Traditionelle Waldnutzung wirkt sich positiv auf Artenvielfalt aus

 

Bereits in der Vergangenheit haben die Menschen Wälder intensiv genutzt. Die Nutzungsweise unterschied sich jedoch ziemlich von der heutigen: Damals fungierte der Wald primär als Viehweide. Reine Grasweiden, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht. Auch als Energiequelle war der Wald von Bedeutung: Um Brennholz zu gewinnen, schnitten die Menschen einzelne Bäume immer wieder zurück. Durch diese Nutzung entstanden sogenannte „Mittelwälder“ – das sind Laubwälder in denen Bäume in allen Wachstumsstadien vorkommen. Noch im 17. und 18. Jahrhundert waren Mittelwälder der häufigste Waldtyp in Mitteleuropa. Eine charakteristische Bewirtschaftungsmethode dieser Wälder war der Stockschnitt. Dabei wurden ausgewählte Bäume in einem Zyklus von 30 bis 40 Jahren bis auf einen Stumpf zurückgeschnitten, aus dem dann neue Triebe wuchsen.

 

Foto: Cornelia Müller

 

Zahl der Schmetterlinge steigt durch Auslichtung der Wälder

 

Foto: Wikipedia Commons/Ulli1105

Landschaftsökologen der Universität Münster haben nun in einem so genutzten Mittelwald, dem Hardtwald im Elsass im Nordosten Frankreichs, eine Studie zur Artenvielfalt durchgeführt. Das Ergebnis: "Durch eine geeignete Form der Bewirtschaftung lässt sich die Artenvielfalt im Wald erhöhen", so der Erstautor der Studie, Dr. Thomas Fartmann. Als Zeigerobjekte dienten den Forschern Waldschmetterlinge. Diese gehören zu den am stärksten gefährdeten Schmetterlingsarten in Europa. Ihr bevorzugter Lebensraum sind eben diese durch den Menschen aufgelichteten Mittelwälder. Unterschiedliche Arten bevorzugen dabei verschiedene Stadien des Waldwachstums. Auf den zahlreichen sonnigen Lichtungen finden die Schmetterlinge zahlreiche Nektarpflanzen, sowie Gräser und Kräuter, die als Futter für ihre Raupen dienen. Im Untersuchungsgebiet fanden die Landschaftsökologen 36 Schmetterlingsarten, darunter 13 bedrohte. Ein deutliches Zeichen dafür, dass diese traditionelle Bewirtschaftungsform die Artenvielfalt erhöht! Es liegt nämlich nahe, dass sich auch andere Insektenarten mit ähnlichen Standortansprüchen in Mittelwäldern besonders wohl fühlen.

 

 

In Deutschland überwiegt artenarmer Hochwald

 

Foto: Flickr/wgutt

Bei uns findet man artenreiche Mittelwälder nur noch selten: Weniger als ein Prozent betragen ihre Fläche. Der überwiegende Teil in Mitteleuropa ist Hochwald. Dieser besteht hauptsächlich aus älteren, dicht stehenden Bäumen, die kaum Sonnenlicht auf den Waldboden lassen. Weil in der Industrie zur Gewinnung von hochwertigem Nutzholz nur hohe und gerade Stämme benötigt werden, nutzt man den Wald in jüngeren Stadien nicht mehr. Keine optimalen Bedingungen für Waldschmetterlinge also, deswegen gibt es in Hochwäldern auch nur sehr wenige Arten. Thomas Fartmann sieht in der traditionellen Nutzungsweiße noch mehr Vorteile: „Zur Energieholzgewinnung wäre der verstärkte Einsatz von Stockschnitt nach historischem Vorbild und die Wiederherstellung von Mittelwäldern auch ökonomisch eine lohnenswerte Alternative, besonders vor dem Hintergrund der Debatte um die Gewinnung regenerativer Rohstoffe." Unsre Artenvielfalt würde jedenfalls sehr davon profitieren, wenn wieder mehr Wald traditionell genutzt wird.

 

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