Interview: Nachhaltigkeit im Creativhotel Luise

Kreativ und nachhaltig: Hotelier Ben Förtsch

Hotelier Ben Förtsch erzählt über den Wandel der Nachhaltigkeit in der Hotellierie und das Innovationspotenzial im Ökomanagement eines Familienhotels anhand des CSR-Projekts „Das nachwachsende Hotelzimmer". Für das Projekt wurde der kreative Junghotelier mit der Goldenen Palme 2017 in der Kategorie "Verantwortung im Tourismus" mit dem dritten Platz ausgezeichnet.

Herr Förtsch, was heißt für Sie Unternehmertum als Hotelier des Creativhotels Luise?

Ben Förtsch: Unternehmertum heißt für mich und meine Familie verantwortungsvoll handeln und nicht kassieren. Als Familienunternehmen denken wir in Generationen und sind uns unserer Verantwortung für die Zukunft bewusst. Ich präsentiere die dritte Generation. Der Balanceakt zwischen hohen ökologischen Zielen und wirtschaftlichen Aspekten ist nicht immer einfach gewesen. Aber unsere langjährigen Mitarbeiter, unsere vielen Stammgäste und die zahlreichen Auszeichnungen für Umweltschutz und Ökomanagement beweisen, dass wir unseren nachhaltigen Hotelbetrieb erfolgreich führen. Wir sehen uns als Vorbild und kreativer Motivator für andere Hotel- und Gastronomiebetriebe - ohne erhobenen Zeigefinger. Wir sind ein Familienbetrieb und arbeiten mit einem Team von langjährigen und fest angestellten Mitarbeitern, die wir sehr wertschätzen und fair entlohnen. Diese Wertschätzung bringen wir auch unseren Gästen entgegen. Das Persönliche im Umgang mit unseren Gästen verleiht unserem Haus seinen Charakter. Unsere Gäste sind Menschen, welche oft zu Freunden werden. Jeder ist anders und wird von uns persönlich und individuell angesprochen. Unser ältester Stammgast kommt seit 42 Jahren in unser Haus, das freut uns sehr. Unsere Gäste gehen nicht zum Italiener um die Ecke, sondern zum „Giovanni“! Das erklärt den feinen Unterschied.

 

Welches sind die Meilensteine in der 60-jährigen Hotelgeschichte des Creativhotels Luise?

Unsere gute Nachbarschaft zu Siemens war für unser schnelles Wachstum in den Gründungsjahren sicher ein Garant. 1989 erfolgte der Spatenstich für den großen Neubau, weitere Um- und Anbauten folgten. Im Jahr 2000 haben wir unsere WellnessOase Lunyu eröffnet, die nach Feng-Shui-Richtlinien unseren Businessgästen Erholung bietet. Wir haben es dabei geschafft, Komfort und Wellness auch nach ökologischen Standpunkte zu vereinbaren und sehr energieeffizient zu wirtschaften. Wir sind stolz darauf, dass wir seit 2010 einen zertifizierten CO2-Fußabdruck haben und zu den ersten Hotels in Deutschland gehören, die die Auszeichnung ‚Klimaneutrales Hotel‘ tragen. Mittlerweile sind wir noch einen entscheidenden Schritt weiter: Viabono hat uns Juni 2015 als erstes Hotel mit einer klimapositiven Auszeichnung bewertet. Klimapositiv bedeutet, dass wir mehr Emissionen über Klimaschutzprojekte binden, als wir in unserem Hotelbetrieb tatsächlich produzieren. Somit haben wir sozusagen einen positiven CO2-Fußabdruck und Klimapositivität erreicht. Das hat uns im Jubiläumsjahr 2016 inspiriert noch tiefer zu hinterfragen, worin wir die Zukunftsfähigkeit in unserem familiengeführten nachhaltigen Hotelbetrieb sehen.

 

Und worin sehen Sie das Innovationspotenzial zu noch mehr Nachhaltigkeit?

Jede Idee hat ihre Zeit. Jede neue Umwelttechnik birgt die Möglichkeit für Innovation. Ab den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat uns das Thema „Jute statt Plastik“ und das Aufkommen von Solarenergie inspiriert, wenn wir Rohstoffe einsparen wollten. Im 21. Jahrhundert sind neue kreative Ideen gefragt, um Lösungen für einen umweltfreundlichen Hotelbetrieb zu finden. Nachhaltigkeit ist heute etwas ganz anderes als vor zehn Jahren. Wir sind umgeben von Kunst- und Verbundstoffen, deren Langlebigkeit ein Problem im ökologischen Kreislauf ist. Hier gilt es Lösungen zu finden, die neue Wertschöpfung im Sinne einer Kreislaufwirtschaft (siehe Cradle to Cradle®-Design-Konzept nach Prof. Braungart) möglich machen. Beispielsweise sind die Teppichfliesen im Hotel aus recycelten Fischernetzen hergestellt, die bislang als Plastikmüll in den Weltmeeren trieben und eine hohe ökologische Last darstellen.

 

Wie integrieren sie Cradle-to-Cradle in Ihre Vision eines nachhaltigen Hotelbetriebs?

Cradle-to-Cradle-Prinzip hat uns zu einem völlig neuartigen Nachhaltigkeits-Meilenstein inspiriert: Das nachwachsende Hotelzimmer! Nachhaltigkeit heißt für uns durch Innovation und Erfahrung eine neue Qualität zu kreieren, quasi Sustain-novation. Gemeinsam mit dem Innenarchitekten Alexander Fehre habe ich verschiedene Modell-Gästezimmer im Öko-Design entwickelt. Ziel war es, nur solche Verbundmaterialen zu integrieren, die nach ihrer natürlichen Lebenszeit wiederum in ihre Einzelteile auftrennbar, kompostierbar oder in einem neuen Kreislauf sinnvoll einsetzbar sind. Alle Ausstattungsgegenstände in den Zimmern wie Teppich, Gardinen, Tapeten, Bett, Armaturen, etc. sind entweder zu 100 Prozent biologisch abbaubar oder zu 100 Prozent recyclebar, wobei die Rückgabe an die Hersteller schon vorab geklärt wurde. Unsere Vision ist es „Natürliche Verbundstoffe statt Sondermüll“ im Hotelzimmer der Zukunft einzusetzen. Wir sind stolz darauf, dass wir uns mit dem Projekt auf einer neuen qualitativen Ebene von Nachhaltigkeit positionieren. Wir wollen Nachhaltigkeit für unsere Hotelgäste unwiderstehlich machen!

 

Wie machen Sie Nachhaltigkeit für Ihre Gäste erlebbar?

Mit Qualität, Komfort und Emotion. Oberste Priorität ist, das der Gast gut und erholsam schlafen kann. Das hat viel mit der "Chemie" eines Zimmers zu tun. Wir machen unseren Hotelgästen energieeffiziente und klimafreundliche Angebote - ohne erhobenen Zeigefinger und ohne am Komfort zu sparen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz empfinden unsere Gäste als authentisch und reflektieren das in ihren Bewertungen auf Reise- und Buchungsportalen.

Wir leben Nachhaltigkeit täglich vor. Das spürt und erlebt der Gast bei jeder Übernachtung im Creativhotel Luise.

 

Andrea Lachmuth

 


30.06.2017 12:21
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