
Fatale Selbstüberschätzung
Kein Ende des Atom-Horrors: In Fukushima reißt die Pannenserie am havarierten AKW nicht ab. Erst Kurzschluss, dann Kühlsystem – jetzt leckt ein Tank. Radioaktiv verseuchtes Wasser läuft aus. Reaktion wie immer: Kein Problem. Klar ist aber: Betreiber TEPCO bekommt den Atommeiler bislang noch immer nicht unter Kontrolle.
Auch zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Japan gibt es keine Entwarnung. 2011 zerstörte ein Tsunami an der Ostküste das Kernkraftwerk nahe Fukushima. Dort löste die Welle gleich mehrere Kernschmelzen aus. Inzwischen sind nicht nur vor Ort, sondern auch in Kanada und den USA erste Krankheiten durch den Fallout bekannt geworden.
Alles im Griff verkündete dennoch schon wenige Wochen nach der Havarie der Betreiber TEPCO. Japans Regierung glaubt es. Die neuen (alten) Mächtigen in Nippon kündigten denn auch flugs den schon eingeleiteten Ausstieg aus der Atomstromproduktion und setzen wie gehabt auf Hightech.
Welch eine Selbstüberschätzung. Die Online-Ausgabe der Zeit dokumentiert die nicht enden wollende Pannenserie: „In letzter Zeit häufen sich die Pannen, auch am heutigen Sonntag hat es wieder einen Zwischenfall gegeben.“
Gerd Pfitzenmaier

Fracking-Gesetze noch schnell vor der Bundestagswahl?
Jetzt ist es der Regierungskoalition in Berlin nach anfänglichen Bedenken in den eigenen Reihen doch noch gelungen, sich auf Entwürfe zur UVP-Bergbau und zum Wasserhaushaltsgesetz zu verständigen. Diese sollen nun am 8. Mai im Bundeskabinett beschlossen werden. Völlig ohne Grund wird hier im Eiltempo versucht, gesetztliche Regeln zur Gewinnung des Unkonventionellen Erdgases und vor allem zum Umgang mit Fracking zu schaffen. Wenngleich einige der vorgesehenen Schritte in die richtige Richtung gehen, so gehen sie doch längst nicht weit genug.
Eine unserer Kernforderungen, die Beweislastumkehr bei Schäden an Gebäuden durch die Erdgasförderung, ist überhaupt nicht vorgesehen. Wie dringend dies aber notwendig ist, zeigen die unterschiedlichen Erfahrungen aus Groningen in den Niederlanden sowie aus der Region um Völkersen in Niedersachsen. Während die Niederländische Erdöl Gesellschaft NAM (ein Konsortium von Shell und Exxon) in Groningen für die Beseitigung der Gebäudeschäden zahlt, lehnt RWE DEA dies in Niedersachsen ab. Als besonderes „Schmankerl“ für die Geschädigten lehnen aber auch die Versicherer die Schadensregulierung ab, da sie nur für Schäden natürlichen Ursprungs aufkommen müssen....
Unser oberstes Ziel muss daher bleiben, jegliche Schäden und Gefahren für unsere Lebensgrundlagen abzuwenden. Um dies zu gewährleisten, sind aber noch gar nicht alle wissenschaftlichen Erkenntnisse vorhanden, die wir hierfür bräuchten. Nur Belege dafür, dass es gefährlich ist, die gibt es bereits genug. Siehe jüngstes Beispiel in Rühlermoor im Landkreis Emsland, wo nach einer Leckage an einer Nassölleitung der Fa. ExxonMobil Lagerstättenwasser ausgetreten ist und der kontaminierte Boden jetzt abgetragen werden muss.
Warum, so frage ich mich, kann man nicht mit der gebotenen Sorgfalt und Besonnenheit an das Thema herangehen, bevor man Gesetze beschließt, bei denen man später mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen wird, dass sie unzureichend sind? Sollen hier aus Angst vor verlorenen Wahlen im Herbst (die FDP wäre nach aktuellen Umfragewerten im neuen Bundestag gar nicht mehr vertreten) am Willen des Volkes vorbei noch schnell die Pfründe der Energiekonzerne gesichert werden? Oder besteht vielleicht die (begründete) Angst, dass man mit einer „Fracking-freundlichen“ Politik beim Wähler durchfällt?
Ich kann nur jeden ermuntern, sich noch in dieser Woche mit einer persönlichen E-Mail bei „unseren heimischen Bundestagsabgeordneten“ in Erinnerung zu rufen. Zur Erinnerung daran, dass wir sie gewählt haben, dass sie unserem Gemeinwohl verpflichtet sind und dass wir es sind, die sie im Herbst vielleicht wiederwählen. Und, dass sie bei all ihren Entscheidungen ihrem Gewissen zu folgen haben. Die Kontaktaufnahme über das Portal des Deutschen Bundestages ist erfreulich einfach. In diesem Sinne wünsche ich uns eine gute Woche.
Carsten Grawunder, BIGG e.V. Drensteinfurt

Geliehene Zeit bei der Endlagersuche: Im Streit um Gorleben einigten sich die niedersächsische Landesregierung und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Wochenende darauf, das Endlagersuchgesetz noch vor der diesjährigen Bundestagswahl auf den Weg zu bringen. Mehr noch: Die Einrichtung einer öffentlich tagenden Enquete-Kommission soll dafür sorgen, den Entscheidungsprozess möglichst breit zu streuen- von Politikern, Umweltverbänden und Kirchen über Wissenschaftler, NGOs und Gewerkschaften.
Klingt gut? Eigentlich schon- aber hätte der schlichte gesunde Menschenverstand für ein solches „Zugeständnis“ nicht mehr als ausgereicht? Warum hat es 35 Jahre gedauert, zu verstehen, dass ein gemeinsames Riesenproblem namens Atommüll auch gemeinsam gelöst werden muss? Dass die Versteifung auf ein einziges Endlager namens Gorleben dafür bei weitem nicht ausreicht? Und dass sich radioaktive Strahlung auch nicht sonderlich für Parteigrenzen oder die Terminierung von Bundestagswahlen interessiert?
Weitere zweieinhalb Jahre werden ins Land gehen, bevor an eine Entscheidung zu einem Endlager überhaupt zu denken ist. Zweieinhalb Jahre, in denen sich das Zwischenlager Asse weiter mit Wasser füllen wird, in denen der Atommüll weiterhin nirgends- relativ- sicher gelagert werden kann. In diesem Zeitraum- gemeinsam mit allen verfügbaren Experten- endlich alle wichtigen Faktoren und Anforderungen möglicher Endlagerungsstätten auszuloten, ist der richtige Weg- aber sicher kein großer, zu feiernder „Sieg.“ Der Kompromiss war einfach nur überfällig!
Nicole Sollfrank

