MSC-Label für delfintödlich gefangenen Thunfisch?

Foto. Pixabay CC/PublicDomain

Das Label des Marine Stewardship Council (MSC) steht für nachhaltigen Fischfang. Doch nun soll die Auszeichnung einer Thunfischerei in Mexiko zugutekommen, bei der der Tod von jährlich mehreren Hundert Delfinen billigend in Kauf genommen wird!

Die <I>Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD)</I> verurteilt diese Entscheidung des <I>MSC</I> aufs Schärfste: "Wie kann eine Fischerei als nachhaltig betrachtet werden, bei der riesige Delfinschulen absichtlich gejagt und mit Netzen eingefangen werden, um den darunter schwimmenden Thunfisch zu fangen? Obwohl die Delfine wieder freigelassen werden müssen, sterben bei der tierquälerischen Prozedur jedes Jahr mehrere Hundert Delfine. Offiziell erlaubt sind sogar mehrere Tausend Delfine im Jahr", kritisiert <I>GRD</I>-Projektleiterin Ulrike Kirsch.

Unterstützt vom Earth Island Institute (EII), der Humane Society of the US und der staatlichen US Marine Mammal Commission hatte der WWF formalen Einwand beim <I>MSC</I> erhoben, der jetzt zurückgewiesen wurde. Die Umweltschützer hatten Beweise vorgelegt, die zeigten, dass für die Beurteilung der Nachhaltigkeit dieser Fischereien bewusst falsche Zahlen über die tatsächlich zu Tode gekommenen Delfine herangezogen wurden.

Mit der Entscheidung werde auch gegen eigene Vorschriften verstoßen, wie Dave Phillips vom EII erklärt: "Gemäß den <I>MSC</I>-Bedingungen für eine Zertifizierung ist es einer zertifizierten Fischerei ausdrücklich verboten, gezielt Meeressäuger zu jagen. Tatsache jedoch ist, dass bei besagter Fischerei gezielt Delfine gejagt werden, und damit hätte eine Zertifizierung von vornherein überhaupt nicht in Erwägung gezogen werden dürfen."

 

<b>Massenvernichtung von Meeressäugern beim Thunfischfang</b>

 

Über 7 Millionen Delfine wurden seit den 1960er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre beim Thunfischfang im Tropischen Ostpazifik getötet. Es ist weltweit das bisher größte Delfinmassaker im Zusammenhang mit einer Fischereimethode. Bis heute haben sich die Delfinpopulationen nicht erholt und mindestens zwei Arten wurden auf kritische Bestandszahlen dezimiert.

"Eine Fischerei als nachhaltig zu zertifizieren, bei der Todesquoten für Delfine vergeben werden, bei der Delfine, mitunter mehrmals täglich von Schnellbooten in die Netze gehetzt und eingefangen werden, bei der Aktion sterben oder verletzt und traumatisiert werden, Delfinmütter von ihrem Nachwuchs getrennt werden, ist zynisch und an Greenwashing kaum zu übertreffen. In jeder Region und jedem Land, in dem Delfine unter Schutz stehen, ist es strengstens verboten, Delfinen hinterherzujagen oder sie in sonstiger Weise in ihrem natürlichen Verhalten zu stören", klagt Ulrike Kirsch an. Gemeinsam mit vielen anderen NGOs forderte die <I>GRD</I> den <I>MSC</I> auf, die Entscheidung zurückzunehmen.

 

<b>SAFE – wichtiger denn je</b>

Mehr denn je zeigt sich, wie wichtig das Internationale Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch SAFE des EII ist, das in Deutschland seit 1991 von der GRD durchgeführt wird.

Unter SAFE ist diese delfintödliche Methode, neben anderen, verboten. Weltweit haben sich bis heute über 95 Prozent der Thunfischfirmen dem Programm angeschlossen und verpflichtet, keine delfintödlichen Fangmethoden anzuwenden beziehungsweise keinen delfintödlich gefangenen Thunfisch zu kaufen oder verkaufen. Dank SAFE bleiben jedes Jahr Hunderttausende Delfine vom grausamen Beifangtod im Netz der Thunfischer verschontWer als Verbraucher sichergehen möchte, dass für seinen Thunfisch keine Delfine gehetzt, gefangen und getötet wurden, der sollte unbedingt auf das Logo SAFE achten!


10.08.2017 11:11
Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.

Ulrike Kirsch

info@delphinschutz.org