Mehr Flugzeuge – weniger Treibhausgase?

 

In einer Stunde für 48 Euro von München nach Berlin – so günstig und schnell reist man derzeit nur mit dem Flugzeug. Die gleiche Strecke mit der Bahn kostet mehr als doppelt so viel und dauert auch noch sechs Mal so lange. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen fliegen.

Diesen gestiegenen Mobilitätsbedarf stellt der Flugzeugbauer Airbus auch in seiner jüngsten globalen Marktprognose fest, dass sich die globale Flugzeugflotte bis 2031 mehr als verdoppeln wird. Konkret bedeutet das einen Anstieg von derzeit 15.560 auf 32.550 Flugzeuge. Airbus rechnet damit, dass das durchschnittliche globale Wachstum des Luftverkehrs, gemessen in Passagierkilometern, um jährlich 4,7 Prozent ansteigen wird. Um den wachsenden Bedarf zu decken, sollen deshalb 28.000 neue Verkehrsflugzeuge bereitgestellt werden.

Vor kurzem veröffentlichte die Bundesregierung ihre Luftfahrtstrategie. Darin macht sie deutlich, dass sie sich keinesfalls die Gelegenheit entgehen lassen will, weiterhin vom Wachstumsmarkt Luftfahrt zu profitieren. Schon in den letzten zehn Jahren habe die Luftfahrtindustrie ein Wachstum von 5,4 Prozent pro Jahr erzielt, während die Wirtschaft insgesamt nur um 2,5 Prozent jährlich gewachsen ist. Auch die Zahl der Arbeitskräfte habe mit einer Steigerungsrate von 3,1 Prozent jährlich stärker zugenommen als die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt (plus 0,6 Prozent).

 

 

 

Foto: Lufthansa

650 Millionen Tonnen CO2 werden jährlich durch den Flugverkehr ausgestoßen

 

Was gut für die Wirtschaft ist, muss aber noch lange nicht gut für die Natur sein. Nun ist jedem bekannt, dass Fliegen negative Auswirkungen auf unsere Umwelt hat – doch wie will die Bundesregierung die Umweltproblematik mit der Flottenerweiterung in Einklang bringen? Immerhin werden derzeit rund 2,5 Prozent aller anthropogenen CO2-Emissionen durch den globalen Flugverkehr emittiert. Auch der Ausstoß von Stickoxiden, Ruß und Wasserdampf leistet seinen Teil zum globalen Klimawandel.

Vor allem technische Veränderungen an den Luftfahrzeugen sollen in Zukunft dazu beitragen unsere Luft sauberer zu halten. Bis 2050 möchte die Forschungs- und Innovationsagenda SRIA (Strategic Research and Innovation Agenda) des europäischen Forums für Luftfahrtforschung ACARE (Advisory Council for Aviation Research and Innovation in Europe) 75 Prozent der CO2 und 90 Prozent der NOx allein durch Veränderungen an Triebwerk und Brennsstoffzelle einsparen. Ein verbessertes Luftverkehrsmanagement und verbesserte Betriebsverfahren der Airlines und Flughäfen soll zusätzlich ein Viertel der Emissionen reduzieren. Dies und auch bauliche Veränderungen an den Flugzeugen könnte in Zukunft die Lärmbelastung, vor allem beim An- und Abflugverfahren um 65 Prozent verringern.

 

CO2-Emissionen sollen bis 2050 halbiert werden

 

Die Bundesregierung gesteht in ihrer Stellungnahme zur Luftfahrtstrategie aber selbst ein, dass die ACARE-Technologieziele gegebenenfalls nicht ausreichend sind, um einem Anwachsen der Schadstoffemissionen entgegenzuwirken. Unterstützend sollen deshalb international verbindliche CO2-Grenzwerte eingeführt werden, damit Anreize bestehen, alte Flugzeuge durch neue und effizientere zu ersetzen. Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation hat jedenfalls vor, den Flugverkehr ab 2020 nur noch CO2 neutral wachsen zu lassen und die Emissionen bis 2050 sogar um die Hälfte zu senken (Stand 2005). Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, bedarf es aber wohl weiterer Maßnahmen wie des Einsatzes alternativer Kraftstoffe. Bis diese allerdings eine wirtschaftliche Alternative darstellen, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

So bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung nicht nur dem Prinzip der kurzfristigen Gewinnmaximierung folgt, sondern im Hinblick auf die Folgen für die Umwelt alles daran setzt, diese guten Vorsätze auch wirklich in die Tat umzusetzen.

 

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