Blaues Farbpigment bindet radioakives Cäsium

IAEA-Experten im AKW Fukushima Foto: Wikimedia CC 2.0/IAEA-Imagebank

Hoffnung für Fukushima: Gut sechs Jahre forschten Wissenschaftler der University of Tokyo bis sie ein Mittel fanden, mit dem sie endlich radioaktives Caesium gezielt aus Wasser entfernen wollen - das Farbpigment Preußisch Blau.

Jetzt berichtet die Agentur Pressetext über die Versuche an der Universität. Bei der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 hatten große Mengen radioaktiv strahlender Cäsium-Isotope im Umkreis das Land verseucht. "Jetzt ist es möglich, sie zu binden - und zwar mit einer vermeintlich einfachen Methode", zitiert die Agentur die Wissenschaftler aus Japans Hauptstadt.

 

Radioaktives Cäsium können Experten jetzt zielgenau abfischen

 

Die Wissenschaftler nutzen als Rohstoffe das Farbpigment Preußisch Blau und nanofeine Fasern aus Zellulose, die aus Holz gewonnen wird und Basis der Papierherstellung ist. Daraus hat das Team um die beiden Wissenschaftler Ichiro Sakata und Bunshi Fugetsu Nanopartikel komponiert, die Cäsium in Wasser und an dessen Oberfläche gezielt aufnehmen. "Die Teilchen lassen sich, wenn sie gesättigt sind, abfischen und in strahlendichte Behälter verpacken, sodass sie keinen Schaden mehr anrichten können", schreibt die Agentur.

 

Cäsium zu binden, sei keine leichte Aufgabe, sagen die japanischen Experten. Die beiden Isotope Cäsium-134 und Cäsium-137 kommen stets gemeinsam mit anderen Stoffen, die harmlos sind, vor. Letztere müssen zunächst in aufwendigen Prozeduren aus dem Wasser herausgelöst werden, ehe Cäsium isoliert werden kann, beschreibt die Agentur die diffizile Aufgabe der Wissenschaftler. Die Lösung: Das Farbpigment mit der chemischen Bezeichnung Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) besitzt Poren, die genau die richtige Größe haben, um Cäsiumisotope einzufangen. Größere Moleküle müssen zwangsläufig außen vor bleiben. Das machen sich etwa Ärzte zunutze, um Patienten, die Cäsiumisotope im Körper haben, zu entgiften.

 

Methode zur Cäsium-Entfernung "sehr effektiv"

 

Die Prinzip nun aber einfach auf die Reinigung von Wasser zu übertragen, sei nicht möglich, schreibt Pressetext. Preußisch Blau und Wasser vermischen sich, sodass sich die Pigmente nicht mehr finden lassen. Das kennt jeder, der schon einmal mit Wasserfarben diesen Farbton für sein Bild nutzte - "der Nutzen für die Umwelt ist nahezu nicht vorhanden", werttet die Agentur. Aus diesem Grund entwickelten die japanischen Forscher Nanopartikel, die Preußisch Blau enthalten, Wasser jedoch abstoßen. So sei es möglich, die mit Cäsium gesättigten zu identifizieren und aus dem Wasser zu entfernen. Die Methode, berichtet die agentur über die arbeit der wissenschaftler, sei "sehr effektiv: Ein Gramm bindet 139 Milligramm Cäsium".

Bereits seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 forschen Wissenschaftler intensiv an Möglichkeiten, Cäsium aus der Umwelt zu entfernen. Verfahren, die Isotope aus dem Boden zu entfernen, etwa durch Aussäen von Pflanzen, die Cäsium in ihren Wurzeln binden, gibt es bereits. "Die japanische Technik mit einem Farbpigment ist die erste praktikable für die Behandlung von verseuchtem Wasser", schreibt Pressetext.


red

 

 

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