Bundesumweltminister Altmaier will das Fracking in Deutschland großflächig erlauben. So und nicht anders, sind seine jüngsten Äußerungen zu verstehen.
Er will in die Technologie einsteigen, und dann erst schauen, ob sie gefährlich ist. Herr Altmaier macht das Grundwasser zum Experimentierfeld für Fracking-Konzerne und nimmt dafür irreparable Schäden in Kauf.
Das alles geschieht ohne jede Not: Wir haben derzeit ein Überangebot an Erdgas, daher besteht keine energiepolitische Notwendigkeit, unkonventionelles Erdgas zu fördern. Dabei sind die Vorräte in Deutschland ohnehin begrenzt, was den Einstieg in eine Risikotechnologie mit unbekannten Langfristfolgen noch fraglicher erscheinen lässt.
Dieses Vorgehen ist verantwortungslos für einen Bundesumweltminister.
Altmaier setzt auf Alibimaßnahmen
Offenbar bereitet Altmaier gegenwärtig ein paar Alibi-Maßnahmen vor, um Handlungsfähigkeit zu simulieren. Doch sein Vorschlag, Fracking in Trinkwasserschutzgebieten zu verbieten, ist eine Farce. In einem großen Teil dieser Gebiete ist das schon heute verboten. Die Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist richtig, doch das alleine reicht bei Weitem nicht: Die wirklich wichtigen Fragen, wie zum Beispiel die Gefahr von Erdbeben, die Sicherheit von Bohrlöchern und die ungeklärte Entsorgung giftiger Abwässer, bleiben bei Altmaier völlig offen.
Debatte, ob wir Fracking wollen,. steht aus
Es darf keinen Einstieg in eine Technologie geben, bevor nicht sämtliche Risiken geklärt und der Rechtsrahmen angepasst wurde. Außerdem brauchen wir eine breite gesellschaftliche Diskussion, ob wir diese Technologie überhaupt anwenden wollen, um den letzten Kubikmeter Gas aus der Erde zu quetschen. Ziel der Energiewende ist es schließlich, das fossile Zeitalter zu überwinden und auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzusteigen.
Die USA zeigen, wie ein kurzer Boom mit billigem Erdgas, das auf Kosten von Mensch und Umwelt gewonnen wird, den unvermeidbaren Umstieg auf Erneuerbare Energien verhindert.
Das kann kein Vorbild für Deutschland sein.
Oliver Krischer
Sprecher für Energiewirtschaft
der Grünen-Bundestagsfraktion

Fracking in Deutschland gesetzlich geregelt: Der Bundesminister für Wirtschaft rang jenem für Umwelt eine Einigung ab. Sie wollen die unter Umweltschützern und –experten heftig umstrittene Fördermethode nun unter Auflagen erlauben.
Parlament und Bundsrat allerdings müssen noch abnicken.
Peter Altmaier verkauft – rhetorisch raffiniert – die Zulassung einer bislang heftig bekämpften Öl- und Gasgewinnungspraxis als Sieg für den Umweltschutz. Endlich sei klar, dass künftig nicht wild und überall gebohrt werde. Immerhin stocherten schon seit den 1990er-Jahren Geologen auf ihrer suche nach den Energiereserven im Boden unter Deutschland.
Antrieb für die Anstrengungen ist der neue Ölrausch in den USA. Dort entstehen ganze Wälder neuer Bohrtürme: Dallas lässt grüßen: Auch in die norddeutsche Erde trieben die Schürfer bislang schon gut 300 Rohre. Die sollen einmal bis zu 10.000 Meter tief reichen und die Energie-Quellen anzapfen.
Bis dato regelte dies kein Gesetz. Insofern liegt Peter Altmaier richtig: Der Kompromiss kann klären, wo und wie in Deutschland das Sand-Chemie-und-Wassergemisch ins tiefe Gestein gepresst wird, um dort eingelagertes Erdöl oder –gas aus dem Schiefer zu sprengen und an die Oberfläche zu pumpen.
Ohne Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) geht gar nichts. Manch einer mag im zentralen Argument Altmaiers eine Finte vermuten, zumal selbst die aufs Öl gierenden Industriebranchen über den Kompromiss jubeln. Ein ganz so lasches Alibimanöver jedoch ist eine UVP kaum. Das Verfahren ist langwierig und daher teuer. Und weil das so ist, taucht genau hier aber das Fragezeichen auf: In einer aktuellen Studie sieht das Umweltbundesamts (UBA) in einem Bericht der Frankfurter Rundschau das Förderverfahren äußerst kritisch: „Dieser Chemiecocktail ist laut Umweltbundesamt giftig bis hochgiftig.“
Was noch schwerer wiegt: Die verborgenen Bodenschätze unter Deutschland sprudeln nicht einmal 20 Jahr lang. Auch das berechnete das UBA. Welchen Sinn macht dann aber der riesige und teuere Aufwand? Welchen Sinn macht – in Zeiten der Energiewende und des Umdenkens auch in der Chemiebranche – dieser durchaus auch finanzielle Kraftakt?
Darauf bleibt der Wirtschaftsminister die antwort bislang jedenfalls schuldig.
Gerd Pfitzenmaier
Chefredakteur global°

Ziemlicher Einschritt: Die New York Times hat genug von Umweltthemen. Dies Fazit drängt sich leider auf, wenn das US-Traditionsblatt nur zwei Monate nach der Abberufung seiner Umweltredaktion, auch ihren „Green Blog“ cancelt.
Künftig verzichtet die NYT auf die tägliche Kolumne zu Energie und Klimathemen.
Offiziell soll alles beim Alten bleiben. Die „graue Lady“, wie Journalisten die renommierte US-Tageszeitung nennen, werde sich auch weiterhin mit Reportagen und Kommentaren Umwelt und Energiethemen widmen, zitieren die Kollegen der Online-Plattform Grist Magazine die Abschiedsbotschaft in der Times Allerdings verloren erst einmal die beiden verantwortlichen Redakteure ihre Aufgabe. Sie werden hausintern versetzt. Sieben Reporter, die die Geschichten recherchierten und schrieben, sowie zahlreiche Freelancer suchen Arbeit.
Bleibt zu hoffen, dass die Ankündigungen aus der Chefetage stimmen. Denn die Themen für ein interessantes Blatt gehen angesichts der Erderwärmung sowie drohender gesellschaftlicher Umwälzungen und geopolitischer Spannungen durch die Folgen des Klimawandels wohl kaum aus.
Zu tun hätte das Team in New York auch in Zukunft wahrlich genug.
Gerd Pfitzenmaier
Chefredakteur global°


Der Mann gilt als Experte: Umso merkwürdiger ist, was Christophe de Margerie sagt. Der Chef des französischen Mineralöl-Konzerns Total müsste wissen, wovon er redet. Laut Süddeutscher Zeitung, glaubt er aber fest daran, dass das schwarze Gold noch ewig fließen und die Energie aus Fossilien noch mindestens 100 Jahre Motoren und Maschinen treiben werde.
„Peak Oil“ also ist ganz offiziell abgesagt!
Der Scheitelpunkt der Förderung - für Margerie eine Mär. Öl gäbe es noch lange, zitiert ihn auch Focus-Online. Bloß eben würden die Preise für den Rohstoff weiter klettern. „Die Produktion sei nur wegen der Kosten, der Zeit, der Geopolitik und des Risikos limitiert.“
Da fragt die Plattform Peak-Oil.com zurecht: ob der Gebrauch des Wörtchens „nur“ wirklich angemessen sei? Auch global° zweifelt: Ist nicht der Wunsch bloß Vater von Margeries Gedanken?
Immer aufwändiger und teuerer nämlich müssen Prospekteure nach verbliebene Lagerstätten suchen und finden. Immer trickreicher fördern Ingenieure mit Hightech die Brühe aus der Tiefe unter Ozeanen und Polareis – oder versuchen es mit einem gefährlichen Chemie-Cocktail und hohem Druck aus Gestein zu pressen. Die Mühe treibt den Preis in die Höhe, die Verfahren das Risiko ins Unermessliche: für Mensch, Natur und Umwelt.
Vielleicht sollten Christophe de Margerie und seine Kollegen aus Dallas & Co ihre eigene Energie und ihr Kapital lieber in die Erprobung und Nutzung neuer Energiequellen stecken, denn einem längst verblassten Ideal hinterher zu laufen. Das wäre nachhaltiger, gesünder – und in Summe wahrscheinlich auch günstiger.
Gerd Pfitzenmaier


