„fairafric“: Faire Schokolade - Made in Afrika

Foto: fairafric

Spätestens jetzt, wo sich Millionen Menschen auf der Flucht befinden, müssten wir eigentlich zu der Einsicht gelangen, dass unser Wohlstand nach wie vor auf der Ausbeutung der Schwellenländer beruht. Während sich westliche Großkonzerne mit der Gewinnung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen, zum Beispiel aus Afrika, eine goldene Nase verdienen, geht die Mehrheit der dortigen Bevölkerung leer aus. Warum also nicht die gesamte Wertschöpfung von Europa nach Afrika verlagern. Damit könnten nicht nur nachhaltige Arbeitsplätze geschaffenen werden, es würde vor allem den Menschen ein Einkommen ermöglichen, das ihnen ihre Menschenwürde zurückgäbe.

 

Einer, der diese Vision versucht umzusetzen, ist der Deutsche Hendrik Reimers, Hobby-Chocolatier und Afrika-Enthusiast. Er hat „fairafric“ gegründet und die gesamte Schokoladenproduktion - von der Bohne bis zur verpackten Tafel - nach Afrika verlagert. global° sprach mit ihm über seine Vision:

 

Foto: fairafric

Wie ist die Idee zu fairafric entstanden?

Die Ideenfindung war mehr ein Prozess. Ich habe mein halbes Erwachsenenleben in Afrika verbracht und war immer wieder erstaunt, dass Schokolade, Tee, Kaffee und viele andere Produkte importiert werden müssen, obwohl all die Rohstoffe dafür vom Kontinent stammen. Mir war klar, dass sich das ändern muss, damit die Länder eine Chance haben, der Armut zu entkommen. Die Idee entstand dann in Uganda, wo es ein ähnliches Projekt mit Kaffee gab.

 

Warum soll Wertschöpfung von Europa nach Afrika verlagert werden?

Westliche Entwicklungshilfe konzentriert sich in Afrika sehr viel auf Ernährungssicherheit und lenkt viel seiner Hilfe auf die Landwirtschaft und die Millionen Kleinbauern, oft mit Initiativen die schon seit 50 Jahren nicht entwickelt haben. Das ist für mich kontraproduktiv. Die Menschen sind arm, weil sie sich als Kleinbauern durchschlagen müssen und von der Hand in den Mund leben. Arbeiter im verarbeitenden Gewerbe bekommen einen monatlichen Lohn, auf den sie sich verlassen können, so was kennen Kleinbauern gar nicht.

Die Weltbank hat schon vor Jahren herausgefunden, dass pro Job in der Weiterverarbeitung von Agrarrohstoffen 2,8 weitere Arbeitsplätze in dem Land entstehen, die es sonst nicht geben würde. Leider sind dieser Erkenntnis nicht die richtigen Schritte gefolgt. Fairafric und andere tolle Projekte wollen endlich einen Anfang machen.

 

Was unterscheidet fairafric von fairtrade?

Vieles. Fairtrade schafft keine fair bezahlten Arbeitsplätze so wie wir. Auf der ganzen Welt sind besonders Kleinbauern von schwerer Armut betroffen. Bei Fairtrade machen die Menschen das, was sie in die Armut getrieben hat, sie bleiben Kleinbauern. Das wollen wir ändern.

Von den Milliarden die mittlerweile mit Fairtrade Produkten umgesetzt werden kommt übrigens verblüffend wenig in den Herkunftsländern an. Bei Schokolade z.B. erreichen den Kleinbauern am Ende nur 0,7% vom Preis im Supermarkt als Premium. Auf die Tafel umgerechnet sind das im Schnitt 1 Cent mehr, und das sind Zahlen von Fairtrade selber. Kosten für die Zertifizierung noch nicht eingerechnet!

Pro Tafel fairafric erreichen Ghana mindestens 70 Cent, das sind zwischen 50 und 60 Cent mehr als bei einer Fairtrade Tafel die in Europa hergestellt wurde. Das ist der zentrale Unterschied.

 

Foto: fairafric

Gilt das nur für Kakaobohnen oder auch für andere Produkte?

Das ganze Prinzip findet man überall, besonders bei Kaffee, einem sehr wichtigen Rohstoff für Afrika und andere nicht industrialisierte Länder. Aber bei Schokolade herrscht derzeit ein besonders düsteres Bild, hier verhandeln 5 dominierende multinationale Produzenten mit Millionen Kleinbauern einen “Marktpreis“. Das kann nicht funktionieren.

 

Was ist das besondere an der Schokolade made in Afrika?

Der Konsument bezahlt im Supermarkt am Ende fast den gleichen Preis, hat das Einkommen im Ursprungsland aber vervielfacht und schafft damit qualifizierte Arbeitsplätze und wirklich nachhaltigen Wandel. Unsere erste Tafel wird eine 70%ige Edelbitter-Schokolade sein. In Deutschland haben wir bei Verkostungen durchweg sehr positives Feedback bekommen. Unsere ersten Unterstützer auf Kickstarter waren nicht zufälligerweise alle Tester der ersten Tafeln fairafric.

 

Ab wann und wo kann man sie kaufen?

Momentan kann man sie auf Kickstarter vorbestellen. Je mehr Bestellungen wir erhalten desto schneller werden wir in großen Supermarktketten vertreten sein. Auf unserer Website werden wir demnächst einen Onlineshop eröffnen und dort Einzellieferungen und Abos anbieten. Unser Ziel ist aber noch dieses Jahr in den großen Supermärkten vertreten zu sein.

 

Wie sieht Deine Vision aus?

Heute kaufe ich im Supermarkt Schokolade aus der Schweiz, Nüsse aus den USA, Kaffee aus Italien, raffinierten Zucker aus Deutschland und Säfte aus Holland. Dabei kommen fast alle Zutaten aus Afrika. Diese und andere Produkte in ein paar Jahren einfach im Supermarkt um die Ecke direkt aus Afrika kaufen zu können, ist meine große Vision.

 

Wer das Projekt unterstützen und die erste Charge von 15.000 Tafeln ermöglichen will, kann das hier auf Kickstarter tun...

Weitere aktuelle Infos über das Projekt gibt es auf Facebook...


hjo

 

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