Biodiversität schützt vor Malaria

Foto: wikimedia commons/ J. Gathany

Regenwaldschutz und Bewahrung der Biodiversität zahlt sich direkt für den Menschen aus. Brasilianische Forscher haben herausgefunden, dass ein intakter Regenwald die menschlichen Bewohner vor der gefährlichen Tropenkrankheit Malaria schützt.

 

Weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen den Malariaerreger auf den Menschen, wobei dieser lediglich als Zwischenwirt der Plasmodien fungiert. Die einzelligen Parasiten verursachen im Körper hohes, wiederkehrendes Fieber, Schüttelfrost, Magen-Darm-Beschwerden und Krämpfe. Bei schwierigen Krankheitsverläufen, vor allem bei Kleinkindern, drohen Koma und Tod.

Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Infizierten auf weltweit 300 bis 500 Millionen, wobei 90 Prozent der Erkrankten auf dem afrikanischen Kontinent leben. Nach Angaben der WHO sterben jährlich etwa eine Millionen Menschen an den Folgen der Krankheit, zirka die Hälfte davon sind Kinder unter fünf Jahren.

 

Die Malaria schwächt nicht nur die Bewohner, sie schädigt und hemmt auch die wirtschaftliche Entwicklung der betroffener Gebiete. Das hohe Infektionsrisiko verhindert staatliche Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, beispielsweise in Bildungseinrichtungen. Auch Touristen und ausländische Investoren meiden diese Regionen. Die Menschen haben dadurch kaum eine Change auf einen (gut bezahlten) Arbeitsplatz und sie können der Armut nicht entkommen.

 

Maßnahmen gegen die Krankheit

 

In Mitteleuropa kam die Krankheit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Durch die Trockenlegung von Sümpfen bekam man die Mückenplage in den Griff, so dass heute nur noch Reisende die Krankheit als Urlaubsmitbringsel einschleppen.

In Brasilien ist es dagegen gängige Praxis, Regenwaldgebiete unter dem Vorwand des Malaria-Schutzes zu roden und in Weideland umzuwandeln. Die Abholzung des Waldes zerstört nicht nur den Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten und gefährdet das weltweite Klima, sondern erhöht möglicherweise das Malaria-Infektionsrisiko. Eine neue Studie belegt nun aber die Vereinbarkeit von Maßnahmen zum Schutz vor der Tropenkrankheit und zum Erhalt der Biodiversität.

 

 

Foto: wikimedia commons/ A. Zienowicz

Malaria wird ausgegrenzt

 

„Unsere Studie legt die Schlussfolgerung nahe, dass der Erhalt der Biodiversität mit den Maßnahmen gegen Malaria vereinbar ist.“, so der Epidemiologe Gabriel Zorello von der Universität Sao Paulo.

 

Zorello und seine Kollegen untersuchten für ihre Studie ein großes Regenwaldgebiet im südöstlichen Brasilien nahe des Atlantiks. Neben Moskitos und Menschen lebt dort eine Vielzahl warmblütiger Vögel und Säugetiere, wie Tukane, Brüllaffen und Eichhörnchen. Obwohl dort infizierte Anopheles-Mücken durch die Luft surren, wurde in den letzten 30 Jahren keine einzige Malaria-Infektion gemeldet.

Um dieses Phänomen der „Nicht-Infektion“ zu untersuchen, entwickelten die Wissenschaftler ein mathematische Modell, welches sie mit den gewonnen Geländedaten speisten. Auch wenn Sie die Anzahl der Warmblüter und der Insekten vergrößerten, wurde keine erhöhte Infektionsgefahr für Menschen berechnet.

Die Forscher liefern hierfür zwei Erklärungsmöglichkeiten: 1. Die Moskitos stehen unter erhöhtem Konkurrenzdruck, so dass nicht jeder zum Stich kommt. Oder 2. Die hohe Diversität an potentiellen tierischen Blutspendern dazu führt, dass die Stechmücken eher Tierblut trinken und die Parasiten in eine Sackgasse gelangen. Selbst wenn ein infiziertes Tier wieder gestochen wird, gelangt der Erreger nicht mehr in den Körper der Mücke. Der Entwicklungszyklus des Parasiten ist damit unterbrochen.

 

Gabriel Zorello ist sich sicher: „Diese Seite der Biodiversität, die die Weitergabe der Malaria verhindern, ist eine Dienstleistung des Waldökosystems.“ Die Bekämpfung von Malaria als Argument für die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes ist somit hinfällig. Eher ist zu befürchten, dass bei fortschreitender Abholzungen und dem Verschwinden den Tiere des Regenwaldes, der Erreger doch auf die Menschen übertragen wird.

Marta Moreno-Leirana, Wissenschaftlerin im Iquitos Satellite Laboratory in Peru, weist allerdings darauf hin, dass weitere Studien nötig sind, um die Komplexität des Themas zu erfassen. Nötig sei, eine Balance zwischen Erhaltung und Umgestaltung der Biodiversität zu erreichen, so die Forscherin.

 

Welt-Malaria-Tag am 25. April

 

2007 rief die WHO den ersten Welt-Malaria-Tagaus, der nun jährlich am 25. April stattfindet. Dieses Jahr mahnt die WHO kontinuierliche Investitionen zu Profilaxe und Kontrolle von Malaria und nachhaltiges Engagement seitens der Politik an. JET

 

 

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