Nachhaltigkeit als Regierungsprogramm: SPD und Grüne einigten sich in kleinen Zirkeln und geheimen Debatten über ihr wichtigstes Ziel für eine künftige rot-grüne Berliner Regierungszeit. Siegmar Gabriel und Jürgen Trittin stellten die Eckpunkte der Öffentlichkeit vor – gemeinsam mit den Gewerkschaften klärten die Parteien ihr bislang nicht immer einmütiges Verhältnis von Ökologie und Ökonomie und das der beiden Themengebiete zueinander.
Heraus kam ein Diskussionspapier. Es schlägt vor, das volkswirtschaftliche Modell aus der Feder des Siebziger-Jahre Finanz- und Wirtschaftsministers Karl Schiller (SPD) um vier weitere Eckpunkte zu ergänzen. Schillers Leitlinie waren Wachstum, Preisstabilität, ein hoher Beschäftigungsgrad und außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Sie werden in Zukunft ergänzt um soziale sowie ökologische Nachhaltigkeit, nachhaltige Staatsfinanzen und einen nachhaltigen Wohlstand der Bevölkerung.
Motivation für diese Ausweitung der einst geltenden Politikziele sind „die Schere zwischen Arm und Reich, die grassierende Umweltzerstörung und die hohe Schuldenlast für künftige Generationen“, wie Zeit-Online über das Thesenpapier der (Noch-)Oppositionspolitiker schreibt. Allerdings: So richtig diese Ergänzungen sind, „sexy“ sind sie nicht wirklich (das räumt auch Jürgen Trittin ein) und ob die Argumente für den Wahlkampf in Fußgängerzonen und am Fabriktor taugen, bleibt abzuwarten – Zweifel sind erlaubt.
Was beide Parteien jetzt brauchen, sind eingängige und leicht verdauliche Worte und Formulierungen, um diese eher schwere Kost zu verkaufen. Und noch dringender müssen sie klären, ob und wie ihr Kandidat fürs Kanzleramt glaubhaft für diese Positionierung steht und stehen kann – oder will.
Freilich: Ein Anfang ist wenigstens schon einmal gemacht.
Gerd Pfitzenmaier

"Das ergebnislose EU-Geschacher um Geld wird der europäischen Idee nicht gerecht. Die Qualität der Ausgaben ging bei dem Gefeilsche völlig unter. Sinnvoll eingesetzte EU-Steuergelder etwa für grüne Technologien, Ressourcen- und Klimaschutz, könnten nicht nur Deutschland, sondern auch Europa ökologisch und wirtschaftlich voranbringen.
Leider wurden diese Chancen in der aktuellen Debatte sträflich verschenkt.
Der Versuch, einigen Ländern die Zustimmung zum Haushalt mit unsinnigen Milliarden und unqualifizierten Agrarsubventionen zu versüßen, ist unwürdig, wenn gleichzeitig Mittel für konkrete Umweltprogramme gestrichen werden. Dadurch wird die geplante Bindung der Mittel an die Ökologisierung der Landwirtschaft unwahrscheinlicher und eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume gerät völlig unter die Räder.
Wenn es nicht gelingt, die Gelder für eine wirklich nachhaltige Entwicklung Europas einzusetzen - also für Wirtschaft, Ökologie und Soziales - , wird der Sinn eines EU-Haushalts völlig verfehlt.
Eberhard Brandes
Vorstand des WWF-Deutschland

Obama zum Zweiten: Jetzt geht’s ums Klima. Bereits in seiner Siegesrede von Chicago setzte der wiedergewählte US-Präsident eine Duftmarke. Barack Obama versprach vor Tausenden seiner Anhänger sicher zu stellen, dass die Amerika „nicht durch die zerstörerische Kraft eines sich erwärmenden Planeten bedroht“ werde.
„Hört, hört!“, kontern amerikanische Klimaschützer die präsidiale Willensäußerung. Im Wahlkampf rangierten Klima- und Umweltschutz nämlich eher als Randnotizen. Viele Beobachter sind skeptisch: Schafft es Obama, dem Thema jenen Stellenwert zu geben, den es braucht, oder holt ihn – angesichts der noch immer gleichen Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus – die traurige Realität rasch ein, in der er Ölsande schürft, Pipelines baut und Bohrinseln in die Arktis verschifft?
Klimaschutz erfordert Mut zu unpopulären Entscheidungen. Die kann Obama jetzt treffen: In vier Jahren muss ein anderer Kandidat in den Wahlkampf.
Gerd Pfitzenmaier

Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) schreibt eine Erfolgsgeschichte. Weit besser als jede Abwrackprämie für Altvehikel kurbelt es in Deutschland den Aufschwung nachhaltiger Stromerzeugung an und legt so die Basis für die Abkehr von der atomaren und fossilen Energienutzung. Es ist die Stütze für viele neue Solar-, Wind- und Biomasse-Kraftwerke.
Nur hat der Erfolg einen Haken. Weil das EEG den Investoren in die klimafreundliche Energieproduktion Sicherheit garantieren will, ist der Preis, den sie pro Kilowatt erhalten, auf Jahre festgeschrieben. Das macht Ökostrom kalkulierbar. Aber die Summe, die wir gemeinsam für den sauberen Strom berappen müssen, steigt allmählich immer mehr an.
Das war so gewünscht. Das ist auch richtig. Denn es ist nachhaltig.
Damit der Strom dennoch bezahlbar bleibt, einigten sich Politiker und Stromerzeuger auf sinkende Einspeisevergütungen. Auch das ist vernünftig.
Bleibt dennoch das aktuelle Gezeter über den Strompreis. Der steigt im kommenden Jahr kräftig.
Das aber hat nur am Rande mit der EEG-Umlage zu tun. Denn der Strompreis wird auch durch die Rohstoffpreise für die Kraftwerksöfen und die Privilegien für die Industrie angeheizt. Otto Normalverbraucher muss deren Zeche – leider – übernehmen.
Die für 2013 angekündigte Anhebung der EEG-Umlage von 3,59 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh) auf dann 5,277 Ct/kWh, das belegt eine aktuelle Studie des Ökoinstituts, wird zudem eher durch Systemschwächen denn durch den vermehrten Neubau alternativer Kraftwerke gepuscht: Die Netzbetreiber müssen den Strompreis und die vermutlich produzierte Menge per Gesetz auf ein Jahr im Voraus schätzen. Die Preise für Langfristprognosen und des Tagespreises aber klafften im Vorjahr auseinander. Die Kalkulation für 2012 stimmte daher nicht, so dass in ihrer
Kasse jetzt Milliarden fehlen. Dies Geld fordern sie nun von den Stromverbrauchern nach. Und weil Stromer und Politiker eine solche Misere künftig ausschließen wollen, planen sie eine deutlich höhere Liquiditätsreserve ein. Auch dieses Geld aber muss erst einmal in die Kasse kommen.
Beides zusammen summiert sich nun – unglücklicherweise – auf etwa die Hälfte des
Mehraufwands, den jeder Stromverbraucher im nächsten Jahr als neue EEG-Umlage zahlen soll.
Dennoch: Am Sinn der Umlage als funktionierendes Steuer für den Energiewechsel ändert das
nichts. Bleibt aber zu hoffen, dass eintritt, womit die Energieexperten des Ökoinstituts kalkulieren: Sie rechnen mit einer Stabilisierung der Umlage ab 2014.
Gerd Pfitzenmaier

