Wegwerfgesellschaft mit Nachhaltigkeitsnerv

Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Sind Handys und Smartphones unvereinbar mit dem immer lauter werdenden Streben nach einer nachhaltigen Lebensweise? Der ökologische Fußabdruck ist als Konzept seit einiger Zeit in den Köpfen vieler Konsumenten angekommen. Hierbei geht es darum, die Menge der Rohstoffe, die für

den eigenen Lebensstil benötigt werden, möglichst weit einzuschränken.

Dabei soll es jedoch nicht so sein, dass man komplett auf Privilegien der modernen Gesellschaft verzichtet. Das Handy ist ein alltägliches Symbol dieser Gesellschaft, versinnbildlicht es doch die wachsende Bedeutung der Globalisierung, der ständigen Erreichbarkeit und der eigenen Produktivität als aktives Mitglied eben jener Gesellschaft. Problematisch bloß, dass die meisten Smartphone weder zu fairen Bedingungen, noch unter besonderer Rücksichtnahme auf Nachhaltigkeit gefertigt werden.

 

Die aktuelle Lage bei der Fertigung und dem Konsum

 

Das moderne Handy erfüllt eine ganze Bandbreite von Aufgaben und kann sogar der Freizeitunterhaltung dienen. Mit der Zeit bedeutete dies, dass man unterwegs weniger Geräte und Möglichkeiten für Notizen mit sich zu führen brauchte. So lange das Handy mit Strom versorgt wird, stellt es so etwas wie einen mobilen Schreibtisch dar.

Dies alles geht auf Fragen der Leistung, welche mit den wachsenden Ansprüchen der Nutzer entsprechend wachsen. Somit ist gegeben, dass ein modernes Smartphone relativ schnell veraltet und je nach Nutzer schon nach wenigen Monaten durch ein neueres, stärkeres Modell ersetzt wird. Den Herstellern ist dies durchaus bewusst, weshalb die Produktion neuer Handys auch nie zum Stillstand kommt. Auch Produkte aus dem Bereich vom Smartphone Zubehör werden en Masse produziert. Schon allein der Verbrauch von Rohstoffen gibt unter Aspekten der Nachhaltigkeit ein bitteres Bild ab.

Doch nicht nur das, in den meisten Fertigungsstätten für Smartphone herrschen darüber hinaus auch bekanntermaßen menschenunwürdige Zustände. Die Bezahlung der arbeitenden Schicht steht hier in keinerlei Verhältnis zu dem Preis, den das fertige Produkt letzten Endes erzielt. Außerdem benötigen Smartphones für diverse Einzelteile seltene und wertvolle Rohstoffe.

Hinzu kommt der Punkt Elektroschrott. Ausgediente Handys und Handyteile landen bei uns schnell im Müll. Dieser wiederum landet in großen Mengen nicht auf heimischen Recyclinganlagen oder Deponien, sondern in Drittweltländern. Das Problem wird also outgesourced. Die Folgen für Umwelt und die Gesundheit der Menschen im Umfeld dieser Endlager sind verheerend. Wie man seine ausrangierten Geräte sinnvoll weiter nutzen kann, kann man hier nachlesen.

 

Alternativen zum üblichen Smartphone

 

Die Problematik, die sich aus der Herstellung gewöhnlicher Smartphones und dem Gewissen aufgeklärter Nutzer entwickelt, wurde bereits erkannt. Entsprechend werden derzeit Alternativen zum üblichen Smartphone erprobt, die jedoch aus verschiedenen Gründen noch wenig Anklang finden. So befindet sich das Fairphone bereits in seiner zweiten Edition. Das Besondere an dem Fairphone ist, dass einige Rohstoffe für die Fertigung nicht aus Kriegsgebieten stammen, klingt jedoch zunächst wenig überzeugend.

Kritiken wurden entsprechend laut, dass das Fairphone in seiner momentanen Form wenig faire Aspekte bieten würde. Außerdem nutzt dieses Smartphone das weit verbreitete Android Betriebssystem, wo Alternativen wie Ubuntu eventuell angemessener wären. Trotz all dieser Bedenken trägt das Fairphone 2 das Nachhaltigkeitssiegel Blauer Engel. Eine andere Herangehensweise stellt das Konzept des Phonebloks vor. Phonebloks beruht auf einem Design, dass dank modularer Bestandteile den anfallenden Elektronikschrott reduzieren soll. Der Nachteil von Phonebloks liegt indes auf der Hand: es handelt sich um ein Konzept und nicht um ein fertiges Produkt, dass von Nutzern, die sich eine Alternative wünschen, gekauft werden kann.

 

Generell besteht für die großen Hersteller aber auch kein Handlungsbedarf, um tatsächlich alternative Techniken voranzutreiben. Der schnelllebige Markt spült Unmengen an Geld in die Kassen, woran sich kurzfristig auch nichts zu ändern scheint. So befassen sich auch die Entwicklerteams großer Konzerne wie Google durchaus mit modularen Systemen. Ein Milliardengrab aber, solange kein entsprechender Bedarf auf dem Markt erkennbar ist. Diesen müssten die Big Player ihrerseits selbst schaffen, so wie aktuell auch die Nachfrage für immer neue Produkte hergestellt werden musste. Die Produzenten müssten also beim Endkunden sowohl Bewusstsein als auch Begehrlichkeiten erst einmal schaffen, bis die Entwicklung nachhaltiger Kommunikationsgeräte für Apple oder Samsung reizvoll erscheint. „Consumer direction“ wäre hier das Zauberwort.

 

Der Ausblick beim Handykonsum

 

Noch stecken die Alternativen für das klassisch gefertigte und vertriebene Smartphone in ihren Kinderschuhen. Entsprechend fällt nach wie vor viel Elektronikschrott an und es herrschen teils wenig menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Fertigungshallen. Doch für viele ist das Handy ein Teil ihres modernen Lebens. Es ist nicht davon auszugehen, dass Anbieter wie Apple oder Samsung ihre Geschäftspolitik von heute auf morgen ändern und Wege, die höhere Fairness versprechen, suchen werden. Doch noch bleibt Hoffnung, dass der Handykonsum eines Tages eine nachhaltige Lösung erfährt, mit der allen geholfen ist.

 

David Alke


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