„Supercredits“ für Elektroautos in der Kritik

Neue CO2-Grenzwerte für neue Autos: Der EU-Umweltausschuss des EU-Parlaments einigte sich in einem Vorschlagsentwurf auf maximal 78 Gramm CO2-Ausstoß pro gefahrenen Kilometer bis zum Jahr 2025. Bislang war ein Limit von 95 Gramm bis 2020 vorgesehen; aktuell liegen wir bei 130 Gramm bis 2015.

 

Reduktion der CO2-Emmissionen um 40 Prozent also. Und die Festsetzung eines verbindlichen Grenzwertes, den die Automobilindustrie hatte verhindern wollen. Das klingt erstmal gut- doch leider gibt es auch hier ein paar Schlupflöcher, die Greenpeace und dem WWF gar nicht behagen. Denn wer sich als Autokonzern verstärkt der Entwicklung von Elektrowagen widmet, bekommt zur Belohnung CO2-Rechte geschenkt. Im Klartext heißt das: Das, was emissionsarmen Fahrzeuge, die 50 oder weniger Gramm CO2 pro Kilometer verbrauchen, nicht im Tank verschleudern, darf bei den konventionellen Stahlkarossen obendrauf geschlagen werden. Laut WWF sind damit 2,5 Gramm mehr CO2 pro Kilometer möglich, als eigentlich gesetzlich vorgesehen.

Foto: wikimedia commons/ A. Blum

“Keine Rechentricks zu Lasten des Klimas“

 

„Mit der Begründung umweltfreundliche Elektromobilität zu fördern, können sich Hersteller Luft verschaffen für weitere dringend benötigte Effizienzsteigerungen für Autos mit herkömmlichen Antrieben. Dank dieses Rechentricks greift das anvisierte 95 Gramm-Ziel für 2020 erst im Jahr 2024“, kritisierte WWF-Verkehrsexperte Johannes Erhard diese Anrechnung von sogenannten Supercredits.

 

Zudem sei das für 2025 angestrebte Ziel mit einem Korridor zwischen 68 und 78 Gramm zu hoch angesetzt- der WWF und Greenpeace fordert ein verbindliches Ziel von 60 Gramm. Auch Greenpeace-Autoexperte Wolfgang Lohbeck ist nicht glücklich mit den Supercredits: „Sie bremsen die Entwicklung zukunftsfähiger Fahrzeuge, erhöhen die CO2- Emissionen und kosten den Autofahrer viel Geld an der Zapfsäule“, befürchtet er. Die Umweltorganisation verurteilte „Rechentricks zu Lasten des Klimas“ und forderte einen entschiedeneren Beitrag zur Senkung der CO2-Emmissionen.

 

“Kampf der Verbrauchertäuschung“

 

Verteidigung der Supercredits kommt hingegen von der CDU: Der Europaabgeordnete Thomas Ulmer, erläuterte gegenüber den Tagesthemen, es handele sich um einen „ zeitlich begrenzten Innovationsanreiz für alternative Antriebe, die es sonst nur sehr schwer bis zur Marktfähigkeit bringen würden.“

 

Gute Nachrichten gibt es für Verbraucher: Künftig soll der angegebene Verbrauch der Neuwagen beim Kauf nicht mehr auf den Ergebnissen von Labortests beruhen; sondern auf dem tatsächlichen Verbrauch auf der Straße. Der WWF schreibt dazu: „Der aktuelle Mechanismus führte bislang dazu, dass die von Herstellern angegebenen Verbrauchs- und Emissionswerte von der Realität im Schnitt um über 20 Prozent abwichen.“ „Um der massiven Verbrauchertäuschung endgültig den Garaus zu machen, kommt es nun darauf an, die Einführung des neuen Testzyklus nicht zu verschleppen“, mahnt Erhard.

 

Laut WWF ist der Straßenverkehr mit derzeit 20 Prozent die zweitgrößte CO2-Emissionsquelle der EU. Der Vorschlag des Umweltausschusses muss noch vom Plenum des EU-Parlament abgesegnet werden- mit der Zustimmung wird aber gerechnet.

niso

 

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