Kaffeepause auf der ACHEMA

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Christoph

Die ACHEMA ist die Weltleitmesse der Prozessindustrie. Die Stars der Ausstellung sind eigentlich chromglitzernde Maschinen. Destillationskolonnen zum Beispiel, mit denen man tausende Liter Alkohol pro Tag produzieren kann, oder Verpackungsmaschinen, aus denen im Sekundentakt fertige Tablettenschachteln herausfallen – samt ordentlich gefaltetem Beipackzettel. Hinter den Kulissen dürfte das wichtigste Gerät jedoch die Kaffeemaschine sein, die fast alle der 3.800 Aussteller mit auf ihren Stand bringen.

Es braucht eine Menge Koffein, damit Standpersonal und Besucher die fünf anstrengenden Messetage der ACHEMA überstehen. Bitter ist am braunen Sud aber nicht nur der Geschmack, sondern auch mancher Aspekt der Produktion.

 

Süßes Fruchtfleisch macht den Boden sauer

 

Bei der Kaffeeproduktion fällt eine Menge Abfall an und zwar schon weit bevor der ausgelaugte Kaffeesatz in der Biotonne landet. Wenn Kaffeekirschen geerntet werden, wird nur aus dem Kern der Frucht die wohlbekannte Bohne, während das Fruchtfleisch übrig bleibt. Es macht fast die Hälfte der Frucht aus und wird oft ohne jede weitere Behandlung entsorgt. Das Fruchtfleisch enthält viele organische Säuren, Polyphenole und Koffein und wenn die ins Grundwasser gelangen sind die Trinkwasserquellen der Erzeugerländer in Gefahr. Selbst wenn die süße Masse kompostiert würde, blieben die Inhaltsstoffe trotzdem erhalten und würden den Boden versauern.

 

Kaffeebohne und -fruchtfleisch Foto: Wikimedia Commons/ CC-BY-SA/ Ceazar77

Neuerdings gibt es Bestrebungen, nützliche Produkte aus dem Kaffee-Fruchtfleisch herzustellen. Die amerikanische Firma CF global mills trocknet und vermahlt es und vermarktet es als CoffeeFlourTM . Ob die Firmeninhaber die Trocknungsanlagen und die Mühlen dazu auf der letzten ACHEMA eingekauft haben ist nicht bekannt, aber das Kaffeemehl ist glutenfrei und nährstoffreich und kann vielen Lebensmitteln zugesetzt werden.

Das niederländische Unternehmen Pectcof extrahiert die Kaffeepulpe und gewinnt die wertvollen Ballaststoffe. Proteine und Polyphenole sollen folgen und dazu noch Zucker, der zu Biotreibstoff vergoren wird. Das französisch-brasilianische Startup Biophenol pyrolysiert die Biomasse zu Öl, Gas und Biokohle. Die Biokohle wird dann weiterverarbeitet zu Terra Preta Dünger, der die Nährstoffe auf die Kaffeeplantage zurückführt. Für all diese Prozesse braucht es eine Menge Laborausrüstung und Maschinen und wer die sehen möchte, geht vom 11. bis 15. Juni 2018 auf die ACHEMA in Frankfurt am Main. Bestimmt spendiert dann der eine oder andere Aussteller eine Tasse Kaffee.

 

Marlene Etschmann


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