BiobasedWorld – die Welt der Bioökonomie in Köln

Foto: BiobasedWorld/Etschmann

BiobasedWorld ist die erste Fachmesse für die biobasierten Industrien und feiert am 15. und 16. Februar 2017 in Köln Premiere. Die Bioökonomie ist ein weltweit wichtiger und wachsender Markt. Bisher gibt es aber noch keine Fachmesse für Firmen, die nachwachsende Rohstoffe verarbeiten und daraus ihre Wertschöpfung beziehen.

BiobasedWorld schließt diese Lücke und umfasst Themen von Algen bis Zellstoff.

Das Auto fährt mit Benzin mit 5 Prozent Bioethanol, wir schlucken Wellnesspillen mit Algenzusatz und spülen sie mit einem Schluck Wasser aus einem kompostierbaren Plastikbecher hinunter - die Produkte der Bioökonomie haben längst Einzug in unseren Alltag gehalten.

 

Kunststoffe aus Rüben, Raps, Holz und Algen

 

Foto: Jean-Luc Valentin, DECHEMA

Bis ein solches Produkt im Regal liegt sind viele Schritte nötig, und es sind viele Firmen daran beteiligt. Basis ist immer ein nachwachsender Rohstoff, sei es Zuckerrüben, Rapsöl, Holz oder Algen. Meist sind Mikroorganismen wie Hefen, Schimmelpilze oder Bakterien im Spiel, die beispielsweise den Rübenzucker in Milchsäure umwandeln. Diese wird zum Biokunststoff Polymilchsäure weiterverarbeitet, aus dem kompostierbare Plastikbecher hergestellt werden.

BiobasedWorld ist die erste Messe, die Bioökonomie zum Anfassen bietet und das über die ganze Bandbreite des Themas. Sie ist der Marktplatz für alle Industrien, die biobasierte Produkte möglich machen: Firmen, die Milchsäurebakterien noch leistungsfähiger machen, Fermenterhersteller, in deren Behältern die Bakterien kultiviert werden und Kunststoffverarbeiter, die das Polymilchsäuregranulat zum Becher formen, um beim obigen Beispiel zu bleiben.

 

Vortragsprogramm „biobased industries at work“

 

Ein Vortragsprogramm gibt es natürlich auch: „biobased industries at work“ stellt Verfahren vor, die bereits erfolgreich im industriellen Maßstab laufen oder kurz davor sind.

Veranstaltet wird BiobasedWorld von der DECHEMA Ausstellungs-GmbH, die seit 1920 die ACHEMA als Leitmesse der Prozessindustrie organisiert.

 

 

 

Biobasierte Chemie: Für Klimaschutz und weniger Abfall

Grüne Chemie: Wissenschaftler forschen mit Hochdruck an neuen Grundstoffen in der Chemieindustrie. Ihr Ziel ist der Abschied vom Erdöl als Basis vieler Produkte. Über die Chancen dieser „biobasierten“ Rohstoffe sprach global° mit Marlene Etschmann von BiobasedWorld.

 

Können alle bisher in der Chemieindustrie verwendeten Grundstoffe auf nachwachsende umgestellt werden?

Marlene Etschmann: Es gibt immer mehr Chemikalien, die heute auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden und nicht mehr wie früher aus Erdöl. Ethanol und Milchsäure sind nur zwei Beispiele dafür.

Das Erdöl wird uns aber sicher noch eine ganze Weile begleiten. Immerhin gibt es die Petrochemie seit 150 Jahren, während die biobasierten Alternativen erst seit relativ kurzer Zeit untersucht werden. Sehr viele Chemiegrundstoffe können im Prinzip schon biobasiert hergestellt werden, aber die Verfahren müssen noch optimiert werden um ebenso effizient zu werden wie die Erdölchemie.

 

Dr. Marlene Etschmann, Projektleiterin BiobasedWorld Foto: DECHEMA

Was ist dabei die größte Herausforderung?

Im Jahr 2016 ist die größte Herausforderung der niedrige Ölpreis. Nur ganz wenige weitsichtige Verbraucher sind bereit, für biobasierte Produkte mehr zu bezahlen. Bei der großen Mehrheit ist ein niedriger Preis das wichtigste Kaufargument und da liegen Erdölprodukte im Moment noch vorne, egal ob es um Joghurtbecher oder Dämmstoffe geht.

 

Wird dies und wenn ja, wie wird es die Produkte verändern?

Wenn ein Grundstoff für die Chemieindustrie biobasiert statt aus Erdöl hergestellt wird, dann ist das meist eine „drop-in“-Lösung: Das chemische Molekül ist identisch und man kann ihm seine Herkunft nicht ansehen. Es werden aber auch ganz neue Materialien entwickelt, die dann völlig neue Eigenschaften haben. Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass es einmal biologisch abbaubares Plastik geben würde? Heute liegt der kompostierbare Müllbeutel in jedem Supermarkt.

 

Gibt es diese nachwachsenden Rohstoffe in ausreichender Menge - oder führt die Umstellung zu vermehrten Problemen (Stichwort: Palmöl)?

Im Moment werden die Rohstoffe, die für Biotreibstoffe und Biomaterialien zusammen benötigt werden, auf etwa 3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde angebaut. Natürlich muss bei der Erweiterung der Anbauflächen darauf geachtet werden, dass es möglichst wenig negative Effekte gibt.

Die Hersteller sind sich ihrer sozialen Verantwortung durchaus bewusst, deshalb setzten viele darauf, Reststoffe einzusetzen, auch „Rohstoffe der zweiten Generation“ genannt. Oder sie spezialisieren sich auf Rohstoffpflanzen wie Disteln oder Rizinus. Diese Pflanzen wachsen auch auf kargen Böden, die sonst gar nicht genutzt werden könnten.

 

Worin sehen Sie den bedeutendsten Vorteil dieser Chemie auf Biobasis?

Nachwachsende Rohstoffe setzen bei der Verarbeitung nur so viel Kohlendioxid frei, wie sie beim Wachstum aufgenommen haben, ganz im Gegensatz zum Erdöl. Damit sind sie unsere ganz große Chance, die Klimaerwärmung durch Treibhausgase zu verlangsamen. Die biobasierte Chemie gibt uns auch die Möglichkeit, mehr Produkte des Alltags biologisch abbaubar zu machen und damit die Müllberge zu verkleinern.

 

BiobasedWorld

DECHEMA Ausstellungs-GmbH

Theodor-Heuss-Allee 25

60486 Frankfurt am Main

 

Info / Kontakt:

Tel.: 069 7564 350

www.biobasedworld.de

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