CO2-Speicher vertreiben massiv Meeresbewohner

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Vincent 34170

Herber Rückschlag für die CO2-Speicherpläne unter dem Ozean: Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie in Bremen stellten bei Untersuchungen von Kohlendioxidquellen am Meeresboden fest, dass austretendes Gas massiv die Ökologie der Region verändert. „Viele der ansässigen Tiere wurden durch das austretende Kohlendioxid vertrieben“, berichtet Max-Planck-Forscher Massimiliano Molari.

Im Sand lebende Tiere träfe ein Kohlendioxid-Leck an einem unterirdischen Kohlendioxid-Speicher besonders stark, berichtet jetzt die Wirtschaftszeitung Handelsblatt über die aktuelle Veröffentlichungen der Wissenschaftler: "Ihre Anzahl und Vielfalt nahm bei steigenden Werten deutlich ab. Die Biomasse der Tiere sank in der Studie auf ein Fünftel des Ausgangswerts", zitiert die Zeitung.

Damit gerät die Speicherug des CO2 aus Kohlkraftwerken erneut in Verruf. Sie soll das fürs Klima so schädliche Gas in Kavernen unter dem (Meeres-)Boden einschließen und so die Erderwärmung bremsen.

 

CCS birgt "beträchtliches Risiko"

 

Die Lecks jedoch, die dabei auftreten könnten, verändern die Artenvielfalt am Meeresboden dauerhaft, stellten die Forscher jetzt bei ihrern Untersuchungen fest: Nur wenigen der beobachteten Bewohner am Boden des Meeres gelinge es, sich langfristig an die neuen Umweltbedingungen anzupassen. "Stattdessen besiedelten nur wenige Arten den Sand, die mit erhöhten Kohlendioxid-Werten besser klarkommen", schreibt die Zeitung. „Ein Leck in einem Kohlenstoffspeicher unter dem Meer verändert also grundlegend die Chemie in sandigen Meeresböden“, zitiert sie Massimiliano Molari. Der warnt: „Es besteht also ein beträchtliches Risiko, dass ein Kohlendioxid-Leck dem Ökosystem vor Ort schadet.“

Das Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung sollte Energieexperten und Politikern zu denken geben. Noch immer gilt diese Speichertchnik innerhalb der Europäischen Union als eine Schlüsseltechnologie zur Verminderung von Treibhausgasen. Dagegen meint die Forschungsdleiterin Antje Boetius, dass bei der Standortwahl und Planung von Kohlenstoffspeichern unter dem Meeresboden künftig auch ein "genauer Blick auf die dortigen Bewohner" wichtig sei. Nur das könne Schäden minimieren.


pit

 

 

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