Glyphosat reduziert Regenwürmer dramatisch

Foto: Dodo-Bird/flickr (CC BY 2.0)

Unkrautvernichtungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat reduzieren die Aktivität und Reproduktion von Regenwürmern und führen zu erhöhten Nitrat- und Phosphatwerten im Boden. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie die WissenschafterInnen der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) jetzt in „Scientific Reports“ der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht haben.

 

Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat werden weltweit am häufigsten verwendet und das nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch von vielen Hobbygärtnern. Sie stören die Stoffwechselprozesse, die nur in Pflanzen vorkommen und galten daher lange als unbedenklich für alle nichtpflanzlichen Organismen.

 

„Im Gegensatz zu anderen Studien, die die Wirkung von Herbiziden auf Nicht-Zielorganismen im Labor in Petrischalen untersucht haben, versuchten wir im Gewächshaus in sog. Mesokosmen die Voraussetzungen im Feld einigermaßen realistisch nachzubilden", erklärt Mailin Gaupp-Berghausen, eine der BOKU-StudienautorInnen. "Das verwendete Unkrautvernichtungsmittel mit dem Hauptwirkstoff Glyphosat hatte in der vorgeschriebenen Dosis die Aktivität von tiefgrabenden Regenwürmern dramatisch reduziert, horizontalbohrende Regenwürmer brachten nur mehr halb so viele Nachkommen zur Welt als unter Nicht-Herbizid Bedingungen.“

 

Auch Nährstoffkreisläufe sind betroffen

 

Foto: Wikikedia / PD-USGOV-USDA

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass nach dem Herbizideinsatz die Menge an pflanzenverfügbaren Nitrat und Phosphat im Boden stark erhöht war. Dies könnte bei einer durch den Klimawandel bedingten Zunahme an Starkregenereignissen zu einer Kontamination benachbarter Gewässer oder des Grundwassers führen.

 

„Wir erklären uns diesen Befund mit dem Wegfall des Pflanzenbewuchses nach der Herbizidbehandlung. Nährstoffe, die normalerweise von Pflanzen aufgenommen werden sind plötzlich ungenutzt im Boden und laufen Gefahr ausgewaschen zu werden“, so Boris Rewald, Privatdozent für Botanik am Institut für Waldökologie der BOKU.

 

Unsicherheit bei KonsumentInnen und LandwirtInnen

 

Die Berichte über negative Effekte von Pestiziden auf Mensch und Umwelt haben den Zweifel am Nutzen im Verhältnis zu den Kosten für Gesundheit und Umwelt wachsen lassen. In Europa haben sich einige Kommunen bereits dazu entschlossen, auf Glyphosatanwendungen zu verzichten. Johann Zaller, Ökologe am Institut für Zoologie und Studienleiter stellt fest, „Diese gravierenden Auswirkungen haben uns sehr überrascht und man fragt sich, wieso derartige Untersuchungen nicht im Zuge der Registrierung der Pestizide durchgeführt werden müssen. Wir müssen auch immer Bedenken, dass diese Befunde nur für einen Wirkstoff gelten, während im Normalfall Dutzende unterschiedliche Pestizidprodukte (Insektizide, Fungizide etc.) verwendet werden. Über die Nebenwirkung dieser Pestizid-Cocktails ist so gut wir gar nichts bekannt.“

 

Eine kritische Sensibilisierung gegenüber Herbiziden ist außerhalb Mitteleuropas leider noch nicht festzustellen. In vielen anderen Ländern ist, unterstützt der von der Agroindustrie, der großflächige Einsatz von Totalherbiziden nach wie vor an der Tagesordnung und verzeichnet enorme Zuwächse. Dort kämpfen die Menschen gegen Vergiftungen, Krebs, Fehlgeburten, Behinderungen und sogar Todfälle.


hjo

 

Der Studie zum freien Download: www.nature.com/articles/srep12886

 

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