Tierschutz: 10 Jahren im Grundgesetz verankert

Foto: photocase/erschaffen

Zehn Jahre Tierschutzgesetz in Deutschland und noch immer zu viel Antibiotika im Stall: Anlässlich der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz am 26. Juli 2002 kritisiert BUND-Chef Hubert Weiger jetzt Agrarministerin Ilse Aigner: „Die Verabreichung von jährlich rund 1.000 Tonnen Antibiotika an Nutztiere führt dazu, dass sich zunehmend bei Tieren und Menschen Resistenzen herausbilden und gängige Antibiotika im Krankheitsfall keine Wirkung mehr haben.“ Sein Verband fordert daher die Einschränkung von Tierarzneimitteln.

Die von Ministerin Aigner vorgeschlagene Meldepflicht für Antibiotika-Verschreibungen sei nach Ansicht des BUND zwar „ein Schritt in die richtige Richtung“. Ohne klare Reduktionsziele könnten industrielle Mastanlagenbetreiber im kommenden Jahr jedoch den Antibiotika-Einsatz sogar noch steigern. Hinzu komme, dass Zuchtanlagen und Fischfarmen von der Neuregelung ganz ausgenommen werden sollten. „Mit ihrem derzeitigen Gesetzentwurf wird Agrarministerin Aigner den Missbrauch von Tierarzneimitteln nicht abstellen können“, sagt Weiger.

Die Umweltschützer kritisieren das im Supermarkt billig angebotene Hühner- oder Schweinefleisch. Es täusche über die „Kollateralschäden der industriellen Tierhaltung“ hinweg, so der BUND-Vorsitzende. Zehn Jahre nach Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz sei es höchste Zeit, die Ursachen des horrenden Antibiotika-Einsatzes zu bekämpfen, die vor allem in den inakzeptablen Haltungsbedingungen der Tiere lägen.

„Ministerin Aigner will mit Placebos Symptome bekämpfen“, sagt Weiger. „Stattdessen sollte sie endlich die Standards in der Tierhaltung deutlich verbessern und die Subventionen für nicht artgerechte Massenställe streichen.“ Auf die Tagesordnung von Parlament und Regierung gehöre außerdem ein verbindlicher Plan zur Halbierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung bis 2015.

 

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