„Berlin tüt was“: Ausrufezeichen aus Plastiktüten

Foto: duh.de

30.000 Plastiktüten wandern stündlich über Berliner Ladentheken – aus genausovielen soll das riesige Ausrufezeichen bestehen, das die Berliner am 20. September auf dem Tempelhofer Feld legen werden. Die neun Kilometer lange Plastiktütenkette soll die längste der Welt werden. Wer beim Weltrekordversuch mitmachen will, kann ab dem 04.07.2014 an Sammelstellen in ganz Berlin mindestens zehn Plastiktüten vorbeibringen – und erhält dafür eine Designer-Kampagnentasche.

 

Enormer Verbrauch an Plastiktüten

 

Die Deutschen verbrauchen insgesamt 10.000 Plastiktüten pro Minute. In Supermärkten sind sie zwar inzwischen kostenpflichtig, in Kaufhäusern und an der Gemüsetheke aber nicht. In Europa werden nur sieben von 100 Plastiktüten recycelt und auch in Deutschland existiert kein geschlossener Kreislauf. Eine Tüte wird durchschnittlich 25 Minuten lang genutzt, hat danach aber noch hunderte Jahre lang Auswirkungen auf die Umwelt: Polyethylen, der Kunststoff aus dem die meisten der Tüten bestehen, ist sehr schlecht biologisch abbaubar. Es zerfällt aber durch Sonneneinstrahlung in kleine Teile, die Fischen und Kleinstlebewesen dann aufnehmen. Hinzu kommt noch der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung.

 

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Plastiktüten im Vergleich

 

Die Verbraucherinitiative teilte kürzlich in einer Pressemeldung mit, dass sich die Verbraucher mehr Informationen über umweltfreundliche Verpackungen wünschen. Es dürfte auch für Plastiktüten gelten, dass es Verbraucher es oft nicht besser wissen wenn sie zur umweltschädlichen Plastiktüte greifen.

 

Einwegtüten: Am besten aus Recycling-Kunststoff

 

Deshalb hier verschiedene Einweg- und Mehrwegplastiktüten im Vergleich:

Konventionelle PE-Tüten und solche, die teilweise aus biologisch abbaubaren Kunststoffen bestehen, schneiden im Vergleich am schlechtesten ab. Denn Tüten, die teils aus PE und teils aus Maisstärke bestehen, verbrauchen bei ihrer Herstellung sowohl Rohöl als auch landwirtschaftliche Anbauflächen. Außerdem können diese Tüten nur schlecht recycelt werden: Sie mindern die Qualität des recycelbaren Kunststoffes und werden daher häufig direkt verbrannt.

Einweg-Papiertüten sind auch keine richtige Alternative: Um reißfest zu werden müssen die Zellulosefasern mit Chemikalien behandelt werden. Die Ökobilanz einer Papiertüte kann sich allerdings verbessern, wenn sie aus recyceltem Papier besteht und selbst wieder recycelt wird.

Auch Plastiktüten aus recyceltem Kunststoff schneiden vergleichsweise gut ab.

 

Alternative: Mehrwegtaschen

 

Wenn der Durchschnittseuropäer Mehrwegtaschen verwenden und komplett auf Einwegplastiktüten verzichten würde, könnte er im Jahr 176 Plastiktüten vermeiden. Doch auch bei den Mehrwegtaschen gibt es Unterschiede in der Ökobilanz: Weil sie im Vergleich zu Einwegtüten stabiler sein müssen verbrauchen sie auch mehr Material. Die traditionellen Baumwoll- oder Jutetaschen haben hohe Umweltauswirkungen in der Herstellung, weil beim Anbau der Baumwolle oder Jute Wasser und Energie verbraucht wird. Damit eine Baumwolltasche umweltfreundlicher ist als eine PE-Tüte aus Neugranulat, muss sie zwischen 25 und 30 mal wiederverwendet werden. Am besten sind daher Mehrwegtragetaschen, die aus recyceltem Material, wie zum Beispiel aus alten PET-Getränkeflaschen, hergestellt wurden.

 

Fazit: Am besten Mehrwegflaschen aus recyceltem Material und wenn es Einweg sein muss, sollten diese Tüten ebenfalls recycelt sein. Wenn Sie allerdings noch keine Mehrwegtasche aus PET-Flaschen besitzen, brauchen Sie auch keine zu kaufen. Gehen Sie ruhig mit Ihrer Baumwolltasche einkaufen, denn eine nicht hergestellte Mehrwegtasche ist immer noch am umweltfreundlichsten.FME

 

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