Der Grüne Punkt: Vordenker der Kreislaufwirtschaft

Grafik: Der Grüne Punkt

Der Grüne Punkt wurde 1990 als nachhaltige Lösung zur Müllvermeidung gegründet – damals als erstes und einziges duales System. Heute ist er Synonym für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.

 

Durch die kontinuierliche Optimierung von Dienstleistungen und Prozessen werden beständig immer mehr Wertstoffe in geschlossenen Kreisläufen gehalten. Dies trägt entscheidend zur Schonung von Umweltressourcen und der Reduzierung von Treibhausgasen bei. Durch das Recycling von 2,1 Millionen Tonnen gebrauchter Verkaufsverpackungen und anderer Abfälle haben die Unternehmen des Grünen Punkts 2015 knapp 52 Milliarden Megajoule an Primärenergie eingespart und den Ausstoß von 1,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten vermieden.

 

Motor der Kreislaufwirtschaft

 

Unter der Marke „Systalen“ produziert und vertreibt der Grüne Punkt eigene Kunststoffrezyklate mit hoher Innovationskraft. Dem Grünen Punkt ist die Pionierleistung gelungen, aus gebrauchten Shampoo- und Reinigungsmittelflaschen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne den Kunststoff praktisch ohne relevanten Qualitätsverlust zurückzugewinnen. Aus dem so aufbereiteten Systalen-Regranulat können wieder neue Verkaufsverpackungen in der Qualität von Neuware hergestellt werden.

Erste große Hersteller nutzen das Material für Flaschen für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel. Diese Flaschen bestehen bis zu 100 Prozent aus Systalen HDPE und haben damit einen deutlichen Nachhaltigkeitsvorteil vor gewöhnlichen Flaschen und können nach Gebrauch erneut über den Gelben Sack recycelt werden. Darüber hinaus schafft der Grüne Punkt innovative Beratungsangebote wie „Design4Recycling“ für eine nachhaltige Verpackungsgestaltung. Als Innovationstreiber setzt er so die Maßstäbe bei Recyclingverfahren, Anwendungstechnik, Kunststoffaufbereitung sowie Verpackungsentwicklung – ausgerichtet auf das Ziel, die Qualität der Sekundärrohstoffe zu erhöhen und noch mehr Wertstoffkreisläufe zu schließen.

 

 

 

Recycling als Rohstoff-Quelle

Michael Wiener. Foto: Der Grüne Punkt

Michael Wiener ist seit 2012 Mitglied der Geschäftsführung der Duales System Holding und seit März 2015 deren Vorsitzender und CEO. Mit global° spricht er über den Wert der Wertstoff-Rückgewinnung.

 

 

Recycling gilt als „neue“ Rohstoffquelle: Welche Wertstoffe können mit dem dualen System wiedergewonnen werden und welchen Wert besitzen diese?

Michael Wiener: Grundsätzlich alle, die ins duale System kommen. Über dieses werden Verpackungswertstoffe aus Kunst- und Verbundstoff, Alu und Weißblech, Papier, Pappe, Karton und Glas gesammelt und nach Sortierung bzw. Aufbereitung ins Recycling gegeben. Der Grüne Punkt weist in seiner jährlichen Umweltbilanz seine erfassten Mengen nach und übertrifft die gesetzlichen Anforderungen der Verpackungsverordnung für die Verwertung gebrauchter Verkaufsverpackungen regelmäßig. Bei den Leichtverpackungen aus Gelbem Sack und Gelber Tonne verwerten wir mehr Verpackungen, als bei uns jeweils beteiligt waren.

Recycelt haben die Materialien für die verarbeitenden Industrien einen hohen Wert: Der Zellstoff aus dem Getränkekarton wird wieder zu Papier verarbeitet, die Aluminiumfolie ist als Bauxitersatz in der Zementindustrie gefragt. Der Einsatz von recyceltem Alu und Weißblech spart bei der Herstellung neuer Produkte 95 Prozent bzw. 75 Prozent Energie. Beim Einsatz von Scherben sind es 20 Prozent, wobei Behälterglas heute zum größten Teil aus recyceltem Glas besteht. Und bei der Papierherstellung ist Altpapier in Deutschland der wichtigste Rohstoff. Die Produktion von Recyclingpapier spart Wasser und reduziert den CO2-Ausstoß.

Für uns als Grüner Punkt kommt dem Verpackungskunststoff aus Gelbem Sack und Gelber Tonne eine besondere Bedeutung bei, da dieser der Rohstoff für unsere Systalen-Rezyklate ist. Und Systalen-Granulate kommen in Qualität und Anwendungsvielfalt der Neuware nahe. Sie eignen sich bestens für Spritzguss, Blasformen und Extrusion.

 

 

Neue Systalen-Farben. Foto: Der Grüne Punkt

Hat Kunststoff auch Vorteile – und welche?

Aufgrund der Materialeigenschaften sind Kunststoffe für viele Hersteller das Verpackungsmaterial der Wahl. Wir kommen ins Spiel, wenn wir mit Herstellern Verpackungsdesignkonzepte erarbeiten, die die Recyclebarkeit des eingesetzten Materials bedenken und für eine recyclinggerechte Konstruktion sorgen. Design for Recycling heißt diese Beratungsleistung. Den TK-Spezialisten FRoSTA haben wir bei der Entwicklung von Kunststoffbeuteln beraten, die nicht mehr aus Verbunden verschiedener Kunststoffe gefertigt sind, sondern aus recycelfreundlichen Monomateriallayern.

