Klimawandel: Andere Arten in Bächen und Flüssen

Foto: BIK-F/Haase

Der Klimawandel hebt nicht nur den Meeresspiegel – auch Bäche und Flüsse in Europa verändern ihre Artenvielfalt: „Sie geht stärker zurück als in den Meeren oder an Land”, sagt Sami Domisch, Wissenschaftler am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) des Frankfurter Senkenberg-Instituts in einer neuen Studie.

„Wir haben untersucht“, sagt der Wissenschaftler, „inwieweit die potentiellen Verbreitungsgebiete der Tiere durch den Klimawandel beeinflusst werden könnten.” Denn Flüsse und Bäche seien besonders empfindlich gegenüber klimabedingten Veränderungen. Die Frankfurter Forscher nahmen 191 europäische Makrozoobenthos-Arten unter die Lupe. Das sind mit bloßem Auge erkennbare Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Würmer-, Muschel- und Krebstierarten, die in unseren Bächen und Flüssen leben. Sie wollten anhand verschiedener Szenarien untersuchen, wie weit sich die Arten in den kommenden Jahrzehnten nach Norden verschieben.

 

Fast 60 Prozent der Arten geht Lebensraum verloren

 

„Unsere Studie beurteilt erstmals mit Hilfe einer Kombination verschiedener statistischer Modelle die klimatische Anfälligkeit eines breiten Spektrums wirbelloser Tiere im Süßwasser”, erläutert BiK-F-Wissenschaftlerin Sonja Jähnig. Sie ist Co-Autorin der Studie.

Das Ergebnis ist beruhigen: Die Modellierungen ergaben, dass trotz des Klimawandels auch im Jahr 2080 noch für 99 Prozent der untersuchten Arten geeignete klimatische Bedingungen in Europas Fließgewässern existieren. „Für das Überleben der einzelnen Arten wird jedoch entscheidend sein, wie groß die verbleibenden Lebensräume wirklich sind und ob die Arten diese erreichen können“, ordnen die Wissenschaftler das Ergebnis ein. Sie stellten nämlich fest: „Je nach Szenario verringert sich für bis zu 59 Prozent der untersuchten Arten der potentielle Lebensraum.“

„Sie können nicht einfach in ein geeignetes Gebiet ‚umziehen‘, da oft keines für sie erreichbar ist“, erklärt Domisch die Zwangssituation für manche Arten. Nach den Berechnungen der Forscher wird sich der mögliche Lebensraum für die in den Gewässern Südeuropas heimischen Arten „bis zu 83 Prozent verringern“, schreiben sie über ihre Studie. „Je nach Klimaszenario können für diese Arten die Verluste an Lebensraum im Schnitt 28 bis 46 Prozent betragen.“

Gewinner des Klimawandels – das ergab die Studie – können die an höhere Temperaturen gut angepassten Arten sein. Ihr potentielles Verbreitungsgebiet vergrößert sich. „Unsere Studie zeigt, dass wir noch viel mehr wissen müssen, um die Konsequenzen des Klimawandels für ökologische Funktionen und für die Artenvielfalt besser abschätzen zu können”

 

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