Gefrorene Erdbeeren aus Chinaals Schulverpflegung für Kinder in Deutschland: Sie haben Tausende Transportkilometer auf dem Buckel.
Erdbeeren auf dem Speiseplan, ein Frühsommerprodukt im Herbst in Deutschland. Erst wenn – wie jetzt geschehen - Tausende Kinder erkranken, ist der Aufschrei über die billige Massenverpflegung groß.
Hintergrund: Der Durchschnittspreis für das Schulmittagessen liegt weit unter drei Euro. Qualitätsansprüche oder gesundheitliche Aspekte spielen leider nur eine nachrangige Rolle.
Der Bundesverband der Regionalbewegung fordert dagegen eine möglichst flächendeckende Essensversorgung aus den jeweiligen Regionen. Angefangen von der Produktion der Zutaten bis zur Verteilung an die Schüler: Regionale Lebensmittel ermöglichen kurze Wege (das spart Energie und Abgas), eine Stärkung der örtlichen Wirtschaft (das macht ökonomisch Sinn), engere Beziehungen zu den Produzenten und Verarbeitern und dadurch eine höhere Transparenz (das ist praktische Nachhaltigkeit).
Es braucht klare Rahmenbedingungen von Seiten politischer Entscheidungsträger, die aus Sicht der Regionalbewegung folgenden Ansprüchen genügen müssen:
- Schulverpflegung ist zukünftig verbindlich regional, saisonal und gesundheitlich ausgewogen zu gestalten.
- Es sind gezielt regionale Lebensmittelproduzenten und –verarbeiter vor Ort einzubinden.
- Es braucht bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für die Essenszubereitung im Rahmen der Richtlinien für Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuung.
- Es muss eine ausreichend finanzielle Ausstattung gewährleistet werden, um eine qualitativ hochwertige Schulverpflegung zu ermöglichen.
Ilonka Sindel
Bundesverband der Regionalbewegung e.V.

Der 87.000-Tonnen Tanker Katja lief auf dem Weg nach Wilhelmshaven im Wattenmeer auf einer Sandbank bei der Nordseeinsel Minsener Oog auf. Das verfolgt der WWF mit sehr großer Sorge: Der deutsche Tanker-Hafen Wilhelmshaven ist eine tickende Zeitbombe für den Nationalpark Wattenmeer. Das zeigt sich bei diesem Vorfall erneut.
Wilhelmshaven ist der wichtigste Anlaufpunkt für Tankschiffe in Deutschland, die auf ihrer Route alle das als besonders sensibles Meeresgebiet (PSSA) anerkannte Wattenmeer durchqueren müssen. Im Moment sieht es so aus, als sei das aktuelle Problem durch das Freischleppen des Tankers bei auflaufendem Wasser gelöst worden. Wir haben Glück gehabt, es war eine ernste Situation. Das Abschleppmanöver hätte unter anderen Wetterbedingungen schief gehen können. Denn aufgelaufene Tanker bergen zusätzlich das Risiko aufzubrechen, wenn die Schiffswände sich unter der Last der Landung verbiegen und Risse bekommen. Das wäre fatal: Austretendes Öl nach einer solchen Havarie wäre eine der größten denkbaren Katastrophen für das Weltnaturerbe im Wattenmeer.
Deshalb fordert der WWF, den aktuellen Vorfall vollständig aufzuklären und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Nur dann kann auch darüber gesprochen werden, ob Konsequenzen zu ziehen sind.
Hans-Ulrich Rösner WWF-Wattenmeerexperte

„Die dramatischen Ereignisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt, sie waren auch ein Einschnitt für mich ganz persönlich“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Regierungserklärung zum Atomausstieg im Juni 2011. Ihre Besorgnis macht aber offensichtlich an der Grenze halt, denn bei Atomexporten ins Ausland schreckt die Regierung vor keinem Risiko zurück.
Als wäre Fukushima nie passiert: Aktuell entscheidet sie über eine Milliardenbürgschaft für den Bau eines AKW in Brasilien. Der französische Atomkonzern Areva will den Reaktor Angra3 in einem Gebiet errichten, dessen Infrastruktur jedes Jahr Erdrutschen ausgesetzt ist. Davon werden die Sicherheit der Anlage und die Befahrbarkeit der Straße, welche die einzige Evakuierungsmöglichkeit der Anwohnenden darstellt, bedroht.
Das Brasiliengeschäft steht dabei nicht allein. Ein Antrag für Zulieferungen zum Neubau des Atomkraftwerks Haiwei in Hainan (China) wird geprüft. Außerdem gibt es Voranfragen für Bürgschaften für die AKW-Neubauten Wylfa (Großbritannien), Pyhäjoki (Finnland) und Jaitapur (Indien).
Bobby Langer

Die Bundesregierung will Unternehmen des produzierenden Gewerbes auch künftig großzügige Entlastungen von der Stromsteuer gewähren. Ursprünglich sollten diese Vergünstigungen an Nachweise der Firmen geknüpft sein, dass sie Strom und Brennstoff einsparen. Das strichen die Politiker aber auf Druck der Industrie.
Stattdessen sollen Unternehmen die Vergünstigungen bereits erhalten, wenn sie ein Energiemanagementsystem einführen und ihre Energieeffizienz jährlich um 1,3 Prozent steigern. Statt einer strengen Nachweispflicht gibt es nun also lasche Ziele, die so einfach zu erreichen sind, dass sie einem pauschalen Steuergeschenk an die Industrie gleichkommen.
Durch den Beschluss, die großzügige Befreiung von der Stromsteuer über 2012 hinaus fortzusetzen, erhalten weiterhin mehr als 20.000 Unternehmen Steuerermäßigungen von rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr. Die Vergünstigungen bei der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe gibt es seit der Einführung der Steuer durch die rot-grüne Bundesregierung 1999. Eine Neuregelung war nötig geworden, da die EU diese Steuervorteile nur bis zum Jahresende genehmigte.
Die Ausnahmen von der Stromsteuer sind nicht die einzigen Geschenke der Politik an Unternehmen. Sie sind auch weitgehend von der Zahlung der EEG-Umlage befreit. Kosten, die die übrigen Verbraucher tragen. Außerdem zahlen immer mehr stromintensive Unternehmen keine Netzgebühren mehr. Die Milliarden, die die großen Unternehmen einsparen, werden letztendlich auf die kleinen Kunden umgelegt.
Henrik Düker, Greenpeace Energy

