Keine patentierten Affen für die Pharmaforschung

Foto: flickr/Michael Molthagen

Affen für die Pharmaforschung: Das Europäische Patentamt in München erteilte 2012 drei Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen, Recherchen der Initiative Keine Patente auf Leben!. Ein Bündnis mehrerer Organisationen bereitet jetzt dagegen Einsprüche vor. Ihr Ziel ist ein grundsätzliches Verbot derartiger Patente. Sie fordern mehr Respekt im Umgang mit Tieren.

„Die jetzt erteilten Patente auf Menschenaffen weisen auf eine krasse Fehlentwicklung hin“, schreibt Christoph Then von Testbiotech dazu in einer Pressemeldung. „Das Europäische Patentamt muss insbesondere zum Schutz von Säugetieren aktiv werden und die Patentierung von gentechnisch veränderten Versuchstieren einstellen“, fordert auch Ruth Tippe von Kein Patent auf Leben!.

 

Tiere mit Insekten-DNA manipulieren

 

Zwei der Patente gehören der US-Firma Intrexon (EP1456346 und EP1572862). Sie ist im Bereich der Synthetischen Biologie tätig und beansprucht ausdrücklich Tiere wie Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde, Schafe, Affen und insbesondere Schimpansen als Erfindung. Unter Einsatz von Insekten-DNA soll sich die Aktivität der Gene dieser Tiere angeblich gezielt verändern lassen, sagt Then in seiner Meldung über die neuen Patente.

Die US-Firma Altor BioScience erhielt ein Patent auf Schimpansen, deren Immunsystem „humanisiert“ wurde (EP1409646). Sie kooperiere mit der Firma Genentech, die zu Hofmann-La Roche gehört, und entwickele unter anderem Medikamente mit Antikörpern, die dann auch an Menschenaffen getestet würden, so die Gegner der Patentierungen.

„Derartige Patente unterlaufen die Bemühungen für einen besseren Schutz von Menschenaffen. Es gibt gute Gründe, Tierversuche mit Schimpansen komplett zu verbieten“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Wer aber Menschenaffen zu patentierbaren Erfindung macht, scheint jeden Respekt vor den Tieren verloren zu haben.“

 

Schon 1.200 Patente auf Tiere erteilt

 

Insgesamt habe das Patentamt bereits etwa 1.200 Patente auf Tiere erteilt. Der Präzedenzfall wurde 1992 mit der so genannten „Krebsmaus“ geschaffen. Auch auf Menschenaffen gebe es schon zahlreiche Patente. 2006, sagt Then, „wurde etwa eines auf Affen mit Krebsgenen erteilt (EP0811061)“. Erst nach Einspruch von Greenpeace habe der Patentinhaber auf die strittigen Ansprüche verzichtete. „2010 erhielt Bionomics ein Patent auf gentechnisch veränderte Affen, die an Epilepsie leiden (EP1852505)“, sagt Then.

Versuche an Primaten und Menschenaffen unterliegen international, insbesondere auch in der EU, strengen Restriktionen. Genetische Ähnlichkeit, das nachgewiesene Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zu planen und zu fühlen veranlassten Wissenschaftler und Tierrechtler, sich für gesetzlich anerkannte Grundrechte für die Großen Menschenaffen einzusetzen. Das internationale Great Ape ProjectGen-ethische Netzwerk, die Gesellschaft für ökologische Forschung, Kein Patent auf Leben! und Testbiotech Einsprüche gegen diese Patente vorbereiten und Unterstützer mobilisieren.

 

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