Abfall in hochwertige Produkte wandeln

Dr. Rüdiger Fox Foto. Sympatex Technologies

Outdoor-Kleidung aus recyceltem Kunststoff. Über diesen Trend in der Modebranche sprach global° mit Geschäftsführer Rüdiger Fox von Sympatex Technologies. Ökologische Herstellbilanz nennt er dabei wichtig für die Herstellung nicht nur von Textilien.

 

Sie produzieren Fasern aus Recycling-PET-Kunststoff: Wäre es nicht nachhaltiger, weniger Kunststoffe in Umlauf zu bringen?

Dr. Rüdiger Fox: Nun, sicherlich sind in allen gesellschaftlichen Bereichen Idealzustände vorstellbar, die deutlich wünschenswerter sind als unsere heutige Realität. Allerdings ist unser Ansatz nicht akademisch, sondern wir versuchen uns schlicht die Frage zu stellen, wie wir so schnell wie möglich Veränderungen erzielen können, die diesen Planeten auch noch für die kommenden Generationen bewohnbar machen, selbst wenn sich das Konsumentenverhalten der aktuell 7,5 Milliarden Menschen weltweit nur langsam ändert.

 

Sie blicken also in die Zukunft?

Wir schauen zunächst auf den Ist-Zustand und suchen dort Wege, wie wir mit bereits vorhandener Technologie die Konsequenzen des wirtschaftlichen Handelns minimieren können. Dies wird dabei helfen Zeit zu gewinnen, um in einem zweiten Schritt in einen gesamtgesellschaftlichen Dialog einzusteigen. Denn es ist der Wille und die Bereitschaft aller an der Wirtschaft beteiligten notwendig, um solche fundamentalen Trendwenden zu initiieren.

 

Ist Ihre Produktion - die Kunststoffe zu Kleidung "recycelt" - nicht Ausrede für die Kunststoffindustrie, ihr Handeln einfach fortzusetzen?

Wie so oft springt die Diskussion zu kurz, wenn man einseitig in der Industrie die Schuldigen für ökologische oder soziale Schäden sucht - auch wenn hier häufig eine wesentliche Quelle liegt. Grundsätzlich haben wir der Kunststoffindustrie ganz wesentliche gesellschaftliche Errungenschaften zu verdanken, auf die die wenigsten heute verzichten möchten. Auch in der Bekleidungsindustrie gilt dies - und nicht nur funktional, sondern auch ökologisch...

 

Was zum Beispiel?

Wenn man beispielsweise den extrem hohen Wasserverbrauch von Baumwolle dem von Kunststofffasern gegenüberstellt. Insofern halte ich es für falsch, wegen bisher ungelöster Fragen ganze Industrien zu verdammen, denn dann würde sich - biblisch gesprochen - am Ende kaum jemand finden lassen, der den ersten Stein werfen dürfte.

 

Was also empfehlen Sie?

Wir müssen stattdessen kurzfristig die Strickfehler beseitigen, die in der Regel darin liegen, dass wir in unserem Wirtschaftssystem grundsätzlich die Schäden an den "Commons", den lebensnotwendigen Dingen, die allen Menschen gemeinsam gehören, nicht an die Verursacher weiter berechnen. Unser Ansatz ist es, hierfür die Verantwortung proaktiv freiwillig zu übernehmen, bis entsprechende Korrektive weltweit eingeführt sind. Dass dieses Stadium der Vernunft noch eine Weile dauern wird, hat man schon allein an der Kündigung des Klimaabkommens durch Donald Trump gesehen - und soviel Zeit haben wir nicht.

 

Sind die Fasern und damit die Stoffe wirklich so hochwertig wie Neuprodukte (bei Baumwolle nimmt die Qualität mit kürzerer Faserlänge ab)?

Kunststoffrecycling ist heute technologisch so weit entwickelt, dass dies ohne irgendwelche Einschränkungen gegenüber Neuprodukten möglich ist - durchaus auch ein Vorteil gegenüber Naturfasern. Es ist sogar so, dass es im Endprodukt eigentlich nicht mehr möglich ist zu unterscheiden, ob es aus recyceltem Material oder aus Neumaterial hergestellt wurde. Dies stellen wir aktuell durch einen höheren Überwachungsaufwand sicher - in Zukunft erwarten wir allerdings, dass die Wiederverwertung zu günstigeren Gesamtkosten führt und daher die Lieferanten dies freiwillig bevorzugen.

 

Welche Konsquenz hätte das?

Dann wird aus einer scheinbar neuen technologischen Weichenstellung ein Megatrend. Angesichts der bereits bestehenden technischen Möglichkeiten ist dies aus unserer Sicht allerdings nur noch eine Frage von maximal 1 bis 2 Jahren.

 

 

 

 

Wäre es nicht nachhaltiger, weniger - aber dafür langlebigere - Produkte herzustellen und die Konsumenten damit zum Umdenken beim stetigen Modewechsel zu bewegen?

Nun, die Frage mag vordergründig überzeugend klingen...

 

Aber?

...sie geht allerdings an der Realität vorbei.

 

Warum?

Wir stellen seit 30 Jahren gemeinsam mit unseren Kunden Bekleidung her, die auf extreme Klimabedingungen, aber eben auch auf hohe Langlebigkeit ausgelegt ist. Insofern haben wir bei diesem Punkt noch nie Kompromisse gemacht. Jedoch müssen wir feststellen, dass ein Großteil der Millionen Tonnen an Bekleidung, die jedes Jahr entsorgt werden, aus modischen Gründen vom Endverbraucher ersetzt werden - nicht, weil sie defekt sind. Dies sieht man allein daran, dass etwa die Hälfte der gesammelten Altkleider in Deutschland wieder von anderen Personen weitergetragen werden. Insofern ist für uns Langlebigkeit eine Selbstverständlichkeit - sie löst allerdings nicht das Problem.

 

Und was bedeutet das für Sie?

Selbst ein langlebiges Bekleidungsstück verbraucht bei seiner Herstellung Rohstoffe - und muss eines Tages entsorgt werden. Daher ist es fundamental wichtig, auch auf die ökologische Herstellbilanz zu schauen - und auch zu vermeiden, dass am Ende des Lebenszyklus' Sondermüll verbleibt, der nicht wieder verwendbar ist und nur unter kontrollierten Umständen überhaupt thermisch entsorgt werden kann.

Mit unserem Ziel, den gesamten Kreislauf zu schließen, tragen wir dem Rechnung - und mit dem Einsatz von Kunststoff-Flaschen haben wir sogar in einigen Bereichen eine positive Ökobilanz, da wir gesellschaftlichen Abfall wieder in hochwertige Produkte konvertieren.


pit

 

 


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