Im Sommerinterview mit dem ZDF sagt Joachim Gauck über Angela Merkel: „Sie hat die Verpflichtung, sehr detailliert zu beschreiben, was das bedeutet.“
Das zielt auf die Beschlüsse zur Rettung des Euro. Und Gauck hat Recht. Politik ist mehr als entscheiden. Bild-Online zitiert das deutsche Staatsoberhaupt: „Manchmal ist es mühsam zu erklären, worum es geht. Und manchmal fehlt die Energie, der Bevölkerung sehr offen zu sagen, was eigentlich passiert.“
Damit spricht der Präsident einen wunden Punkt der deutschen Politik an, in der die Akteure – das glaubt auch global° - viel zu oft die ihnen als Verfassungsorgane zugedachte Rolle verwischen und damit missachten: Das Parlament beschließt, die Regierung verwaltet, und die Bundes-Richter sind das notwenige Korrektiv. Daher liegt Gauck auch völlig richtig, wenn er über die Klagen beim Verfassungsgericht wegen des Rettungsschirms ESM und des EU-Fiskalpakts sagt: „Ich bin froh, dass dieser Weg beschritten wird.“
Gerd Pfitzenmaier

Keine gute Figur macht derzeit Bundesumweltminister Norbert Röttgen.
Fall 1: Fracking. Röttgen beklagt in einer persönlichen Erklärung als Abgeordneter die Gefahren der „unkonventionellen Erdgasförderung“. „Für uns hat die Sicherheit höchste Priorität“, verzeichnet das Protokoll des Bundestags, „Genehmigungen dürfen nur erteilt werden, wenn unverantwortliche Risiken für Mensch und Natur vollständig ausgeschlossen werden können.“ Den Antrag der Grünen, Fracking als Fördermethode zu verbieten, lehnt Röttgens Fraktion dennoch ab. Und: Aus seinem Umweltministerium kommt nach wie vor kein Anstoß, das Bergrecht entsprechend zu ändern.
Fall 2: Demokratie. Live im TV und danach in der BILD kann die Nation Röttgens Verhältnis zu seinen Wählern erleben. Bleibt er nach der NRW-Wahl am Rhein oder fliegt er nach Berlin? „Bedauerlicherweise“, so Röttgen in der Talkshow, „entscheidet nicht alleine die CDU darüber, sondern die Wähler entscheiden darüber.“
Zwei solch konsequenten Aussagen fügt globalo nichts an.
Gerd Pfitzenmaier
Kein Verbot von Atomsubventionen: CDU und FDP stimmen im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie des Bundestags gegen einen Antrag der Sozialdemokraten. Die wollten jede Subventionierung neuer oder vorhandener Atomkraftwerke in der EU verhindern. Immerhin hatten Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien dafür plädiert, Atomenergie und erneuerbare Energien gleich zu behandeln, weil die Technologie den CO2-Ausstoß und damit den Klimawandel vermeide…
Die Argumente der Koalition blieben reine Formalien: Deutschland sei zwar für eine Energiewende, müsse aber akzeptieren, „dass andere das anders sehen“, zitiert der Bundestags-Pressedienst die Debatte. Zu Recht reagiert die Opposition mit dem Vorwurf, das sei mehr als widersprüchlich: Union und FDP ginge es ausschließlich um ökonomische Interessen.
Die führt auch die SPD an. Allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen. Die knappen Fördermittel im Energiebereich müssten effizient und an der richtigen Stelle eingesetzt werden, aber keinesfalls zur Atomförderung.
Recht hat sie!
Gerd Pfitzenmaier
Günstige Alternative: Farbe erzeugt Solarstrom
„Auch Forscher an der University of Toronto arbeiten an einer streichbaren Photovoltaik-Technologie. Derzeit verteilen sie die stromerzeugenden Nanopartikel auf Glas-Wafern, welche eigentlich der Herstellung von Solarzellen dienen. Doch die Paste soll bald auch auf anderen Oberflächen funktionieren.“
Der Text ist ein Kommentar auf Facebook zum global°-Artikel

Das EEG muss bleiben Es ist Grundstock für die Energiewende in Deutschland.
Notwendig ist ein intelligentes Erzeugungs- und Lastmanagementsystem. Dazu gehört, dass überschüssiger PV-Strom von mittags in die abendliche Verbrauchsspitzen eingefügt wird, was mit Batteriespeichern an Photovoltaikanlagen möglich ist. Gleichzeitig brauchen wir ein Management, das die Erzeugung von Erneuerbaren Energien und die immer weiter abnehmende fossile Stromerzeugung intelligent zusammenschaltet. Biogasanlagen müssen also umgerüstet werden, so dass diese mit Kraft-Wärme-Kopplung in sonnenarmen Winterzeiten ausgleichend wirken können.
Dafür muss vor allem das Energiewirtschaftsgesetz angepasst werden, in welchem der Speicherausbau auf die Netzgebühren umgelegt werden kann und der Vorrang der Erneuerbaren Energien auch zur Abdeckung von Ausgleichsenergien festgeschrieben wird.
Die schwarz-gelbe Koalition hat es versäumt, in der aktuellen Novelle einen Batteriespeicherbonus für Hausdachanlagen zu schaffen. Der Wegfall des Energieverbrauchsbonus hätte das möglich gemacht. Freiflächen und große Dachanlagen müssen verpflichtet werden, Blindstrom zu liefern, um darüber Spannungs- und Frequenzhaltung auch dezentral liefern zu können.
Wir brauchen eine veränderte Vergütungsstruktur für Biogas und andere Biomasse, so dass sie mit EEG-Anreizen größere Biogasstromproduktion nur dann leisten, wenn Sonne und Wind zu wenig Strom liefern.
Das erfolgreiche EEG muss für die Marktintegration und den Speicherausbau angepasst werden, damit die schnelle Ablösung der Kohle- und Atomwirtschaft gelingen kann. So kann die positive internationale Signalwirkung Deutschlands mit Atomausstieg und Umstellung auf Erneuerbare Energien erhalten bleiben.
Hans-Josef Fell
Der Text ist ein Auszug aus einem Kommentar von MdB Fell in SonnenEnergie

