Ankündigung des Kohleausstiegs wirkt schon

Kohlekraftwerk Foto: Pixabay CC/PublicDomain/jakh

Furcht vor dem "grünen Paradox": Aus Angst vor entschiedenen politischen Maßnahmen zur CO2-Reduktion könnten Eigner fossiler Brennstoffe eben diese jetzt noch einmal bis zum Maximum ausbeuten, um noch einmal hohe Profitte zu kassieren. Oder aber: Investoren ziehen ihr Geld aus der Kohle-Industrie ab, um einem Wertverlust ihrer Investitionen zuvor zu kommen.

Welches Szenario nach dem Pariser Klimaschutzgipfel und der erklärten Absicht, eine Dekarbonisierung der Wirtschaft zu erreichen, zutrifft, untersuchten Wissenschaftler des Potsdam Instituts für Klimaforschung (PIK). Denn: "Dieses Abziehen und Umschichten von Kapital findet als Divestment bereits heute statt", begründen die Experten ihre Untersuchungen.

 

Investoren reagieren schon Jahre vor einem Umstieg der Energiepolitik

 

Ihre Studie kommt zum Ergebnis, dass "unter dem Strich das Divestment das grüne Paradox (schlägt), wenn ein substantieller CO2-Preis glaubhaft angekündigt wird". Die Energie-Ökonomen sind sich sicher: "Im Ergebnis würden die CO2-Emissionen insgesamt effektiv verringert."

„Starke zukünftige Klimapolitik kann Emissionen reduzieren, sogar bevor sie in Kraft tritt, wenn sie glaubwürdig angekündigt wird“, sagt dazu Nico Bauer vom PIK. Das Pariser Klima-Abkommen sei kurzfristig eher schwach; langfristig aber werde es wegen der von den fast 200 Ländern vereinbarten Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellem Zeitalter erhebliche Emissionsminderungen erfordern.

„Unsere Studie zeigt, dass Investoren bereits zehn Jahre vor der Einführung einer vorher beschlossenen CO2-Bepreisung damit beginnen, ihr Geld aus der Kohle-Industrie abzuziehen“, sagt Bauer. „Wenn Investoren bewusst wird, dass der Zeitraum, in dem mit Kohle-Kraftwerken Geld verdient werden kann, durch zukünftige Klimapolitik verkürzt wird, dann scheuen sie vor Investitionen in diesem Sektor zurück. Sobald die Investoren ihr Geld aus der Kohle-Industrie abziehen, können die CO2-Emissionen um 5 bis 20 Prozent sinken und zwar bevor die CO2-Bepreisung eingeführt wird. Die Stärke des Effekts hängt maßgeblich von der Höhe der zukünftigen CO2-Bepreisung ab.“

 

Kohle reagiert sensibler auf Preisanstieg als Öl

 

Kohle sei, das sagt auch Ko-Autor Christophe McGlade vom University College London (UCL) und der Internationalen Energieagentur (IEA) besonders anfällig für CO2-Bepreisung: „Schon bei einem Preis von 20 US-Dollar pro Tonne CO2 verdoppeln sich die Kosten der Kohlenutzung.“ McGlade weiter: „Investoren in der Energiewirtschaft erkennen, dass Kohlekraftwerke bei einer wirkungsvollen CO2-Bepreisung nicht mehr wettbewerbsfähig sind, und schichten ihre Investitionen um, in Richtung weniger emissionsintensiver Elektrizitätserzeugung.“

Er fügt hinzu: „Öl reagiert weniger sensibel auf eine CO2-Bepreisung als Kohle. Unsere Studie zeigt, dass der Effekt des grünen Paradox auf dem Ölmarkt durchaus auftreten kann, da Inhaber großer Ölreserven die heutige Produktion in die Höhe treiben, weil sie Angst vor dem Verlust ihrer Vermögenswerte in der Zukunft haben. Dieser Effekt ist wahrscheinlich jedoch sehr viel kleiner als die Wirkung des Divestment, welche die Nutzung von Kohle reduziert.“


red

 

 

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