Geheime Absprachen in Sachen Glyphosat

EU Gesundheitskommissar Andriukaitis Foto: European Parliament

Im Zusammenhang mit der vierten Beratung der EU-Kommission über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat, hat das Umwelt Institut München Fakten über eine geheime Absprache zwischen Kommission und Glyphosat-Herstellern veröffentlicht. Danach hat der EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis am 4. April einen offenen Brief an die 'Glyphosate Task Force' veröffentlicht, in dem er die Unternehmen aufforderte, bisher unter Verschluss gehaltene Studien zur Krebsgefahr von Glyphosat zu veröffentlichen. Damit wollte er offenbar den Eindruck erwecken, er kümmere sich um die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Verwundert zeigten sich dann nicht nur die Umweltverbände über die prompte Reaktion der Task Force (noch am gleichen Tag!). Der Verdacht kam auf, dass die Industrie über das Schreiben vorinformiert war.

 

Daraufhin stellte der Europa-Abgeordnete Martin Häusling eine kleine Anfrage an die Kommission. Die Antwort des Gesundheitskommissars lautete: „Die Tatsache, dass die „Glyphosat Task Force“ (GTF) nach Erhalt des Schreibens der Kommission zum Thema Zugang zu Informationen zügig reagiert hat, hängt nicht mit irgendeiner Form von Absprache oder Vereinbarung zwischen der Kommission und der GTF zusammen.“

 

Das Schreiben des Kommissars und die Antwort der Industrie haben beide das gleiche Datum Foto: Umweltinstitut Müchen e.V.

Das es eine Absprache gab, geht aus den Dokumente n, die das Umweltinstitut zwischenzeitlich veröffentlicht hat, unzweifelhaft hervor. Die obige Antwort des Kommissars steht also im Widerspruch zu den tatsächlichen Vorgängen. Auch sind seit April weder die Studien offengelegt worden, noch gibt es die von der Industrie vorgeschlagenen Leseräume. Hier gibt es also erheblichen Klärungsbedarf seitens der Kommission und mit Transparenz hat das Ganze wohl auch nichts zu tun. Schlußendlich fühlen sich die Verbraucher wieder ein Mal von der EU getäuscht. Übrigens hat das Umweltinstitut zwischenzeitlich bei der Kommission einen Antrag auf Zugang zu den Studien gestellt.

(Quelle: Umweltinstitut München e.V.)

 

Weitere Infos zum Thema:

Der Brief des Kommissars an die Glyphosat-Industrie vom 4. April 2016

Das Antwortschreiben der Glyphosate Task Force mit gleichem Datum

Unsere Anfrage an die EU-Kommission vom 11. April


hjo

 

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