Übermedien: Onlinemagazin bleibt unabhängig

Boris Rosenkranz (links) und Stefan Niggemeier

Das Onlinemagazin für Medienkritik, Übermedien, nutzt ab sofort die Berliner Abo-Plattform Steady, um sich nachhaltig durch die eigenen Nutzer zu finanzieren. Das gab die von den Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz gegründete Publikation bekannt.

Übermedien wurde im Januar 2016 von Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz gegründet. Seitdem decken die beiden dort regelmäßig Fake-News auf und berichten kritisch über Artikel aus der gesamten deutschen Medienlandschaft. Zuvor betrieb Niggemeier bereits den äußerst erfolgreichen BILDBlog, der sich ausschließlich mit der Berichterstattung der BILD-Zeitung auseinandersetzte. Obwohl Übermedien über eine breite Stammleserschaft verfügt, können Niggemeier und Rosenkranz aktuell nicht allein von dieser Arbeit leben. Dennoch verzichten die Gründer komplett darauf Werbung auf der Seite zu schalten und boten Lesern lediglich die Möglichkeit das Projekt über den Online-Kiosk Blendle zu finanzieren.

 

Ihre Unabhängigkeit will sich das Gründungs-Duo auch knapp eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Medienkritik auf Übermedien bewahren. Nun wagen sie jedoch einen weiteren Schritt in Richtung finanzielle Unabhängigkeit und nutzen ab sofort die Abo-Plattform Steady, um sich verstärkt über die eigene Leserschaft zu finanzieren.

 

Steady wurde Anfang dieses Jahres gegründet, funktioniert in etwa wie Patreon und kann für unabhängige Journalisten, Blogger und Podcaster eine durchaus interessante Möglichkeit der Monetarisierung darstellen. Denn jeder, der Inhalte im Netz veröffentlicht, kann sich auf Steady anmelden und sich auf diesem Weg durch monatliche Unterstützungszahlungen der eigenen Nutzern finanzieren lassen.

 

Dafür müssen Medienmacher ihr Publikum lediglich auf die Unterstützungsmöglichkeit via Steady aufmerksam machen. Die Abo-Plattform übernimmt anschließend die gesamte Zahlungsabwicklung, kümmert sich um Rechnungen und Steuerfragen und integriert auf Wunsch eine Paywall und eine Adblocker-Erkennung - Verlagsdienste also, ohne sich von einem Verlag abhängig zu machen.

 

Für diese Unabhängigkeit stehen die beiden Steady-Gründer Sebastian Esser und Philipp Schwörbel wie kaum jemand in der deutschen Medienlandschaft. 2014 gründeten sie die Journalismus-Plattform Krautreporter und sammelten für dieses Projekt über eine Million Euro aus der Crowd ein. Von diesen Einnahmen profitierte auch Stefan Niggemeier, der bis Mitte 2015 als Redakteur für Krautreporter aktiv war.

 

Knapp zwei Jahre später kreuzen sich die Wege von Niggemeier, Esser und Schwörbel nun erneut und auch wenn alle Drei nun neue Projekte in Angriff nehmen, verbindet sie nachwievor der Gedanke auch in Zeiten des Online-Journalismus’ mit unabhängigen redaktionellen Beiträgen finanzielle Erfolge feiern zu können, ohne sich selbst dafür verkaufen zu müssen.


08.06.2017 15:55
Karsten Lützow

karstenluetzow@web.de