Holzbau für alle – Innovation durch Holz

Foto: proHOlz Bayern

Branchenabend der Forst- und Holzwirtschaft auf der Messe BAU: “Wald und Holz sind nur einsilbige Wörter, dahinter steckt jedoch eine Welt voll Emotionen, Visionen und Wundern“, mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzender von proHolz Bayern, Johann Koch, die über 150 Gäste aus Architektur, Forst- und Holzwirtschaft zum gut besuchten Branchenabend „Holzbau für alle - Innovation durch Holz“ am Messestand der Firma STEICO SE.

„Holz ist ein moderner Baustoff, der vor unserer Haustür ständig nachwächst, dessen Verwendung aktiver Klimaschutz ist sowie die regionale Kreislaufwirtschaft mit vielen wertvollen Arbeitsplätzen stärkt“, stellte Koch die Bedeutung der Wertschöpfungskette Forst und Holz für Bayern heraus.

 

Bauen mit Tanne

 

Bevor Architekten und Planer über ihre Holzbauprojekte berichteten, gab es eine kleine Filmpremiere. proHolz Bayern präsentierte seinen neuen Kurzfilm „Bauen mit Tanne“ über die Entstehungsgeschichte der Kindergrippe am Krayweg in München. Der Film illustriert die verschieden Bearbeitungsschritte – vom Einschlag im Wald über die Verarbeitungsstufen bis zum Aufbau der Kinderkrippe in München. Das Gebäude besteht zu cirka 95 Prozent aus Tannenholz aus dem Forstbetrieb Kelheim der Bayerischen Staatsforsten. Die rund 200 Festmeter Holz wurden vom Sägewerk Ehrl in Breitenbrunn eingeschnitten und von der Zimmerei Suttner in Straubing zu Massivholzwänden weiterverarbeitet. Der Film zeigt wie die Baumart Tanne in Zeiten des Klimawandels immer mehr an Bedeutung gewinnt und zu einem modernen, attraktiven Bauprodukt wird.

So sorgt die Tanne aufgrund des geringen Harzgehalts für gute Raumluftqualität. Von außen besteht die Kindergrippe aus einer geschlossenen Nut- und Federschalung in Tanne. Das Besondere dieses Holzbaus ist jedoch die Bauweise im Inneren: gedübelte Brettstapelelemente für Wände und Decken, ebenfalls aus Tannenholz. Diese Brettstapelbauweise verzichtet auf die Verwendung von Leim, sondern stellt den Verbund durch Holzdübel aus Buchenholz her.

Gedämmt wurde das Objekt mit einer Holzweichfaserdämmung. Diese Kindergrippe sowie 8 weitere Holzbauobjekte sind heute auch auf der Langen Nacht der Architektur zu sehen, bei der proHolz Bayern erstmalig Sponsor ist.

 

leanWood – Planungskultur für den Holzbau

 

Foto: proHolz Bayern

Der moderne Holzbau zeichnet sich durch eine systematisierte Produktion von Bauelementen mit einem hohen Vorfertigungsgrad und hoher Qualität aus. Die Vorfertigung ist eine Prämisse der Wirtschaftlichkeit und erfordert einen erhöhten Planungsaufwand, der bereits die praktische Fertigung der Bauelemente, deren Transportlogistik und die Montage berücksichtigt. Hier setzt das internationale Forschungsprojekt leanWOOD des Lehrstuhls für Entwerfen und Holzbau von Prof. Hermann Kaufmann der TU München an, das der Architekt Manfred Stieglmeier koordiniert und anschaulich präsentierte.

Im Rahmen des Projekts werden Antworten auf Fragen formuliert, die durch etablierte Planungsabläufe des konventionellen Bauens entstanden sind, ohne sich jedoch für die Vorfertigung im Holzbau zu eignen. Für den vorgefertigten Holzbau werden neue Kooperations- und Prozessmodelle benötigt, um die Vorteile innovativer und optimierter Prozesse in Planung und Produktion zu unterstützen.

„«lean» zielt dabei auf die «schlanke» Abwicklung des Planungsablaufs und die effiziente wie effektive Koordination von Akteuren ab. Wichtig Frage dabei ist: Wer macht wann was? Wiederholungen der Planung bei Architekt, ausführender Firma und vor der Produktion sollen durch eine Optimierung der Planung vermieden werden.“, erklärte Manfred Stieglmeier. „Neben Leuchtturmprojekten braucht es im Holzbau auch Standardisierungen, um Planungssicherheit für Architekten und Ingenieure zu schaffen, die mit Holz planen und bauen wollen“, so Stieglmeier.

 

Vorsprung durch Holz

 

Der BDA-Architekt Frank Lattke stellte in seinem Vortrag „Vorsprung durch Holz“ das neue Bürogebäude der Firma euregon in Augsburg vor. Die Besonderheit bei diesem dreigeschossigen Bau: er besteht ganz aus Laubholz, genauer aus Buchenbrettschichtholz. Das hat im Vergleich zu herkömmlichen Konstruktionshölzern schlankere Querschnitte. „Das Gebäude besitzt mit 5 Metern relativ hohe Spannweiten. Im Entwurfsprozess stellte sich heraus, dass man mit Buchenbrettschichtholz 30 Kubikmeter Material einsparen kann. Der Mehrpreis für dieses Produkt blieb dabei überschaubar“, erklärte der Architekt Frank Lattke den Grund, warum er auf Buchenholz gesetzt hat. Damit nimmt das Gebäude eine Vorreiterrolle ein, denn aktuell wird überwiegend Nadelholz im Holzbau verwendet. Bedingt durch den Waldumbau nimmt die Laubholzmenge in den deutschen Wäldern aber stetig zu und so wird Laubholz im Bauwesen immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Neben Flexibilität, Ökologie und Nachhaltigkeit war auch ein angenehmes Raumklima eines der Hauptanforderungen des Bauherrn an den Architekten. „Mit dem Baustoff Holz konnten all diese Anforderungen erfüllt werden.“, erklärte der Architekt Frank Lattke. „Zudem zeigt dieses Beispiel, wie mit Holz im Gewerbebau qualitätsvolle Lösungen mit Mehrwert entstehen.“

 

Ines Heinrich


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Dr. Ines Heinrich

Leiterin Marketing-Kommunikation

 

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