Ersatzteile per Luftfracht: Solar-Drohnen für Afrika

Foto: Mobisol

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Berliner Start-up Mobisol will Strom auch in die entlegensten Hütten Afrikas bringen. Dafür baut das Unternehmen günstige Solar-Panel und liefert sie an die Bewohner, die dafür einen Mikrokredit erhalten, der sie unabhängig macht. 40.000 Solar-Home-Systeme versorgen die Menschen in Ruana und Tansania schon mit Sonnenpower. Jetzt will das Unternehmer zusätzlich einen Lieferdienst mit Solar-Drohnen aufbauen. global° sprach darüber mit Mobisol-Geschäftsführer Thomas Gottschalk.

Die Flugobjekte könnten die Solaranlagen auf den Hütten sozusagen als „Tankstellen“ nutzen. Das befähigt die Drohnen, auch weite Strecken zurück zu legen und Waren in bislang schwer erreichte Gebiete zu liefern. „Der Betrieb ist kohlenstofffrei, die Energie kommt von der Sonne; und es entsteht ein dezentralisiertes Einkommen, da Kunden mit einem zusätzlichen Geldfluss belohnt werden, wenn die Drohnen mit der Elektrizität aus ihrer Solaranlage aufgeladen werden“, lautet die Vision des Unternehmens. Die Fluggeräte sollen etwa Ersatzteile liefern, wenn eine Sonnenstromanlage streikt. Die Idee klingt gut, wenn Mobisol hofft, „die Leben unserer Kunden zu verbessern, während wir zur weltweiten Abschwächung des Klimawandels beitragen.“

 

Sie sind angetreten, um Strom in Afrikas Hütten zu bringen. Warum nehmen Sie jetzt Drohnen ins Angebot?

Thomas Gottschalk : Mobisol's Zielgruppe lebt in ländlichen, teils abgeschiedenen Gegenden in Afrika. Der Transport unserer Ersatzteile und weiterem Zubehörs stellt eine Herausforderung dar und geht nur mit langen Wegen und hohen Kosten einher. Mit dem Einsatz von Drohnen für diesen Transport können wir diese Probleme aus der Welt schaffen und noch dazu die Lieferzeit für die Kunden verringern.

 

Ist das nicht nur eine technische "Spielerei"?

Ganz und gar nicht. Natürlich ist es bisher noch ein Pilotprojekt, und wir stehen ganz am Anfang - dennoch arbeiten wir daran, dieses Modell möglichst bald weiter testen und implementieren zu können. Hier in Deutschland ist das Bestellen von Waren per Mausklick mittlerweile alltäglich. Wir möchten auch unseren Kunden ermöglichen, von fortschrittlicheren Lieferwegen zu profitieren. Die von uns installierten Solaranlagen bieten dafür die perfekte Basis, da sie die Drohnen dezentral mit Strom versorgen können.

 

Was haben die Menschen in Afrika von dieser neuen Geschäftsidee?

Bisher bildet die schlechte Infrastruktur im ländlichen Afrika einen Hauptgrund für die verzögerte, langsame wirtschaftliche Entwicklung, unter der auch die Bevölkerung leidet. Mittlerweile sind Mobiltelefone in Afrika weiter verbreitet als in Europa, auch die Netzwerkabdeckung ist weiter ausgebaut. Dennoch sind ein zufriedenstellender Zugang zu Strom und eine Infastruktur, die alle miteinander verbindet, kaum vorhanden. Mobisol's Transport mithilfe von Drohnen könnte diese Infrastruktur überbrücken und den Solarstrom als Mittel nutzen, um diverse Konsumgüter zu transportieren, so auch Arzneimittel, Telekommunikationsgüter und vieles mehr.

 

Solar-Drohnen in Afrika sollen Infrastruktur-Probleme lösen helfen

 

Thomas Gottschalk Foto: Mobisol

Was sollen die Drohnen verteilen?

