Klimawandel ist Ursache für Vertreibung

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Kalhahh

Die Bekämpfung des Klimawandels ist nicht nur eine ökologische, sondern eine soziale Aufgabe: Allein im Vorjahr mussten 24,2 Millionen Menschen auf Grund von Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte die Zahl der Flüchtlinge auf eine Milliarde steigen - Hunger und Armut vertreiben Menschen aus ihrer Heimat.

In Wien distutierten daher Entscheidungsträger aus Forschung und Wissenschaft sowie Umwelt- und Sozialverbänden, wie der Ausbau der erneuerbaren Energien als Teil eines Lösungsansatzes dienen kann.

 

Naturkatastrophen sorgen für 60 Prozent mehr Flüchtlinge

 

Die UNO-Flüchtlingshilfe skizziert die Lage dramatisch. Ihre Experten gehen davon aus, dass sich in den vergangenen 20 Jahren die Anzahl der Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels verdoppelt hat. Laut Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) hat sich in den letzten 40 Jahren die Gefahr von Naturkatastrophen betroffen zu sein, sogar um 60 Prozent erhöht. Das schreibt die Agentur Pressetext über die Lage. Darüberhinaus fehlen in diesen Zahlen, laut der Agentur, jene Flüchtlinge, die durch langanhaltende Extremwetterlagen wie Dürren ihr Land verlassen mussten. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnten, so einige Prognosen, die Flüchtlingszahlen auf das Zehnfache steigen. "Dies hängt natürlich von den Maßnahmen ab, die bis dahin gesetzt werden", bemerktebei der Konferenz in Wien Johannes Wahlmüller. Er ist Klima- und Energiesprecher der Umweltorganisation GLOBAL 2000. Er fuhr fort: "Welches Ausmaß diese Krise haben wird, hängt viel vom Gelingen der Bemühungen ab, klimaschädliche Treibhausgase zu reduzieren."

"Der Klimawandel verschärft Hunger und Armut und zwingt mehr und mehr Menschen zur Aufgabe ihrer Heimatregion. Wir sehen das bereits bei unseren Projekten in verschiedenen Ländern, die wir betreuen", erklärte Michael Bubik, Geschäftsführer der Diakonie Eine Welt und setzt fort: "Dabei tragen die Betroffenen zum Klimawandel so gut wie gar nichts bei. Die Unterstützung dieser Menschen ist daher ein Gebot der Menschlichkeit und des Anstandes."

 

Klimawandel ist eine Hauptursache für Flucht

 

Spätestens seit der Klimakonferenz in Paris ist die Dringlichkeit des Klimaschutzes unübersehbar. Zur diesjährigen Klimakonferenz in Bonn richteten 15.000 Wissenschaftler einen dringenden Appell und eine "Warnung an die Menschheit" an die Staatenführer, keine Zeit mehr zu verlieren und den Klimaschutz beherzt anzugehen.

"Der Klimawandel ist schneller vorangeschritten als wir das noch vor einigen Jahren für möglich gehalten hätten", erklärt Herbert Formayer, Professor am Institut für Meteorologie der Universität Wien. Gerhard Wotawa, Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und Obmann des Climate Change Centre Austria (CCCA) ergänzt: "Das Thema der umwelt- und klimabedingten Migration wird in Zukunft immer bedeutender werden. Ohne rasche Klimaschutzmaßnahmen werden in den kommenden 30 bis 40 Jahren die Lebensbedingungen im gesamten Mittelmeerraum und in Afrika südlich der Sahara immer schlechter werden. Zusammen mit den teilweise extrem hohen Geburtenraten in diesen Ländern müssen wir hier mit ernsten Problemen rechnen."

Die Experten waren sich einig, dass der Klimawandel oft zumindest einen Anteil an vielen Konflikten habe. So sei er auch ein Mosaiksteinchen der Ursachen für den aktuellen Konflikt in Syrien. Vor dem Ausbruch der Gewalt mussten mehr als 1,5 Millionen Menschen ihre Lebensräume nach mehrjährigen schweren Dürren verlassen. Die in die Städte flüchtende Bevölkerung fand dort keine Arbeit. Dieser Umstand bot einen optimalen Nährboden für fundamentalistische Gruppen. "Durch die angespannte Klimasituation und die häufiger auftretenden Naturkatastrophen verschlechtert sich weltweit die Lage für Menschen, die bereits unter schwierigen Bedingungen leben, besonders für Frauen und Kinder. Als Folge nehmen Menschenrechtsverletzungen zu", berichtet Annemarie Schlack, die Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich auf der wiener Konferenz und ergänzt: "Unsere Aufgabe ist in diesem Bereich die Unterstützung von MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich Vorort für eine Verbesserung der Lebensbedingungen einsetzen."

Auf der einen Seite bilden Erdöl und Erdgas für viele terroristische Gruppen eine sichere Einnahmequelle. Fossile Energien halten somit die gewalttätigen Konflikte zusätzlich am Laufen.

Auf der anderen Seite vermeiden erneuerbare Energien klimaschädliche Emissionen und schützen so das Klima. Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, müsse, so die versammelten Experten, die Energieversorgung zur Gänze auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft: "Je schneller wir den Umstieg auf eine CO2-freie Gesellschaft schaffen, desto mehr helfen wir auch mit, dass die Klimaflucht nicht noch weiter zunimmt und viele Menschen ihr Zuhause nicht verlassen müssen."


red

 

 

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