Als wär’s nicht schon Skandal genug, > dass 20 Jahre nach dem Umweltkongress von Rio de Janeiro noch immer nur kleinste Fortschritte erzielt worden sind: Deutschlands Kanzlerin kann dies magere Verhandlungsresultat sogar noch toppen – Angela Merkel reist im Juni nicht nach Brasilien, sie verweigert das Gespräch mit ihren Kollegen über mehr Klimaschutz und bessere Entwicklungschancen auch für die ärmeren Länder.
Ein fatales Signal!
Der Umwelt- und der Entwicklungsminister müssen’s nach Rio richten. Formal korrekt: Sie vertreten beim Gipfel die Inhalte.
„Chefsache“, wie Merkel einst populistisch postulierte, ist das fürs Überleben des Planeten wichtige Thema damit aber nicht mehr. So demonstriert die Regierung in Berlin aller Welt ihre neuen Prioritäten. Vorneweg denken und voraus gehen will Deutschland beim Umwelt- und Klimaschutz nicht mehr: Glaubhafte Politik für Nachhaltigkeit sieht ganz anders aus, Frau Merkel.
Gerd Pfitzenmaier
Das Unglück auf der Bohrinsel „Elgin“ in der Nordsee widerlegt ein weiteres Mal den Mythos vom sauberen Erdgas. Auch ohne eine solche Katastrophe treten laut einer Studie der amerikanischen Cornell University allein bei der klassischen Erdgasförderung schätzungsweise 1,7 bis sechs Prozent der geförderten Menge Gas aus!
Dabei trägt Methan über 20mal stärker zum Treibhauseffekt bei als Kohlendioxid. Klares Fazit: Für den Klimaschutz ist Erdgas keine wirkliche Alternative. Was wir dagegen brauchen, sind Lösungen, die den weltweiten Bedarf senken.
Eine wichtige Rolle im Gasmarkt der Zukunft spielt Ökogas. Nach wie vor laufen mehr als drei Viertel aller Heizungen mit fossilen Rohstoffen. Wir brauchen alternative Energiequellen. Noch jedoch es bisher nur wenige Anbieter von 100 Prozent Ökogas in Deutschland, die Aufbereitung und der Transport sind aufwändig und teuer.
Verhelfen wir dem „Schwesterprodukt” des Ökostroms zum Durchbruch. Das sehen auch Umwelt- und Energieexperten so. Florian Schöne (NABU): „Aus Sicht des Klima- und Umweltschutzes unterstützen wir die Biogasproduktion aus 100 Prozent Reststoffen”. Und Martin Hofstetter vom Greenpeace: „Biogasanlagen, in denen Reststoffe effizient verwendet werden, sind unserer Ansicht nach ideal. Sie reduzieren die Klimagase und erzeugen gleichzeitig erneuerbare Energien.”
Florian Henle
Polarstern
Ein Jahr nach Fukushima in der EU eine Renaissance-Debatte für Atomkraft zu starten, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Die Bundesregierung muss den Vorstoß Großbritanniens, Frankreichs, Polens und Tschechiens sofort und unmissverständlich zurückzuweisen. Alle vier EU-Mitgliedstaaten wollen eine Förder-Gleichstellung der Atomkraft mit Erneuerbaren Energien erreichen. Das ist doch bloß der letzte Versuch der Atomkraft in Europa neues Leben einzuhauchen, nachdem sie sich längst nicht nur sicherheitstechnisch sondern auch finanztechnisch als Hochrisikotechnologie erwiesen hat.
Die vier Länder wollen bei der Festlegung von EU-Klimazielen nach 2020 die Atomkraft mit Erneuerbaren Energien gleichstellen. Das schreiben sie in Stellungnahmen an die EU-Kommission zu deren Energy Roadmap 2050. Das ist ein beispielloser Vorgang. Sie fordern faktisch Markteinführungshilfen für eine Technologie, die seit über einem halben Jahrhundert kommerziell betrieben wird und die schon bei ihrer Einführung allein in Deutschland mit dreistelligen Milliardensummen in den Markt geschoben wurde. Wenn die Bundesregierung auf die Zumutungen der vier Mitgliedstaaten nicht unmissverständlich reagiert, ist dies ein klares Zeichen, dass sie die Energiewende nicht aus Überzeugung, sondern aus wahltaktischen Erwägungen propagierte.
Jürgen Resch
Deutsche Umwelthilfe
Zusammenhänge erkennen
Luft, Wasser, Boden und Raum werden durch Verschmutzung, Veränderung, Verbrauch oder Belastung zu immer knapperen Gütern. Lebensnotwendige Ressourcen werden ökonomisiert, ohne die natürlichen und sozialen Folgen zu beachten.
In Teilen der Welt können die Menschen den Preis für sauberes Wasser, anbaufähigen Boden und bewohnbaren Raum kaum noch bezahlen. Sie müssen sich gewaltsam nehmen, was sie dringend benötigen, und provozieren damit soziale und politische Unruhen. An manchen Orten ist heute selbst die Luft zum Atmen durch die Emissionen von Industrie und Verkehr eher die Gesundheit schädigend denn Leben erhaltend.
Um die Ressourcen entwickelt sich ein globaler Verteilungswettkampf, bei dem derjenige zu gewinnen scheint, der wirtschaftlich am stärksten ist. Das Gesetz der Wirtschaft und das Diktat der Besitzenden benachteiligt die, die Grundstoffe produzieren oder bereitstellen.
Die wachsende globale Ungleichheit der Lebensbedingungen für die Menschen auf dieser doch „Einen Erde“ ist das Ergebnis.
Diesen fatalen Kreislauf müssen wir erkennen und begreifen. Voraussetzung dafür sind ein kontinuierlicher Geographieunterricht an den Schulen und umfassende, interdisziplinäre geographische Forschungen an den Hochschulen sowie im Ergebnis ein weitaus besseres Verständnis in der Bevölkerung für raumbedingte natürliche, ökonomische und soziale, also geographische Zusammenhänge, fordert in einem Kommentar zum Tag der Erde
Eberhard Schallhorn
Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG)

Die Menschen in Europa haben genug von Atomkraft: Am 26. Jahrestag der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl gründete der BUND und seine Partnerverbände eine "europäische Bürgerinitiative". Gemeinsam tragen sie jetzt in 12 Ländern der Union die Aktion „Meine Stimme gegen Atomkraft“. BUND-Chef Hubert Weiger sieht darin ein "wichtiges demokratiepolitisches Instrument, mit dem die länderübergreifende Debatte über die Risiken der Atomkraft deutlich forciert werden kann."
Er hat Recht. Seit April bietet die EU ihren Bürgern die Chance, sich mit einer solchen Grenzen überschreitenden Initiative europaweit politisches Gehör zu verschaffen. Der deutsche Umweltverband nutzt die neue Möglichkeit, und sein Anliegen ist wie ehedem brisant: Trotz Tschernobyl und Fukushima nämlich produzieren auf unserem Kontinent noch immer 133 Atomreaktoren Strom - manche sind schon über 30 Jahre alt, manche ohne ausreichende Schutzhülle. Genau dagegen sammelt die Europäische Bürgerinitiative Einsprüche. Kommen dabei innerhalb eines Jahres eine Million Stimmen gegen die Atomkraft zusammen, dann müssen sich EU-Kommission und das Europaparlament mit dem Anliegen befassen, betont der BUND.
So markiert der Jahrestag des AKW-Unfalls vielleicht den Start des endgültigen Ausstiegs aus der Kernkraft in ganz Europa - hoffen wir auf die Kraft eines neuen, demokratischen Instruments.
Gerd Pfitzenmaier

