelle Situation im Mutterland der Demokraten denkt. Die Autoren Jason Brennan oder Bernie Sanders argumentieren und schreiben ganz im Gegensatz zum derzeitigen Hauptakteur der US-Politik äußertst belesen und höchst professionell: Sowohl der Philosoph und Politologe Brennan wie der Senator und Beinahe-Präsidentschafts-Herausforderer Donald Trumps waren bereits lange politisch aktiv, ehe Donald der Erste seinen Einzug ins Weiße Haus inszenierte - der eine als Theoretiker, der sich um die politische Wissenschaft verdient gemacht hat, der andere als Sozialpraktiker, der als Bürgermeister in Vermont und Kongressabgeordneter in der Hauptstadt Washington für seine Mitbürger in den USA der Politik immer wieder erfolgreich seinen wahrhaft liberalen Stempel aufdrückt.

Zwei Thesen, zwei jeweils hervorragend geführte Argumentationsketten, zwei Politiker, die wissen, worüber sie reden. Sie zeichnen zwei unterschiedliche Welten.

 

Cover: Ullstein Verlag

Jason Brennan zweifelt an der Fähigkeit der meisten Bürger, sich im demokratischen Prozess sach- und fachgerecht zu bewegen und gesteht ihnen daher nur eine Statistenrolle zu, während die Informierten und Wissenden wie im antiken Athen über die Geschicke aller übrigen Bürger exklusiv entscheiden dürfen. Brennan provoziert bewusst, wenn er die Demokratie an deren tatsächlichen Ergebnissen misst. Die überzeugen (ihn) wenig und daher fordert er, dass niemand sich am Willensbildungsprozess beteiligen dürfe, die oder der von Ökonomie und politischer Theorie ohne Ahnung sei. Er führt zahllose - und beim oberflächlichen Betrachten tatsächlich erschreckende - Beispiele dafür an, was dieses ungebildete und unerfahrene Wahlvolk in einem Staat anrichtet. Das kann, nach Brennans Meinung so nicht bleiben. Da mag er vermutlich sogar recht haben. Sein Vorschlag: Entscheidungen werden nur dadurch sinnvoller und akzeptabel, wenn ausschließlich die Minderheit der rational denkenden und emotionslos entscheidenden "Vulkanier" Stimme und Sitz in der demokratischen Gesellschaft haben. Er lässt dabei nur außer Acht, dass es auch einen Weg geben muss, die Unwissenden zu lehren. So bleibt sein Buch jene Streitschrift, die ihren Namen und viele Leser, die bereit sind, darüber nachzudenken, verdient.

 

Cover: Ullstein Verlag

Bernie Sanders Buch ist (s)eine Rückschau auf die Monate seiner Kampagne als Wahlkämpfer ums Weiße Haus. Es sammelt seine Thesen und Argumente, untermauert sie mit vielen Fakten und vor allem der Insider-Kenntnis seiner beruflichen Karriere in der US-Politik. Die Lektüre macht klar: Politische Handeln erfordert Überzeugung. Politsche Arbeit basiert auf Mut und Unabhängigkeit - sonst ist ein Politiker bloß ein fremdbestimmmter Handlanger der Profit-Interessen mächtiger und finanzstarker Player. Statt zu handeln wird er manipuliert.

Sanders Buch ist nicht nur lesenswert, weil er klar macht, was einen wirklich politischen Streiter für eine gerechte Welt auszeichnet. Es ist auch bemerkenswert, weil es Einblicke in (s)eine Persönlichkeit gibt und seine Überzeugung, was gerecht ist und was Gerechtigkeit behindert, offenlegt. Ein Muss für jeden Leser, der (noch immer) an diese Werte glaubt und weiter daran glauben will.

 

Jason Brennan

GegenDemokratie

Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen

464 Seiten

Ullstein, Berlin 2017

24 €

 

Bernie Sanders

Unsere Revolution

Wir brsauchern eine gerechte Gesellschaft

464 Seiten

Ullstein, Berlin 2017

24 €

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