Geißler: Christ sein und an Gott zweifeln?

Foto: Heike Huslage-Koch / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)

Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss? So lautet der Titel einer Streitschrift, in der Heiner Geißler, engagierter Katholik und langjähriger CDU-Politiker, fundamentale Kritik an den theologischen Trugbildern von der Verantwortung Gottes für die Leiden der Menschheit übt. Er bezeichnet sich selbst als Zweifler: "Wenn es Gott gibt, warum ist die Welt dann voller Katastrophen und Kriege? Immer mehr Menschen rebellieren gegen die Sprachlosigkeit der Kirchen auf die Frage nach der Gerechtigkeit eines angeblich allmächtigen Gottes."

 

In einem Interview im Deutschlandfunk erklärt Geißler:

"Ich wende mich gegen die Theologie. Die Kirche ist was anderes als die Addition der Theologen von Paulus über Augustinus bis auf den heutigen Tag. Die Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die sich an Jesus orientieren. Und diese Kirche ist nicht von dem abhängig, was Thomas von Aquin mal erklärt hat oder Augustinus wirklich an verleumderischen Thesen aufgestellt hat, und ist auch unabhängig davon, von den Kreationisten, die auch heute wieder in der Gestalt von den Piusbrüdern und anderen diesen Jesus fundamentalisieren und radikalisieren entsprechend ihrer perversen Vorstellungen."

Am Ende seiner Streitschrift zeigt der Autor dem Leser eine Möglichkeit auf, seinem Leben einen Sinn zu geben, auch wenn er an Gott nicht glauben kann - die Nächstenliebe:

"Auch heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, werden auf der Erde Milliarden von Menschen aufgrunf ihres Glaubens und Gewissens oder ihres Geschlechts, ihrer Rasse und ethnischen Zugehörigkeit unterdrückt [...] Hilft ihnen ein Gott? Sie alle könnten sich aber leicht mit Jesus identifizieren. Jesus als Helfer der Armen, als Freund verstoßener Frauen, als Diener, der anderen die Füße wäscht, als Helfer der Behinderten oder als Verbrecher, der nichts verbrochen hat, am Kreuz [...] Sein denken und Handeln stellen heute wie damals die herrschenden Werte und Maßstäbe auf den Kopf. Ihm und an seine Botschaft können wir glauben."

Der Autor: Dr. Heiner Geissler, geboren 1930, studierte als Mitglied des Jesuitenordens vier Jahre Philosophie und anschließend Rechtswissenschaften. Er war 25 Jahre lang Mitglied des deutschen Bundestages, von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU und von 1982 bis 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. National und international engagiert er sich für die Wahrung der Menschenrechte und die Humanisierung des Globalisierungsprozesses. Er war Schlichter im Konflikt um das Bahnhofsbauprojekt Stuttgart 21 und in verschiedenen Tarifkonflikten. Er ist Autor zahlreicher Bücher, u.a. der Bestseller Was würde Jesus heute sagen? und Sapere aude!.

 

Heiner Geißler

Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?

Ullstein Verlag

ISBN-13 9783550050060

80 Seiten

7,00 €

 

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