Mehr als 1100 Tote für ein Abkommen

Foto: flickr/rijans

Nach der schrecklichen Katastrophe in Bangladesch mit 1127 Toten und 2438 Verletzten lenken nun auch große Textilkonzerne, wie Aldi, KiK, C&A und H&M ein: Sie unterzeichneten ein internationales Abkommen über Brandschutz und mehr Sicherheit in Produktionsstätten. Weitere Firmen sollen diesem Beispiel folgen.

 

Das Abkommen, das von den weltweiten Gewerkschaftsdachverbänden IndustriALL und UNI, der Clean Clothes Campaign (CCC), dem Workers Rights Consortium (WRC) und nationalen Gewerkschaften aus Bangladesch ausgearbeitet wurde, lag den westlichen Textilkonzernen schon seit Monaten vor. Zunächst unterzeichneten nur Tchibo und PVH, alle anderen großen Textilunternehmen zögerten. Erst die „Rana Plaza“-Tragödie und der folgende Aufschrei in der Öffentlichkeit zwang auch sie den Stift in die Hand zu nehmen.

 

Laut IndustriAll eröffnete H&M auf Drängen seines Betriebsrats das Unterschriften-Ballett. Bis gestern, den 15. Mai 2013 konnten Firmen das internationale Abkommen unterzeichnen. Inditex, C&A, Tesco, Marks & Spencer, Primark, El Corte Inglés, jbc, Mango, Carrefour, KiK, Helly Hansen, G-Star, Aldi, New Look, Mothercare, Loblaws, Sainsbury’s, Benetton, N Brown Group, Stockmann, WE Europe, Esprit, Rewe, Next, Lidl, Hess Natur, Switcher und Abercrombie & Fitch stiegen schließlich auf den Zug auf. Alle Firmen, die diesen Beitritt verschlafen haben, können zwar im Nachhinein noch unterzeichnen, doch werden sie keinen Einfluss auf bereits beschlossene Entscheidungen haben.

 

„Verbindliche Abkommen, in denen die Unternehmen Verantwortung für die Sicherheit in den Zulieferbetrieben übernehmen, sind ein wichtiger Schritt, um der unternehmerischen Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette gerecht zu werden. Wünschenswert wäre eine Ausweitung auf weitere arbeitsrechtliche Standards, wie etwa die Zahlung eines existenzsichernden Lohns. “ sagt Anke Schneid, die Koordinatorin der Kampagne „Deine Stimme gegen Armut“.

 

Das Abkommen zum Gebäude- und Brandschutz – ein Schritt in die richtige Richtung

 

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Das Abkommen zum Gebäude- und Brandschutz enthält verbindliche, durchsetzbare und transparente Regelungen zu unabhängigen Inspektionen mit öffentlichen Berichten, verpflichtende Instandsetzungsmaßnahmen und entsprechender Kostenbeteiligung der internationalen Auftraggeber. Den Arbeiterinnen und Arbeitern sowie den Gewerkschaften wird eine maßgebliche Rolle in der Umsetzung zugewiesen. Die Regierung Bangladeschs hat hierfür im Schnellverfahren entschieden, Gewerkschaften in den Fabriken auch ohne Zustimmung der Unternehmer zuzulassen.

 

Es dürfen nicht noch weitere Menschen unter den Trümmern von Textilfabriken begraben werden oder bei Fabrikbränden grausam zu Tode kommen. Die Zeit ist überfällig, dass nun alle Unternehmen, die in Bangladesch ihre Ware beziehen, dem verbindlichen Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz beitreten. Das Sterben muss endlich ein Ende haben“, so Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung. So fordert CCC weitere Unternehmen wie Metro, Otto, Ernsting, sOliver, Baumhüter, NKD oder PUMA auf, sich dieser Initiative anzuschließen.

 

Genauso hoffen Uwe Kekeritz und Volker Beck von Bündnis 90/Die Grünen, dass sich weitere Firmen dem Abkommen anschließen. Zudem sei es ein Skandal, dass es erst einer Katastrophe mit über 1100 Toten bedarf, um diese Firmen zum Einlenken zu bewegen.

 

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