Reptilien beim Artenschutz vernachlässigt

 

Krokodile und Schlangen werden beim Artenschutz links liegengelassen. Während für den knuffigen Panda oder den anmutigen Tiger zahlreiche Hilfsprojekte existieren, kräht kein Hahn nach Schutzprogrammen für bedrohte Reptilienarten. Das ist ungerecht! Hat diese Tiergruppe denn keinen Anspruch auf Schutz, bloß weil sie nicht so „süß“ sind, wie Panda & Co?

 

Foto: Wikipedia Commons/Tetris L

Die Artenschutzkommission IUCN und Forscher der Zoologischen Gesellschaft London wollen den vernachlässigten Tieren mehr Beachtung verschaffen. Eine Studie dieser beiden ergab, dass viele Reptilien stark gefährdet sind. Um diese Arten zu erhalten, sind sofortige Schutzmaßnahmen nötig! Insgesamt sind 19 Prozent dieser seit Urzeiten unseren Planeten bewohnenden Tiergruppe vom Aussterben bedroht. 12 Prozent davon sind stark gefährdet, das heißt, es besteht ein extrem hohes Risiko, dass die Art in unmittelbarer Zukunft aussterben wird, wenn keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

 

Umweltzerstörung führt zum Verlust des Lebensraumes

 

Die Mehrheit hält Reptilien wohl für zäh und hart im Nehmen, weil sie auch lebensfeindliche Gebiete wie Wüsten besiedeln. Doch dem ist nicht so. Reptilien haben sich im Laufe der Evolution sehr stark an ihren jeweiligen Lebensraum angepasst. Selbst auf geringfügige Veränderungen ihrer Umwelt reagieren sie höchst sensibel. Durch menschliche Umtriebe wurde schon so manche Spezies vernichtet. 74 Prozent der Landreptilien sind allein durch die Landwirtschaft bedroht und weitere 64 Prozent durch Abholzung und anderweitige Eingriffe in den Naturhaushalt. Indem der Mensch die Landschaft mit Städten und Straßen zupflastert, Flüsse anstaut und Wälder niederbrennt, lässt er den Tieren kaum noch Platz zum Leben. Für im Wasser lebende Reptilien ist die größte Bedrohung die gezielte Bejagung einzelner Spezies. Man denke nur an die zahlreichen Krokodile, die umgebracht werden, damit aus ihrer Haut Handtaschen hergestellt werden können. Oder an Schildkröten, die in manchen Ländern als Delikatesse gelten und deswegen im Suppentopf landen. Über die Hälfte der friedlichen Wasserlebewesen stehen auf der Roten Liste.

 

Foto: Wikipedia Commons/Brocken Inaglory

 

Der Erhaltungsstatus der meisten Reptilienarten ist unklar

 

Foto: Wikipedia Commons/Tamar Assaf

Bei nur 35 Prozent der bis jetzt beschriebenen Reptilienarten ist der Erhaltungszustand bekannt. Über den größten Teil herrscht also völlige Ungewissheit, ob er vom Aussterben bedroht ist, oder vielleicht sogar bereits ausgestorben ist. Die Studie des IUCN und des Zoologischen Institutes brachte aber schon etwas mehr Licht ins Dunkel: Bei immerhin 1500 der 9084 bekannten Reptilienarten wurden der Bedrohungs-Status ermittelt. Nur wenn bekannt ist, wie es um eine Art steht und wodurch sie bedroht ist, können geeignete Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Deswegen ist es wichtig, die Bestände genau zu erfassen. „Die Ergebnisse der Studie sind die Voraussetzung dafür, dass die Bedürfnisse der Reptilien in den nächsten Artenschutzregelungen berücksichtigt werden, so zum Beispiel bei der Einrichtung eines Schutzgebietes“, so Dr. Monika Böhm, die Leiterin der Studie. „Weil der Verlust ihres angestammten Habitats die größte Bedrohung für Reptilien darstellt, ist es entscheidend, dass sowohl der Schutz, als auch die Renaturierung bereits zerstörter Lebensräume vorangetrieben werden.“

 

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