Fisch-Siegel MSC fördert das Jagen von Delfinen

Delfine gefangen im Ringwadennetz beim Thunfischfang im tropischen Ostpazifik. Foto: Sam La Budde.

Verbraucherwarnung vor delfintödlich gefangenem Thunfisch aus Mexiko mit MSC-Siegel!   Einst war das Marine Stewardship Council (MSC) angetreten, ein Gegengewicht zur Überfischung der Weltmeere aufzubauen und zur Stabilisierung der Fischbestände beizutragen. Mit dem blauen MSC-Logo sollten die Verbraucher sichergehen können, guten Gewissens nachhaltig gefischte Ware einzukaufen. Doch was ist daraus geworden?

Seit Jahren wird seitens der Lebensmittelindustrie verstärkt Wert auf nachhaltig gefischten Fisch und Meeresfrüchte gelegt. Der Druck ist groß und da schaut man beim MSC offensichtlich nicht mehr so genau hin. Hauptsache die Lebensmittelkonzerne sind zufrieden, können mit ihrem angeblich nachhaltigen Umweltengagement werben.

 

Wissenschaftler des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung stellten fest, dass MSC-zertifizierte Fischereien die Bestände stärker befischen als ökonomisch sinnvoll und ökologisch vertretbar wäre. Teilweise wurde der vom MSC erlaubte Fang um bis zu 50 Prozent überschritten. Selbst Muscheln, die im UNESCO-Weltkulturerbe Nationalpark Wattenmeer gefischt wurden, dürfen das MSC-Logo tragen.

 

Der letzte Rest an Glaubwürdigkeit wurde nun mit der Anerkennung mexikanischer Fischereien, die beim Thunfischfang im tropischen Ostpazifik (ETP) Delfine mit Netzen einkreisen, sie dabei verletzen und töten, verspielt. Offiziell dürfen von den im ETP operierenden Fangbooten jedes Jahr 5 000 Delfine getötet werden.

 

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. (GRD) verurteilt die jüngste Zertifizierung des MSC aufs Schärfste: "Wie kann eine Fangmethode als nachhaltig betrachtet werden, bei der riesige Delfinschulen gezielt gejagt und mit Netzen eingekesselt werden, um den darunter schwimmenden Thunfisch zu fangen? Obwohl die Delfine wieder freigelassen werden müssen, sterben bei der tierquälerischen Prozedur jedes Jahr mehrere Hundert. Offiziell erlaubt sind sogar mehrere Tausend Delfine im Jahr", erklärt GRD-Projektleiterin Ulrike Kirsch.

 

Unterstützt vom Earth Island Institute (EII), der Humane Society of the US und der staatlichen US Marine Mammal Commission hatte der WWF formalen Einwand beim MSC erhoben, der jetzt aber zurückgewiesen wurde. Die Umweltschützer hatten Beweise vorgelegt, die zeigten, dass für die Beurteilung der Nachhaltigkeit dieser Fischereien bewusst falsche Zahlen über die tatsächlich getöteten Delfine herangezogen wurden.

 

Delfintödliche Fangmethode

Mit der Entscheidung werde auch gegen eigene Vorschriften verstoßen, wie Dave Phillips vom EII erklärt: "Gemäß den MSC-Bedingungen für eine Zertifizierung ist es einer zertifizierten Fischerei ausdrücklich verboten, gezielt Meeressäuger zu jagen. Tatsache jedoch ist, dass bei besagter Fischerei gezielt Delfine gejagt werden, und damit hätte eine Zertifizierung von vornherein überhaupt nicht in Erwägung gezogen werden dürfen."

 

Über 7 Millionen Delfine wurden seit den 1960er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre mit der delfintödlichen Fangmethode im Tropischen Ostpazifik getötet. Es ist weltweit das bisher größte Delfinmassaker bei einer Fischereimethode. Die Delfinbestände haben sich bis heute nicht erholt und mindestens zwei Delfinarten wurden auf kritische Bestandszahlen dezimiert.

 

"Eine Fischerei als nachhaltig zu zertifizieren, bei der Todesquoten für Delfine vergeben werden ist zynisch und an Greenwashing kaum zu übertreffen. In jeder Region und jedem Land, in dem Delfine unter Schutz stehen, ist es strengstens verboten, Delfinen hinterherzujagen oder sie in sonstiger Weise in ihrem natürlichen Verhalten zu stören", kritisiert Ulrike Kirsch.

Gemeinsam mit vielen anderen NGOs forderte die GRD den MSC auf, die Entscheidung zurückzunehmen.

 

SAFE - wichtiger denn je

Mehr denn je zeigt sich, wie wichtig das Internationale Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch SAFE des EII ist, das in Deutschland seit 1991 von der GRD durchgeführt wird. Unter SAFE ist diese delfintödliche Methode, neben anderen, verboten. Weltweit haben sich bis heute über 95% der Thunfischfirmen dem Programm angeschlossen und verpflichtet, keine delfintödlichen Fangmethoden anzuwenden beziehungsweise nicht mit delfintödlichem Thunfisch zu handeln und regelmäßige Kontrollen durch EII und GRD zuzulassen. Dank SAFE bleiben jedes Jahr Hunderttausende Delfine vom grausamen Beifangtod im Netz der Thunfischer verschont.

 

Wer als Verbraucher sichergehen will, dass beim Fang des Thunfischs keine delfintödlichen Methoden zum Einsatz kamen, der sollte unbedingt auf das Logo SAFE achten. Dass es auch anders geht, zeigt das Fischlabel Friend of the Sea, bei dem SAFE eine Voraussetzung für die Zertifizierung ist.

 


28.09.2017 15:44
Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.

Ulrike Kirsch

info@delphinschutz.org