Kaum natürliche Waldentwicklung in Deutschland

Nutzwald auf dem Fichtelberg in Sachsen, Foto: wikimedia commons/ Harke

Keine wirtschaftliche Nutzung, kein Einsatz von Maschinen: Fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland soll sich bis 2020 natürlich entwickeln dürfen. Dieses Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung wird verfehlt. Denn bis jetzt beträgt die ungenutzte Waldfläche in Deutschland nur 1,9 Prozent. In Zahlen sind das 213.145 Hektar Wald, der sich nach den Gesetzen der Natur entwickeln darf. Bis 2020 diagnostizieren Forscher zwar einen Anstieg auf 2,3 und auf lange Sicht eine Stabilisation bei drei Prozent, der angestrebte Wert wird jedoch nicht erreicht.

 

Die neuen Zahlen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) ermöglichen nun eine sachlichere Diskussion. Bislang gab es nämlich keine bundesweiten Daten über bereits bestehende Flächen mit natürlicher Waldentwicklung. BfN-Präsidentin Beate Jessel erklärt: „Wälder ohne forstliche Nutzung sind fester Bestandteil einer multifunktionalen Forstwirtschaft. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern und erbringen darüber hinaus zahlreiche ökologische Leistungen. Die vorliegenden Ergebnisse tragen zur Versachlichung der oftmals kontroversen Diskussion um den Nutzungsverzicht im Wald bei und helfen, auf solider Grundlage die weiteren notwendigen Schritte zur Umsetzung des 5-Prozent-Ziels zu planen.“

 

 

Erstbrunner (Nutz-)Wald in Österreich, Foto: wikimedia commons/ Hr43

Natürliche Waldentwicklung

 

Unter „Wald mit natürlicher Entwicklung“ verstehen Forstwissenschaftler einen Baumbestand, der sich ohne eine direkte Einflussnahme des Menschen entwickeln darf. Das heißt, die Fläche wir forstwirtschaftlich nicht mehr genutzt, es werden keine Pflegemaßnahmen durchgeführt und keine Bäume mehr geschlagen. In Zukunft sollen in den Beständen, die dem mindestens 0,3 Hektar umfassen müssen, natürliche Prozesse ungestört ablaufen und somit Sukzession möglich sein.

 

Gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten profitieren von Waldbeständen, die von menschlichen Eingriffen verschont bleiben. Vor allem Totholz-Bewohner kommen hier auf ihre Kosten, da unsere Wirtschaftswälder zu „aufgeräumt“ sind und ihnen kaum Lebensraum bieten. Außerdem dienen die „Urwaldinseln“ scheuen Tieren als Rückzugsort, wo sie sich ungestört aufhalten können.

 

 

JET

 

 

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