Kunststoffsee statt Bodensee

"Alle meine Entchen...Am Bodensee" Foto:Gerhard Metzger pixelio.de

Erhöhte Mikroplastikbelastung im Bodensee festgestellt: Wissenschaftler der ETH Lausanne haben im Auftrag des Schweizer Bundesamts für Umwelt (BAFU) sechs Schweizer Seen auf das Vorkommen von Mikroplastik untersucht. Dabei handelt es sich um Kunststoff-Kleinstteilchen. Die Verschmutzung der Meere mit großen Mengen dieses Mülls ist seit Jahren bekannt. Hierzu gibt es bereits zahlreiche Untersuchungen. Zur Belastung der Süßwassergewässer liegen bis heute kaum Angaben vor.

Daher begannen Umweltbehörden vor einigen Jahren auch diese zu untersuchen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigen eine Belastung aller untersuchten Gewässer mit den kleinen Kunststoff-Partikeln. Die höchste Belastung ist im Bodensee zu finden.

 

Wie Mikroplastik in die Gewässer gelangt

 

Im Zeitraum von Juni bis November 2013 entnahmen Mitarbeiter der Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) aus sechs Schweizer Seen (Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Lago Maggiore, Zürichsee und Brienzersee) und der Rhone Proben, die sie anschließend untersuchten. Die Wissenschaftler fanden in fast allen Proben Mikroplastik. Dass die Proben aus dem Bodensee eine deutlich höhere Belastung aufweisen als der Durchschnitt der Schweizer Seen, hängt einerseits mit dessen Einzugsgebiet zusammen. Andererseits damit, wohin die Schweizer ihre geklärten Abwässer aus den Kläranlagen entwässern. Sie fließen rund um St. Gallen in den Bodensee. Die Bevölkerungsdichte im Einzugsgebiet hatte keinen Einfluss auf das Ausmaß der Belastung.

 

 

"Kleine Enten im Müll" Foto: Fabio Sommaruga pixelio.de

Der größte Anteil (60 Prozent) an Kleinstteilchen aus den Wasser- und Strandproben stammt von typischen Verpackungs-Kunststoffen. Rund 10 Prozent der Partikel bestanden aus Schaumstoffen von Isolationsmaterialien. Auch Folien und Fasern gehören zu den häufig gefundenen Kleinstteilchen. In den Sandproben waren 50 Prozent der Partikel Schaumstoffe. Die Wissenschaftler fanden auch den Kunststoff Celluloseacetat, der zur Zigaretten-Filterherstellung dient. Industriell hergestelltes Mikroplastik, wie beispielsweise die in Pflegeprodukten verwendeten Polyethylen (PE)-Kügelchen, machte nur einen verschwindend kleinen Anteil des gesamten Mikroplastiks aus. Kläranlagen bauen die Kunststoffe nicht ab. Es gelangt somit (wieder) in Seen, Flüsse und auch auf diesem Wege ins Meer.

 

Auswirkungen und Abhilfe

 

Bei den jetzigen Untersuchungen handelt es sich um erste Bestandsaufnahmen. Damit versuchen die Wissenschaftler, mögliche Auswirkungen aufzuzeigen. Die Gefahr, dass Mikroplastik via Grund- oder Seewasser ins Trinkwasser gelangt, stufen sie als gering ein, da die Teilchen durch Filtration bei der Trinkwasseraufbereitung aus dem Wasser entfernt werden. Aus heutiger Sicht sieht das BAFU daher kein gesundheitliches Risiko für den Menschen.

Die Rhone transportiert jeden Tag geschätzte 10 Kilogramm Mikroplastik durch den Fluss nach Frankreich, welche zur Meeresverschmutzung beitragen können.

„Die Schadstoffmenge, die aus dem Mikroplastik in die Gewässer abgegeben wird, dürfte insgesamt relativ gering sein. Dennoch ist die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik unerwünscht, denn Kunststoffe werden in den Gewässern nur sehr langsam abgebaut“, sagt Manuel Kunz vom BAFU. „Die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik tangiert das geltende Verunreinigungsverbot der Gewässer. Es sind Maßnahmen an der Quelle nötig, um die Belastung der Umwelt mit Kunststoff zu verringern.“


cdc

 

 

 

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