Klimawandel genießt weltweite Aufmerksamkeit

Zeitungsständer - Straßenverkauf in München, Foto: wikimedia commons/ Gamsbart

Wie oft berichten überregionale Tageszeitungen über den Klimawandel? Wo liegen die Schwerpunkte bei der Berichterstattung? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Andreas Schmidt, Soziologe an der Universität Hamburg, und sein Team. Zwischen 1996 und 2000 analysierten sie den Klimazug der Meldungen von jeweils ein bis zwei großen Zeitungen in 27. Ihre Ergebnisse stellt die Forscher nun im Fachjournal Global Environmental Change vor.

 

Die Forscher stellten fest, dass das Thema Klimawandel seit 1996 verstärkt in den Medien präsent ist. Vor allem in Ländern, deren Wirtschaft stark von Erdöl und Kohle abhängt, wird das Problem und seine Folgen ausgiebig diskutiert. Auch in Ländern, die sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu einer Reduktion ihrer CO2-Emissionen verpflichtet haben, ist das Interesse groß.

 

In Deutschland beträgt der Anteil der Artikel allerdings lediglich 0,14 Prozent, deutlich weniger als beim Spitzenreiter Australien mit 1,4 Prozent. In siebzehn Ländern (acht Industrie- und neun Entwicklungsländer) erhalte der Klimawandel mehr Aufmerksamkeit als in Deutschland, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Bericht.

 

Klimawandel in Australien häufig thematisiert

 

Folgen einer Dürre - ausgetrockneter See im Altai-Gebirge, Russland, Foto: wikimedia commons/ Stefan Kühn

„Länder, die besonders viele Treibhausgase produzieren und unter dem Druck stehen, Lebensstil und Wirtschaft zu verändern, diskutieren sehr viel über Klimawandel und politische Lösungen“, erklärt Schmidt. Australien sei hierfür ein Paradebeispiel, was sehr wahrscheinlich auch auf die extremeren Wetterereignisse, wie Dürren und Hochwasser, in den vergangenen Jahren zurückzuführen sei.

 

„Im Falle Australiens hat die breite gesellschaftliche Debatte letztlich zu ambitionierten Klimazielen geführt. Eine hohe Medienaufmerksamkeit kann also auch Impulse für die Klimapolitik setzen,“ freut sich Schmidt.

 

Die Forscher fanden keine Unterschiede in der Berichterstattung in vom Klimawandel gefährdeten Ländern zu den übrigen Staaten. In Ländern, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hätten und sich nicht um die Reduzierung der Treibhausgase bemühten, werde generell wenig über das Thema berichtet. Wenn dennoch Artikel hierzu erschienen, gehe es vor allem um die Folgen des Klimawandels und mögliche Anpassungsmaßnahmen, so die Hamburger Wissenschaftler.

 

Schmidt erläutert: „Wirtschaftliche Interessenkonflikte auf nationaler Ebene bestehen hier kaum, da diese Länder keine Verantwortung übernommen haben, Ziele eines internationalen Klimaabkommens zu verwirklichen. Daher gibt es auch weniger Diskussionsbedarf.“ JET

 

 

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