Mr. President, der Klimaschützer
“Wir haben unseren Job nicht gemacht“, gestand US-Präsident Barack Obama in einem Interview mit der Zeitschrift Rolling Stone jetzt Versäumnisse seiner Regierung im Kampf gegen den Klimawandel ein: „Das beunruhigt mich.“
Mister President nutzt die neue Schlacht ums Weiße Haus und rückt den Klimawandel ins Zentrum seiner US-Politik. Vorerst zumindest schon einmal verbal will er seinen Landsleuten deutlich machen, was – nach Immobilienpleiten und steigenden Energiekosten – wirklich auf die Agenda gehört.
Damit positioniert sich Barack Obama gegen die Mitglieder der Tea Party. Deren Millionen puschten bislang die Leugner des Klimawandels, verunglimpften Wissenschaftler. Obama glaubt, so sagt er im Interview, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel sehr wohl mit Impulsen für die Wirtschaft und neuen Jobs vereinbar seien.
Bleibt uns nur die Hoffnung, dass seine klaren Worte nicht Taten los verpuffen. Der mächtigste Mann der Welt muss beweisen, dass er kein Wahlkampf-Dampfplauderer ist. Messen wir ihn bei seinen eigenen Worten: „Ich will zeigen, dass wir ernsthaft Schritte brauchen, die uns einem Klimaabkommen näher bringen.“
Gerd Pfitzenmaier
Feinschmecker in aller Welt suchen das große Geschmackserlebnis: amazon.com bietet daher für jeden Gaumen das Besondere. Und manchmal zu viel des "Guten": Jetzt nämlich schoss der größte Online-Händler der Welt den falschen Vogel ab. Amazon hält Walfleisch aus Japan feil!
Die Environmental Investigation Agency (EIA) fand auf japanischen Amazon-Seiten im Netz neben Wal- auch Delfinprodukte im freien Verkauf: als Dörrfleisch, Eintopf oder in Dosen.
Offiziell beruft sich die US-Mutter Amazon Inc. auf klare Regeln für ihr Business. Danach verbannt die Firma „den Handel mit bedrohten Arten“. Das darf dann aber nicht nur für Frischfleisch gelten. „Da“, wettert EIA-Präsident Allan Thornto, „ist Amazon offenbar auf einem Auge blind.“
Meeresschützer laufen Sturm gegen diese Handels-Praxis mit den zweierlei Maß. Zu Recht. Das Verkaufsverbot muss immer, überall, für alle und alles gelten - auch für die japanischen Seiten von Amazon und für verarbeitete Produkte der bedrohten Tiere.
Gerd Pfitzenmaier
Wulff ging (endlich): Der Präsident verabschiedete sich in Berlin – nicht ohne sich noch einmal als Opfer zu bemitleiden. Dabei war er es doch selbst, der zwei Monate lang verschleierte statt aufzuklären, der verheimlichte statt einzuräumen. Der so lange zwischen Recht und Moral trennte, bis der Staatsanwalt ihn korrigierte.
Der Bundespräsident erwies seinem Amt damit gewiss keinen guten Dienst. Vorbild für die Menschen im Land kann er so nie sein, bloß ein Symbol des (gescheiterten) Aussitzens. Statt nachzudenken über eigenes Fehlverhalten, vertraute Christian Wulff darauf, dass Gras über die Affäre wachse. Das gelang zum Glück nicht – auch wenn die Kanzlerin ihn darin zu Stützen versuchte.
Wulff und Merkel bewiesen dabei ein merkwürdiges Verständnis von "Nachhaltigkeit": Festhalten am Falschen hat damit nichts zu tun.
Wulffs Rücktritt ist ein Zeichen für die Demokratie im Land. Sie funktioniert. Sein Nachfolger muss nun Größe zeigen und belegen, dass ein politisches Amt kein Freibrief fürs Handaufhalten ist.
Gerd Pfitzenmaier
So machen Umwelt-Regeln bestimmt keinen Sinn: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) stellte mit einer Umfrage fest, dass 30(!) von 47 deutschen Kommunen keine Kontrolleure durch ihre Umweltzonen schicken. Plaketten-Schwindler dürfen dort weiter ganz ungeschoren die Luft in unseren Städten mit Feinstaub verpesten –Konsequenzen müssen sie nicht fürchten.
Lediglich Berlin, Bremen, Hannover und Leipzig lobte die DUH. Dort nehmen die Stadtoberen ihre Verantwortung für die Bürger wahr und sorgen für gesündere Luft. Bundes-Verkehrsminister Ramsauer kritisieren die Umweltschützer, er „torpediere EU-rechtswidrig die Luftreinhaltepolitik“.
Das ist doppelt fatal. Der Verkehrsminister schaut weg, wo er hin sehen muss. Er verhindert, was er verbieten muss. Er ist wahrlich kein passendes Vorbild.
Gerd Pfitzenmaier
Am Valentinstag gibt’s Rosen für die Lieben. Eigentlich ist das ein prima Brauch. Dass die Blumenhändler den Tag einst bloß als famosen Verkaufstrick ersannen, will globalo jetzt gar nicht kritisieren. Was die Floristen uns dafür jedoch verkaufen, ist – wie neue Recherchen etwa des BUND belegen – schlicht ungesund. Mehr noch: Es ist gemeingefährlich. Statt Freude zu bereiten, verschenken wir am Valentinstag einen giftigen Cocktail aus krebserregenden und hormonell wirkenden Pestiziden.
Da kommt keine Freude auf. Zumal nicht nur diese Blumen verseucht sind. Auf den Feldern in Afrika oder Lateinamerika müssen zudem zahllose Arbeiter im Pestizid-Nebel schuften. Sie sind noch viel dramatischeren Gesundheitsgefahren ausgesetzt. Sie werden krank, weil wir uns die Kaffee-Tafel mit Rosen schmücken. Das darf nicht sein.
Und es muss nicht sein. Wer unbedingt Blumen sprechen lassen will, sollte fair und ökologisch produzierte Pracht verschenken.
Gerd Pfitzenmaier
Von Elchen und Singvögeln
Das feine Gespinst ökologischer Verflechtungen dröselten jetzt Forscher der University of Montana und des US Geological Survey auf: Sie klärten damit nicht nur, was die Elche Nordamerikas mit dem Verschwinden zahlreicher Singvögel in den Wäldern des Westens zu schaffen haben. In den milder werdenden Wintern nämlich laben die Schaufelträger sich an Pflanzen und Baumtrieben, die in rauen Zeiten vom Schnee bedeckt und damit vor ihren Fraßfeinden geschützt sind. Das verdrängt viele dieser Pflanzen aus ihren Biotopen – und vernichtet so auch den Lebensraum der Singvögel: Die ziehen in andere Regionen um.
Die Elche an den Pranger zu stellen wäre nun jedoch völlig falsch. Der Schnee bleibt schließlich wegen des Klimawandels aus – und den verantworten zum größten Teil wir Menschen mit unserem unbändigen Hunger nach Energie aus den Ölreserven unter der Erde.
Die Jahrzehnte dauernde Forschung der US-Wissenschaftler aber zeigt erneut, welche unüberschaubare Tragweite unser unüberlegtes Handeln im Kontext ökologischer Beziehungen hat.
Ein prächtiges Lehrstück von Mutter Natur.
Gerd Pfitzenmaier
Es geht um nicht weniger als die Glaubwürdigkeit des deutschen Atomausstiegs: Über 50 weltweit bekannte Träger des so genannten „Alternativen Nobelpreises“ und Mitglieder des Weltzukunftsrats reden Bundeskanzlerin Merkel mit einem offenen Brief jetzt öffentlich ins Gewissen. Sie fordern den Verzicht auf eine 1,3 Milliarden Euro-Spritze für das brasilianische Atomkraftwerk Angra 3.
Ihr Argument ist eindeutig. Wer zuhause erneuerbare Energie propagiert, darf nicht am anderen Ende der Welt klammheimlich neue Kernkraftwerke bezahlen.
Ganz richtig! Angela Merkel und ihr Wirtschaftsminister Rösler dürfen nicht glauben, dass sie ihre Wähler am Nasenring vorführen können: Wer in Deutschland vollmundig den Ausstieg predigt, darf nicht im Ausland am Atomausbau verdienen. Das ist unlauter. Darum haben die Nobelpreisträger Recht, wenn sie auf die Pauke hauen. Wie sonst wollen sie verhindern, dass Deutschland mit diesem unglaublich unglaubwürdigen Verhalten zum schlechten Vorbild wird.
