Deutsche Klimaziele rücken in weite Ferne

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/ElasticComputerFarm

"Das Klimaschutzziel der Bundesregierung für das Jahr 2020 rückt in immer weitere Ferne" befürchtet der Berliner Thinktank Agora Energiewende. Im ersten Halbjahr 2017 seien, laut der Agentur, "die energiebedingten CO2-Emissionen gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um knapp 5 Millionen Tonnen auf 428 Millionen Tonnen gestiegen (plus 1,2 Prozent)."

Die Zahlen stammen von den beiden Think Tanks Agora Energiewende sowie Agora Verkehrswende. Ihr Grundlage ist die Halbjahresstatistik der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen zur Entwicklung des Energieverbrauchs in Deutschland. Auch für das Gesamtjahr 2017 erwarten die beiden Denkfabriken laut ihrer Pressemeldung einen Emissionsanstieg.

 

Schuld am CO2-Anstieg ist der höhere Kraftstoffverbrauch

 

Die CO2-Emissionen haben demnach nicht bei allen Energieträgern gleich entwickelt: So stiegen die Emissionen aus Mineralöl um 4,6 Millionen Tonnen CO2, aus Erdgas um 2,9 Millionen Tonnen und aus Braunkohle um 2,3 Millionen Tonnen. Demgegenüber sanken die Emissionen aus der Steinkohlenutzung um 5,1 Millionen Tonnen.

Ursache beim Anstieg des Mineralöls ist ausschließlich der höhere Benzin-, Diesel- und Kerosinverbrauch, während der Heizölabsatz trotz der kälteren Witterung im ersten Halbjahr 2017 sogar leicht gefallen ist.

Die Verbrauchsänderungen bei Braunkohle, Steinkohle und Erdgas sind vor allem auf die Entwicklungen am Strommarkt zurückzuführen: So haben die Erneuerbaren Energien deutlich zugelegt, ebenso die Nutzung von Gas in Kraftwerken (insbesondere KWK-Anlagen), was zu Lasten der Steinkohle ging – auch wurden einige Steinkohlekraftwerke im 1. Halbjahr 2017 stillgelegt. Gleichzeitig jedoch weiteten die Braunkohlenkraftwerke ihre Stromproduktion aus.

 

Graichen: "Lücke im Klimaschutz bleibt bei 150 Mio Tonnen CO2"

 

Ziel der Bundesregierung sei, so schreiben die Think Tanks, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozent zu mindern. 2016 habe jedoch die Emissionsminderung erst bei minus 27,6 Prozent gelegen. „Die Lücke zum Klimaschutzziel von minus 40 Prozent wird nicht kleiner, sondern bleibt bei rund 150 Millionen Tonnen“, sagt Patrick Graichen. Er ist Direktor von Agora Energiewende. Um das Klimaschutzziel, das Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade erst wieder in ihrem Sommerinterview bekräftigt hatte, doch noch zu erreichen „muss unmittelbar nach der Bundestagswahl ein ‚Sofortprogramm Klimaschutz 2020‘ aufgelegt werden, das für Strom, Wärme und Verkehr schnell wirkende Maßnahmen enthält“, stellt Graichen fest.

Mit einem Plus von fast 5 Millionen Tonnen CO2 im ersten Halbjahr 2017 trug der Verkehr am stärksten zum Emissionsanstieg bei. Ursache dafür war ein Absatzplus beim Diesel von 6,5 Prozent, bei Benzin von 2,5 Prozent und beim Flugbenzin von fast 8 Prozent. „Das zeigt, wie wichtig es ist, endlich auch Klimaschutzpolitik im Verkehr entschlossen zu betreiben“, sagt Christian Hochfeld. Er ist Direktor von Agora Verkehrswende. „Wenn eine umfassende Verkehrswende kein Schwerpunkt in der nächsten Legislaturperiode wird, lassen sich Deutschlands ambitionierte Klimaschutzziele nicht erreichen.“


red

 

 

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