In Wüste Bäume pflanzen gegen den Klimawandel

Prinzip des Carbon Farming Grafik: Universität Hohenheim

Arbeiten am „Plan B“ gegen den Klimawandel: Die Hohenheimer Wissenschaftler Klaus Becker und Volker Wulfmeyer wollen mit großflächigen Jatropha-Plantagen Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden und dabei Wüsten begrünen. Ihr Carbon Farming-Projekt könnte pro Hektar 25 Tonnen CO2 pro Jahr dauerhaft speichern.

 

„Zum ersten Mal“, betonen die beiden, arbeiten bei ihrer Earth System Dynamics Study Spezialisten aus den Fachgebieten Landwirtschaft, Meteorologie, Physik und Ökonomie zusammen. Sie bauen dabei auf Feldversuchen auf, die sie in Indien oder Madagaskar mit Jatropha-Pflanzen sammelten. Und sie entwickelten Computersimulationen, mit denen sie versuchen, die möglichen Folgen ihres Projekts – etwa auf das lokale Klima über einem in der Wüste gepflanzten Wald - schon im Vorfeld vorherzuberechnen.

Erste Ergebnisse ihrer Überlegungen veröffentlichten die Forscher jetzt im Fachblatt European Geosciences Union (EGU) .

 

“Natur zeigt am besten, wie wir dem Klimawandel begegnen müssen“

 

„Wir packen dabei das Problem Klimawandel an seiner Wurzel an“, beschreibt Becker die Motivation für seine Forschung. Und Wulfmeyer ergänzt: „Weil dies die Natur schon immer viel besser kann als der Mensch, schauen wir die Lösung bei der Natur ab.“

 

Ihr Plan: Sie wollen im Wüstensand die robusten und genügsamen Jatropha-Bäume pflanzen. Nur 3 Prozent der arabischen Wüste würden genügen, um mit den Bäumen alles CO2, das deutsche Automobile in die Luft blasen, in wenigen Jahrzehnten vollkommen im Holz der Pflanzen zu binden. „Carbon-Farming auf nur einer Milliarde Hektar“, so die Wissenschaftler, „würde genügen, um wesentliche Mengen des Kohlendioxids, das wir Menschen seit Beginn des Industriezeitalters produzierten, einzufangen und zu bunkern.“

 

Jatropha-Bäume Foto: Wikimedia Commons/J. Werther

Wald ist viel billiger als Hightech-Methoden zur CO2-Speicherung

 

Sie kennen aber weitere Vorteile ihrer Vision. Nach Berechnungen der Ökonomen im interdisziplinären Team, läge der Preis pro Tonne des mit Carbon-Farming gespeicherten CO2 bei nur 42 bis 63 Euro. Er läge damit wesentlich unter jenem, mit dem andere Speicher-Projekte kalkulieren müssen, weil sie meist aufwändige Technologien brauchen.

 

„Außerdem liefert unsere Plantage irgendwann auch selbst genug Bioenergie“, ergänzen die Professoren der Uni in Stuttgart Hohenheim, „das Holz aus Durchforstung können wir in Strom wandeln, mit dem wir die benötigte Meerwasser-Entsalzungsanlage befeuern.“

 

Noch fehlt den Visionären das benötigte Forschungsbudget. Auch weitere vorbereitende Grundlagen müssen die Wissenschaftler erst noch erarbeiten. Sie setzen daher darauf, dass die Vorteile ihrer Idee erkannt werden, denn ihr Benefit sei „im Vergleich mit anderen Geoengeneering-Projekten viel höher“.


pit

 

 

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