Rucksäcke aus recycelten PET-Flaschen

Foto: Fond of Bags

Jedes Jahr zum Beginn des Schuljahres sieht man wieder Kinder mit den altbekannten Schulranzen auf dem Rücken. Mit der Zeit werden diese immer schwerer und viele Kinder klagen irgendwann über Rückenschmerzen. Genau das veranlasste 2010 die Gründer von FOND OF BAGS einen Schulrucksack zu entwickeln, der ein ergonomisches größenverstellbares Tragesystem hat. In der Zwischenzeit ist die Produktpalette gewachsen und bietet Rucksäcke und Taschen für alle Altersstufen. Aus dem ehemaligen Start-Up ist ein weltweit operierendes Unternehmen geworden. Die Rucksäcke sind echte Handarbeit und für ihre Herstellung werden unter anderem Stoffe aus recycelten PET-Flaschen verwendet. Da die Produkte überwiegend in Vietnam und China hergestellt werden, hat das Unternehmen von Anfang an auf die Produktions- und Herstellungsbedingungen vor Ort geachtet. So haben alle Nähereien einen Verhaltenskodex unterschrieben, der von den Arbeitsbedingungen über den Umweltschutz bis hin zu Beschwerdeverfahren reicht.

 

Darüber hinaus ist FOND OF BAGS seit kurzem Mitglied der FAIR WEAR FOUNDATION (FWF), einer niederländischen non-profit-Organisation. Die FWF hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen in der nähenden Textilindustrie weltweit zu verbessen. Die Mitglieds-Unternehmen verpflichten sich, die Einhaltung des strengen Verhaltenskodex der FWF bei den Produzenten systematisch zu kontrollieren. Die FWF selbst kontrolliert in erster Linie die Mitgliedsunternehmen.

 

Über all das und die nachhaltigen Ziele des Unternehmens sprach global° mit den Nachhaltigkeitsexperten Hannes Weber und Julian Conrads:

 

 

Hannes Weber Foto: FOND OF BAGS

Was war der Auslöser für den Start von FOND OF BAGS?

Hannes Weber: Die Idee zur Entwicklung unseres ersten Produkts - dem ergobag - entstand auf einer Geburtstagsfeier in Berlin im Jahre 2008, zu der Florian Michajlezko, späterer Mitgründer des Unternehmens, geladen war. Die Rede kam auf Schulranzen und eine befreundete Physiotherapeutin berichtete, dass sie immer mehr Kinder behandeln müsse, die unter Rückenproblemen litten. Eigentlich völlig unverständlich, wo es doch schon lange Wanderrucksäcke gab, die über rückenschonende Tragesysteme verfügten. Aus dem lockeren Partygespräch gedieh schließlich die Idee, die den Schulranzenmarkt revolutionieren sollte: ein Schulrucksack mit ergonomischem, größenverstellbarem Tragesystem für die Grundschule. Im Laufe der Jahre kamen weitere Schulrucksäcke (z.B. satch für die weiterführende Schule) und Marken für Jugendliche und Erwachsene hinzu. Das gesamte Portfolio sammelt sich mittlerweile unter dem Dachunternehmen „FOND OF BAGS“.

 

 

Julian Conrads Foto: FOND OF BAGS

War Nachhaltigkeit schon von Anfang an ein zentrales Thema?

Julian Conrads: Die vier Gründer von FOND OF BAGS stellten schon früh fest, dass sie die Vision von einem Unternehmen teilten, in dem Innovation und Teamgeist im Mittelpunkt stehen; von einem Team, in dem sich Vertrauen geschenkt wird und jeder gemäß seiner Stärken agieren kann. Eine weitere Gemeinsamkeit lag in dem Glauben, dass verantwortliches Handeln gegenüber allen beteiligten Parteien essenziell für moderne Unternehmensführung ist. Bis heute teilen alle Mitarbeiter diese Überzeugung und arbeiten daran, Schritt für Schritt die Einflüsse des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft zu verbessern.

 

Wo werden die Rucksäcke gefertigt?

Julian Conrads: Der Großteil unserer Rucksäcke und Taschen wird in Vietnam gefertigt. Zusätzlich haben wir einige Produktionsstätten in China, Myanmar und Indien.

 

Wie kontrollieren sie die Arbeitsbedingungen vor Ort?

Hannes Weber: Die Arbeitsbedingungen in unseren Nähereien und Produktionsstätten kontrollieren wir mittels sogenannter Sozialaudits. Ein Audit ist eine Überprüfung der Sozialstandards, die von einer unabhängigen Agentur durchgeführt werden. Bei einem Fabrikrundgang und Befragungen wird ermittelt, ob der Produzent sich an die festgelegten Regeln bei der Behandlung seiner Mitarbeiter hält. Außerdem werden auch Anwohner, Händler und Arbeiterinnen befragt, die außerhalb der Fabriktore leben und arbeiten.

 

Die Arbeitsbedingungen die wir uns vorstellen, sind in unserem (auf der Website zur Verfügung stehenden) Code of Conduct (dt. Verhaltenskodex) festgehalten. Dazu zählen nicht mehr als 30 Überstunden im Monat, Verbot von Kinderarbeit und andere wichtige soziale und ökologische Aspekte.

 

Als weitere unabhängige Instanz tritt unser Partner, die Fair Wear Foundation auf, die sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzt und kontrolliert uns, inwieweit wir die Sozialstandards in unseren Fabriken kontrollieren und unsere Nähereien auf dem Weg zu besseren Bedingungen unterstützen. Die Ergebnisse werden in einem jährlichen Brand Performance Check veröffentlicht. Unser erster Check steht im September diesen Jahres an.

 

Sind die Ausgangsmaterialien ebenfalls nachhaltig?

Julian Conrads: Ein großer Teil der Stoffe, die wir für unsere Rucksäcke und Taschen verwenden, wird aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Dadurch können wir bei der Produktion große Mengen Öl, Wasser und CO2 einsparen. Zusätzlich arbeiten wir mit bluesign®-Systempartnern zusammen. Da bluesign® strenge chemische Richtlinien und Emissionsschutzmaßnahmen vorgibt, wird unser Umwelteinfluss auf diese Weise stetig geringer. Alle Außenstoffe unserer Produkte kommen von bluesign® Systempartnern.

 

Sie sind der Fair Wear Foundation beigetreten. Was versprechen Sie sich davon?

Hannes Weber: Unsere Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation soll uns dabei helfen, die Arbeitsbedingungen in unseren Nähereien ständig zu kontrollieren und stetig zu verbessern. Die Fair Wear Foundation überprüft dabei, ob FOND OF BAGS seinen Einfluss auf die Partnerfabriken dazu nutzt, verbesserte Arbeitsbedingungen zu schaffen und nicht zu unlauteren Arbeitspraktiken beiträgt. Jedes Jahr veröffentlicht die Fair Wear Foundation einen Bericht über die Fortschritte, die FOND OF BAGS machen konnte.

 

Übrigens:

FOND OF BAGS erhielt 2016 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis als nachhaltigstes KMU (kleines oder mittleres Unternehmen) Deutschlands, in diesem Jahr wurde ihm bereits der Deutsche CSR-Preis 2017 und aktuell der Deutsche Gründerpreis verliehen. Außerdem ist das Unternehmen CSR-Botschafter des Landes NRW.


hjo

 

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