Gerd Pfitzenmaier
Kanadas Flucht aus dem Kyoto-Protokoll ist ein ebenso schwaches Zeichen für das Klima der Erde wie Britanniens Boykott der gemeinsamen EU-Haltung in der Euro-Krise ein fatales ist. Beide setzen damit falsche Signale: Diese Regierungen verabschieden sich nämlich nicht nur aus dem Kampf um die Zukunft. Sie treten auch öffentlich das politische Prinzip des solidarischen Handelns mit Füßen.
Ihr „Ohne uns“-Bekenntnis lenkt zurück in die längst vergangen geglaubte Welt des Gegen- statt des Miteinanders.
Das ist traurig. Gleich zwei Staaten, die sich bisher zusammen mit anderen mühten, in wahrlich nicht immer einfachen Verhandlungen Kompromisse auszuloten, die diesem Planeten und unser aller Staaten wenigstens die Tür einen Spalt breit offen hielten und damit unsere Überlebenschance sicherten, verabschieden sich aus der Verantwortung. Wenn sie glauben, dass die Probleme, die ganz sicher auch sie treffen, auf eigene Faust zu regeln seien, irren sie. Wenn Kanada mit dem Abschied vom Kyoto-Vertrag ein paar Millionen sparen will, ist das kurzsichtig. Der Rücktritt wird das Land teuer zu Stehen kommen – aber leider auch uns.
Gerd Pfitzenmaier
kurzsichtig und falsch: Die deutschen Bundesparlamentarier bewiesen bei ihren jüngsten Etatdebatten in Berlin einmal mehr ihr merkwürdiges Verständnis von Politik. Sie kippten - oft sogar ohne Aussprache über die entsprechenden Haushalts-Titel - gleich an mehreren Stellen ausgerechnet jene Gelder, die Minderheiten und Schwächeren das Leben erträglicher machen und Gefahren von der ganzen Gesellschaft abwenden.
Aber die Aufschreie bleiben aus: Auch kaum ein Kommentator spitzt seine Feder!
globalo kann und will aber nicht schweigen, wenn die Antidiskriminierungsstelle des Bundes schon nach wenigen Jahren ihres Bestehens und sinnvoller Arbeit nun durch Mittelkürzungen die weitere Existenz drastisch erschwert wird.
globalo will auch nicht zur Tagesordnung übergehen, wenn die solidarische Hilfe für Ältere oder Behinderte schon nach zwei Jahren wieder gestrichen wird, die ihnen den Umbau oder die Sanierung ihrer Wohnungen ermöglichen soll, damit sie länger zuhause leben und nicht ins Heim ziehen müssen.
Und globalo will die Augen nicht verschließen, wenn die Bundeszentrale für Politische Bildung künftig sparen muss - ausgerechnet dann, wenn politisch motivierte Morde die Gesellschaft schocken, und Neonazis das Land terrotisieren.
globalo nennt solche Kürzungen falsch und die Politiker dahinter kurzsichtig! Nachhaltigkeit verlangt mehr Mut - auch in Etatdebatten.
Gerd Pfitzenmaier
Stuttgart bekommt seinen Tiefbahnhof: Mit 58,8 Prozent stimmten die Baden-Württemberger für das umstrittene und 4,5 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt unter der City in der Landeshauptstadt.
Auch wenn nicht einmal die Hälfte aller Wahlbürger im Ländle zur Urne ging, ist das Votum gültig - und für alle, die Monate lang auf ihre demokratischen Rechte und auf Mitbestimmung beim Stuttgarter Mammutprojekt der Deutschen Bahn AG pochten, bindend. Es verpflichtet sie gar, jetzt als Minderheit den Willen der Mehrheit zu respektieren, selbst wenn sie noch immer persönlich gegen die Gleise im Tunnel sind, müssen sie das Egebnis tolerieren.
Sie können das durchaus stolz tun: Die S21-Gegner nämlich haben viel erreicht - vor allem für die Demokratie in ganz Deutschland. Wissenschaftler und Journalisten nannten sie Wutbürger, ihr Engagement für Bürgerrechte war und bleibt beispiellos.Ihr Einsatz manchmal selbstzerstörerisch. Diese Demonstranten haben das Land wach gerüttelt - und Grund legend verändert. Sie schafften nach Jahrzehnten den Politikwechsel, sie brachten den Bürgern das lange Zeit gewünschte Mitspracherecht bei Großprojekten.
Das wollten sie erreichen. Es hat geklappt. Und das wird unser Land in Zukunft prägen. Der Dank gilt - auch und gerade nach dieser "Niederlage" -diesen aufrechten Demokraten.
Gerd Pfitzenmaier
Eskalation der Gewalt - aber nicht hilflos
Die Occupay-Community löst ihre Schock-Starre über das brutale Vorgehen des Uni-Cops aus Davis, der friedlich auf einem Weg des Campus sitzende Demonstranten an der University of California aus nächster Nähe mit einem Pfefferspray in die Augen pustete, auf ihre – durchaus kreative – Art (siehe Bild): Sie macht sich über den Polizei-Leutnant mit einer Bildkollage lustig.
Und sie begegnet der neuen Gewalt, mit der die Mächtigen sich gegen die Mehrheit „verteidigen“, auf ihre ganz eigene Weise. Die zahllosen Handy-Kameras der Demonstranten sorgen schließlich dafür, dass die Übergriffe nicht klammheimlich bleiben. Sie lassen sich weder leugnen noch uminterpretieren. Sie sind dokumentiert.
Das stellt die Täter bloß – und damit auch ihre Auftraggeber an den Pranger.
Gerd Pfitzenmaier
Ein Bild als Beleg
Das Bild hat das Zeug zum Symbol: Police Lt. John Pike aus Davis in Kalifornien provozierte es, als er am Freitag an der University of California versuchte, den Protest von Studenten für Anhänger der Occupay-Bewegung aufzulösen – mit einer Prise Pfefferspray pustet er den auf dem Boden sitzenden Studenten direkt ins Gesicht!
Die Protestierer hatten zuvor friedlich für die Freilassung von Kommilitonen demonstriert, die zuvor bei ähnlichen Aktionen von der Polizei in Gewahrsam abgeführt worden waren.
Das Bild der Fotografin Louise Macabitas geht wie ein Lauffeuer um den Globus. In Social Networks erreichte es übers Wochenende „Kultstatus“ – als Zeichen für die Reaktion des Establishments, gegen das die Studenten opponieren.
John Pike also dürfte seinem Dienstherrn einen Bärendienst erwiesen haben: Statt eines Schulterklopfens für seine Mut-Attacke gegen Chaoten wird er – hoffentlich! - einen Rüffel ernten: Weil er den Protest noch nachträglich rechtfertigte und das Engagement der Jugendlichen erst recht anfacht…
Gerd Pfitzenmaier

Norikazu Otsuka, japanischer TV-Moderator, der im Frühjahr 2011 demonstrativ und live im TV Lebensmittel aus den vom AKW-Unfall in Fukushima verstrahleten Regionen gegessen hatte, ist an Leukämie erkrankt. Das berichten Japans Medien über den verdienten TV-Recken. Momentan bereitete sich der 63-Jährige auf eine Chemotherapie vor.
Das Medien-Branchenmagazin Meedia berichtet: „Otsuka hatte in seiner TV-Show mit Eifer eine Kampagne unterstützt, die Japans Norden nach dem Beinahe-Super-GAU wieder auf die Beine helfen sollte. Die Idee dahinter: ‚Lasst uns dem Norden helfen, indem wir seine Lebensmittel essen’."
Meedia weiter: Damit vertrat der 63-Jährige die Linie der Regierung, die lange Zeit an der Erklärung festhielt, dass Gemüse aus der Region keine Gefahr für die eigene Gesundheit darstelle. Zusammen mit mehreren Gästen aß der Moderator Speisen, die mit Lebensmittel aus dem Norden Japans zubereitet worden waren.
Gerd Pfitzenmaier