Glücksindex NAWI-D für Deutschland

Foto: Wikimedia commons/Huhu Uet

Neuer Wohlstandsindex für Deutschland: 42 von 100 möglichen Punkten für die Bundesrepublik.

 

„Wie definieren die Deutschen Wohlstand?“ Diese Frage stellten sich der renommierte Zukunftsforscher Prof. Horst Opaschowski und das Meinungsforschungsinstitut Ipsos. Also fragten sie nach- und konfrontierten insgesamt 2000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 14 Jahren mit 30 zum Thema passenden Aussagen. Alle Befragten konnten ihrer Zustimmung bzw. Ablehnung der Aussagen auf einer zehnstufigen Skala (1: trifft überhaupt nicht zu; 10: trifft absolut zu) Ausdruck verleihen.

 

Das Ergebnis: Deutschland landet im Schnitt bei 42 von 100 möglichen „Glückspunkten“. „Gemessen am Reichtum des Landes ist da noch viel Luft nach oben“, meint Hans-Peter Drews, Managing Director von Ipsos. Doch Reichtum ist eben längst nicht alles- vier „Wohlstandssäulen“ definierten die Forscher in ihrer Studie (ökonomisch, ökologisch, gesellschaftlich und individuell). Ihre Gewichtung erfolgte nach dem Willen der Bürger, wie er in der Befragung zum Ausdruck gekommen war.

Foto: flickr/Briteii

Sicherheitsdenken steht ganz oben

 

Sie haben es wahrscheinlich schon geahnt: Die ökonomische Säule stellte mit 39 Prozent die wichtigste dar. Jedoch geht es dabei schon lange nicht mehr darum, immer mehr haben zu wollen. „Wohlstand im 21. Jahrhundert hat seine ‚Luxus‘-Komponente verloren. Wohlhabend ist der, der sicher und sorgenfrei leben kann.“, bringt es Opaschowski auf den Punkt. Sicher und sorgenfrei- im Klartext heißt das: ein gesicherter Arbeitsplatz mit geregeltem Gehalt und ausreichend hoher Rente. Das ist es, worauf es vielen Deutschen heute ankommt- fast drei Viertel der gering verdienenden Bevölkerung (1250 Euro netto oder weniger) fühlen sich laut Drews als „Bürger mit geringer Zukunftsperspektive.“

 

Sicherheitsdenken schleicht sich auch in die zweitwichtigste Säule (31 Prozent) des individuellen Wohlstands ein. „Fühle ich mich gesund- und kann ich mir eine gute Krankenkasse leisten?“, sind typische Fragen, die sich der deutsche Bürger heute stellt. Nachhaltigkeit spielt hingegen eine sehr viel kleinere Rolle: Im Ranking der vier Wohlstandssäulen kam die Ökologie auf gerade einmal zwölf Prozent. „Es fehlt die emotionale Nähe- den Deutschen liegt die Umwelt nicht am Herzen.“, bilanziert Opaschowski.

Foto: flickr/Samira G.

Glücklicher in der WG als im Single-Haushalt

 

Hingegen wissen die Bürger die Errungenschaften von Frieden und Demokratie sehr wohl zu schätzen. „Freie Meinungsäußerung“ und „im Frieden mit den Mitmenschen leben“ wurden in 64 bzw. 61 Prozent der Fälle als „Wohlfühlindikatoren“ für das Leben im eigenen Land genannt. Besonders wichtig sind auch die sozialen Kontakte zu Familien und Freunden. Bezeichnend: Im Mehrpersonenhaushalt fühlen sich die Menschen viel glücklicher und gesünder als alleine lebend. Auch Frauen (51 Prozent) sind nach den Ergebnissen von NAWI-D glücklicher als Männer (47 Prozent). Grund: Sie pflegen mehr soziale Kontakte und sind weniger auf materiellen Reichtum bedacht.

 

Foto: Wikimedia commons/noebse

Während sich junge Menschen in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen und Städter den Mangel an Natur und sozialen Kontakten beklagen, leidet die gebildete Schicht vor allem unter Stress und zu wenig Zeit für sich selbst. Opaschowski: „Diese drei Bevölkerungsschichten sind mit Geld allein nicht zufrieden zu stellen. Sie vermissen persönliche und soziale Lebensqualität, die sie nicht einfach kaufen können.“ Als Antwort auf diese Befunde fordert er von der Politik „mehr Lebensqualitätssicherung“ abseits von Steuererleichterungen und sonstigen Prämien.

 

Der neue Glücksindex NAWI-D wurde erstmals im August 2012 erhoben- eine Aktualisierung alle drei Monate ist vorgesehen.

niso

 

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