Für unsere Kunden sollen sie vornehmlich Ersatzteile für ihre Solaranlagen transportieren. Darüber hinaus sind dem Drohnen-Lieferdienst keine Grenzen gesetzt. Wir möchten dennoch gerne den Service mit den bestehenden Solarstromanlagen verbinden, so vor allem Accessoires wie Radios, Smartphones, Tablets und weitere Elektronikgüter liefern. Dies sind Produkte, die bisher nicht von den Haushalten betrieben werden konnten, da der Strom fehlte und nun einen immensen Fortschritt darstellen.

 

Gibt es dabei kein Sicherheitsrisiko: Absturz, Falschzustellung, Stromausfall?

Doch, natürlich, alle drei sind ernstzunehmende Risiken. Das „Abschießen“ der Drohne um deren Lieferinhalt zu erbeuten, könnte auch noch dazu kommen. Aber das sind die gleichen Probleme, mit denen sich auch Google und Amazon auseinandersetzen. Es sind die Pioniertage des Drohnen-Lieferdiensts. Viele ungelöste Fragen werden sich noch stellen. Aber das ist ja das spannende an Innovation, dass eine Umsetzung erst einmal unmöglich erscheint.

 

Wer steuert die Drohnen?

Unsere Datenbank hat alle GPS-Punkte unserer Kunden und der zukünftigen „Packstationen“ gespeichert. Das Fliegen via GPS-Steuerung bietet noch viele Herausforderungen, unser Entwicklungsschwerpunkt wird sich darauf fokussieren.

 

Wäre es nicht sinnvoller, das Ursprungsprojekt auszubauen und das Solarstromnetz in Afrika auszubauen?

Es geht darum zukünftige Geschäftsfelder frühzeitig zu erkennen und zu entscheiden ob wir uns engagieren wollen. Auch wenn wir parallel an diesem Projekt arbeiten, konzentrieren wir uns weiterhin auf unser Kerngeschäft: Die Elektrifizierung ländlicher Haushalte in Afrika. Diese Haushalte sind ja als Ladestationen die Basis für den Drohnen-Lieferservice.

Bald werden wir neben Tansania und Ruanda in ein weiteres Land expandieren, bis 2020 sind mehrere Millionen Mobisol Kunden geplant.


pit

 

Lesen Sie auch:

 

Drohnen dokumentieren Umweltbedrohungen

Drohnen pflanzen Bäume

WWF jagt wilderer mit Drohnen

 


Der Artikel hat Ihnen gefallen?
Sie können für global° spenden!
Flattr this

Most Wanted

Screenshot: Video Stella/Frabrica

Musikvideo „Stella – Outer Space in Our Space“

Die ESA stellt auf der Webseite des Online-Musikdienstes Soundcloud Tonaufnahmen verschiedener...


Foto: AlmaWIN/GB

AlmaWIN und Klar: GREEN BRANDS 2016/2017

Die Markenprodukte AlmaWin und Klar sind „GREEN BRANDS Germany 2017/2018“. Erneut gelang es der...


Foto: Fraunhofer IFF

App entlarvt Schadstoffe und Etikettenschwindel

Wissen, was drin steckt: Eine neue App - entwickelt von Forschern des Fraunhofer Instituts für...


Neu im global° blog

Screenshot: Video

Klimapolitik: Teenager verklagt US-Regierung

US-Präsident Trump will den Klimaschutz zurückfahren und das Budget der amerikanischen...


Screenshot: Video Stella/Frabrica

Musikvideo „Stella – Outer Space in Our Space“

Die ESA stellt auf der Webseite des Online-Musikdienstes Soundcloud Tonaufnahmen verschiedener...


Grafik: Indigenous Environmental Network/FB

10. März 2017: Native Nations March Washington DC

Der Stamm der Sioux von Standing Rock und indigene Graswurzelbewegungen rufen alle Verbündete in...


Folgen Sie uns: