Studie belegt: Wolf ist ein Wende-Gewinner

Braunbär Foto: Wikimedia CC 3.0/High Contrast

Wohl und Wehe wilder Tiere hängt – auch – von politischen Umwälzungen ab: Das belegt die Forschung von Wissenschaftler aus Deutschland, Russland und den USA. Sie analysierte in ihrer Studie Rapid declines of large mammal populations after the collapse of the Soviet Union wie sich Wildtierpopulationen nach dem Ende des Ostblocks veränderten. Klares Ergebnis: Der Wolf hat vom Zusammenbruch des Sowjetsystems profitiert.

Die Wissenschaftler konnten für Ihre Auswertungen auf hervorragende Daten bauen. „In der Sowjetunion wurde der Wildtierbestand jeden Winter anhand von Spuren im Schnee entlang von über 50 000 festgelegten Routen großflächig erhoben und dokumentiert“, erklärt Biogeograf Tobias Kümmerle von der Berliner Humboldt-Universität. „Auch aus den Jahren nach dem Ende der UdSSR lagen uns Erhebungen vor, da das Monitoring-System weiter Bestand hatte. Dies ist ein wirklich einzigartiger Datensatz, der es uns erlaubte, die Situation vor und nach der Wende zu vergleichen.“

 

Ende der Sowjetunion: Bären und Wildschweine arg dezimiert

 

Die Wissenschaftler werteten die Spuren aus dem Zeitraum zwischen 1981 bis 2010 von Braunbär, Elch, Luchs, Reh, Rothirsch, Rentier sowie Wildschwein und Wolf aus. Ergebnis: „Die politische Umwälzung hat sich auf diesen Großwildbestand ausgewirkt: Obwohl die Populationen in den 1980er Jahren noch gewachsen waren, ist der Bestand von sieben der acht untersuchten Arten mit dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1991 unmittelbar zurückgegangen.“

Die Braunbärenbestände sanken bis Mitte der 1990er-Jahre um über 20 Prozent. Wildschweine gab es nur noch die Hälfte.

Die Erklärung: „Da die 1990er-Jahre in Russland von zunehmender Armut, wenig staatlicher Kontrolle und Einschnitten in den Ausgaben für den Naturschutz gekennzeichnet waren, gehen wir davon aus, dass Überjagung und auch Wilderei unsere Ergebnisse erklären“, begründet Kümmerle die Zahlen.

Eine Ausnahme allerdings gab es auch: den Wolf. Seine Population kletterte um 150 Prozent. „Wölfe wurden während der Sowjetzeit verfolgt, ihre Bejagung und die dazugehörige Prämie nach 1991 aber eingestellt. Die Population konnte sich daher trotz politischer und sozioökonomischer Umwälzungen erholen. Der Wolf kann in diesem Kontext als der Gewinner der Wende bezeichnet werden.“

 

Landflucht wirkt sich positiv auf Wildtierbestand aus

 

 

Woldspur oto: Wikimedia CC 3.0/Paxon Woelber

Nach dem Jahr 2000 registrieren die Wissenschaftler für fast alle untersuchten Wildtierarten eine Erholung der Bestände. „In vielen Fällen auf oder über das Niveau der 1980er Jahre“, ziehen sie ein Fazit. Nur die Population des Luchses erholte sich nicht.

„Die politische Wende führte auch zu der großflächigen Stilllegung von Acker- sowie Weideflächen und ein Großteil der Landbevölkerung zog in die Städte. Wir nehmen an, dass dies zum Vorteil für die Wildtierarten wurde, da mehr Habitat und weniger Konflikte mit Landbevölkerungen in vielen Teilen Russlands die Folge waren“, erklärt Maria Piquer-Rodriguez vom Geographischen Institut der HU. Zudem sei eine stabilere ökonomische Situation Russlands ebenfalls für diesen Trend verantwortlich.

„Unsere Studie zeigt die drastischen Auswirkungen, die politische Umwälzungen auf den Tierbestand haben können, und unterstreicht, dass spezielle Schutzbestimmungen in Zeiten des Umbruchs mitgedacht werden sollten“, fasst Tobias Kümmerle zusammen.


red

 

 

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