 

Kunststoff ist inzwischen ein „Problem-Stoff“ für die Ozeane. Kann hier Recycling helfen?

Eine entscheidende Rolle beim Kampf gegen die Müllkippe Meer kommt der Abfall- und Kreislaufwirtschaft zu. Wir müssen endlich weltweit ein wirkungsvolles System zur Sammlung und Verwertung von Kunststoffen aufbauen, wie es in Deutschland bereits vorhanden ist. Das ist ein Schlüsselelement für gesunde Meere. Bei weitem nicht alle Länder der Erde verfügen über eine geregelte Abfallinfrastruktur. Um aber in funktionierende Sammel-, Sortier- und Verwertungssysteme zu investieren, müssen wir Kunststoffabfälle als Wertstoffe begreifen, die nicht ungeregelt in die Umwelt gelangen dürfen.

 

 

 

Transluzente Flasche aus Systalen-HDPE Foto: Der Grüne Punkt

Muss Recycling immer Downcycling bleiben oder gibt es dazu Alternativen?

Downcycling ist ein Begriff der 1990er Jahre, wo sich alles nur um die Parkbank drehte. Dies ist Vergangenheit.

Der Blick aufs Kunststoffrecycling mit dem Grünen Punkt zeigt: Der Closed Loop, also der geschlossene Kreislauf für Kunststoffverpackungen, ist geschafft. Das Recycling gebrauchter Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Neue Sortier- und Aufbereitungstechnologien ermöglichen hochwertige Anwendungen für Recyclingkunststoff, die lange undenkbar waren.

Die Herstellung neuer Verkaufsverpackungen aus Recyclingkunststoff gelang bis vor kurzem erst mit PET, das vor allem aus Getränkeflaschen gewonnen wird. Der Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz („Frosch“) hat im vergangenen Jahr den „Deutschen Verpackungspreis“ in Gold für Reinigungsmittelflaschen aus unserem Systalen HDPE gewonnen. Das Besondere an diesem Material ist, dass es bisher keine Qualitäten für transluzentes und weißes Material aus dem Gelben Sack gab. Dieses haben wir entwickelt, so dass durch die ungefärbte Flasche das Füllgut sichtbar bleiben kann. Auch bleiben die Leistung der Inhaltsstoffe und der Duft unbeeinträchtigt. Eine absolute Neuheit und Pionierleistung.

 

 

 

Wie wollen Sie das Bewusstsein dafür schärfen, Müll als Wertstoff zu erkennen?

Wir fördern Projekte und Initiativen, die einen Bezug zur Vision der Unternehmensgruppe haben und das Bewusstsein für Umwelt- und Ressourcenschutz schärfen. In einigen Initiativen, darunter die Aktionen „Kölle putzmunter“ und „Spende Dein Pfand“, engagiert sich die Gruppe mit dem Grünen Punkt seit Jahren. Zudem unterstützen wir die Abfallberater landesweit mit Informationsmaterial und Bildungsangeboten, denn in der Regel sind diese die ersten Ansprechpartner für den Bürger, wenn es um Entsorgungsfragen vor Ort oder spezifische Recyclingthemen geht.

Mit den Naturschutzexperten des NABU kooperieren wir ebenfalls seit vielen Jahren, um gemeinsam in Politik und Gesellschaft für Umwelt- und Ressourcenschutz zu werben. Der enge und vertrauensvolle Austausch mit relevanten Stakeholdern wie dem NABU liefert uns neue Impulse für die nachhaltige Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells. Und natürlich sind wir aber auch direkter Dialogpartner für die Bürgerinnen und Bürger bzw. informieren diese über Themen rund um die Kreislaufwirtschaft auf unserer Website und in den Sozialen Medien von Facebook über Twitter und Instagram bis hin zu unserem meingruenerpunktblog.de.

 

 

 

DSD - Duales System Holding GmbH & Co. KG

Frankfurter Straße 720 - 726

51145 Köln (Porz-Eil)

 

Ansprechpartner:

Martina Lützeler-Pauli

martina.luetzeler-pauligruener-punkt.de

www.gruener-punkt.de

 

 

 

 

 

24.11.2017 Der Grüne Punkt

Brüssel: Diskussion zur „EU-Kunststoffstrategie"

Flagge der Europäischen Union

Der Grüne Punkt> veranstaltet gemeinsam mit europäischen Partnern Diskussion „Towards circular plastics – How to bridge existing gaps?“ im Europäischen Parlament / Expertenrunde liefert wichtige Impulse für Kunststoffstrategie der Europäischen Kommission[mehr]


17.11.2017 Der Grüne Punkt

Müll im Meer braucht Lösungen

Oxo-abbaubare Kunststoffe helfen nicht gegen Müll im Meer

Der Grüne Punkt zeichnet Erklärung gegen oxo-abbaubare Kunststoffe / Einsatz dieser Materialien sorgt für mehr Mikroplastik im Meer[mehr]


28.05.2017 globalmagazin

Recycelfähige Kunststoffe vermeiden Müll

Michael Wiener. Foto: Der Grüne Punkt

Recycling als Rohstoffquelle: "Recycelt haben die Materialien für die verarbeitenden Industrien einen hohen Wert", sagt Michael Wiener im Interview mit global°.