Klimaschutz: Bäume pflanzen hilft wenig

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Ellen26

Bäume pflanzen, um das Klima zu retten, ist schön - lenkt aber vom sinnvollen Klimaschutz ab. Pflanzaktionen können kaum mehr als ein lediglich symbolischer Akt sein. Sie tragen nicht wiklich zur Klimarettung bei, besagen neue Studien der Wissenschaftler am Klimaforschungsinstitut in Potsdam (PIK).

"Der Anbau von Pflanzen und das Speichern des von ihnen aus der Atmosphäre aufgenommenen Kohlendioxids (CO2) ist kein brauchbares Mittel zur Stabilisierung unseres Klimas." So drastisch drückt es die Potsdamer Forscherin Lena Boysen in einer Pressemeldung des PIK zu ihrer im Journal der American Geophysical Union veröffentlichen Arbeit aus. „Wenn wir weiter Kohle und Öl verbrennen und dann später unser Handeln bedauern, wäre die Menge von Treibhausgasen, die wir zur Klimastabilisierung wieder aus der Atmosphäre herausholen müssten, riesig – das wäre nicht zu schaffen,“ ist sie überzeugt. Zwar saugen Pflanzen CO2 aus der Atmosphäre, um den Kohlenstoff in ihre Wurzeln, Stämme und Blätter einzubauen. Diese Low-Tech-Option zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre könnte zudem mit unterirdischer High-Tech-Speicherung kombiniert werden. Die wissenschaftlerin jedoch schränkt ein: „Sogar wenn wir wachstumsstarke Pflanzen wie Pappeln oder Elefantengras nutzen könnten und die Hälfte des in ihnen enthaltenen CO2 speichern könnten,“ so Boysen, „würde im Business-as-usual Szenario fortgesetzter unbeschränkter Emissionen die schiere Größe der Pflanzungen verheerende Auswirkungen auf die Umwelt haben.“

 

CO2-Speicherwäler würden alle Ökosysteme der Erde vernichten

 

Screenshot: global°

Fatale Konsequenz eines Klimaschutzes durch Bäumepflanzen wäre laut der PIK-Expertin, dass die hypothetisch benötigten Anbauflächen fast vollständig die natürlichen Ökosysteme rund um die Welt vernichten.

Vorschläge der Wissenschaftler, wie die Menschen diese Zwickmühle verlassen, sind daher allein ehrgeizige CO2-Reduktionen und Fortschritte in den landwirtschaftlichen Methoden. Nur dies könne in den nächsten Jahrzehnten scharfe Konflikte über die künftige Landnutzung vermeiden. Ihre Botschaft ist dennoch eher pessimistisch: „Aber sogar in diesem Szenario einer offensiven Klimastabilisierungspolitik könnte nur der starke Einsatz von Bewässerung, Düngung und einer weltweiten Speichermaschinerie, die mehr als 75 Prozent des aus der Luft geholten CO2 erfasst, die durchschnittliche Erwärmung auf weniger als 2 GRad Celsius begrenzen." Hierzu müsste es deutliche Verbesserungen bei Anbau, Ernte, Transport und Nutzung der Biomasse geben, betont Boysen.

„In dem Klima-Drama, das sich gegenwärtig auf dieser Bühne abspielt, die wir die Erde nennen, ist das Entziehen von CO2 aus der Luft nicht der große Held und Retter, nachdem alles andere fehlgeschlagen ist. Es ist eher ein Nebendarsteller, der schon vom ersten Akt an mitspielen muss, während die Vermeidung von Emissionen die Hauptrolle spielt“, sagt auch PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. „Das ist die gute Nachricht: Wir wissen, was wir tun müssen – rasch die Nutzung fossiler Brennstoffe beenden und ergänzend eine große Bandbreite an Techniken zum CO2-Entzug aus der Atmosphäre einsetzen. Wir wissen, wann wir es tun müssen – nämlich jetzt." Nur so, mahnt der Klimaforscher, sei es möglich, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen und damit den größten Teil der Klimarisiken noch zu vermeiden.


pit

 

 

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