UBA: Trinkwasser hat Vorrang vor Internetkabel

Trinkwasser Foto: Wikimedie Commons

Idee (vielleicht) gut – Umsetzung problematisch. Das Umweltbundesamt (UBA) bewertet einen EU-Vorschlag, Breitband-Kabel für die Internetversorgung durch bestehende (Wasser-)Leitungen zu verlegen. Die UBA-Trinkwasserkommission (TWK) rät davon ab. Es könnten „Krankheitserreger in die Trinkwasserleitung eindringen“.

Der Vorschlag der EU leuchtet auf den ersten Blick durchaus ein: Würden Kabel in bestehende Trassen mit verlegt, entstehen keine zusätzlichen Bauarbeiten und damit -kosten. Das könnte den Ausbau des schnellen Internetverbindungen cvor allem in entlegene gebiete beschleunigen und so auch bislang unerreichte Regionen mit den Daten versorgen.

 

Kabel im Trinkwasserrohr kann Krankheiten fördern

 

Allerdings wiegen die Argumente der Trinkwasser-Experten des UBAschwer: Wenn in Trinkwasserleitungen Kabel verlegt würden, schreibt das Amt in einer Pressemeldung, müsse das Trinkwassernetz für deren Einbau und Wartung häufiger geöffnet werden als bisher. Dieser Umstand berge Gefahren für die Trinkwasserqualität. „Selbst wenn die Daten-Kabelsysteme sterilisiert sind, besteht durch die zusätzlichen Bauarbeiten am Trinkwassernetz immer die Gefahr, dass Schmutz, Mikroorganismen und Krankheitserreger ins Trinkwasser gelangen“ sagt UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann. „Insofern teilen wir die Auffassung der Trinkwasserkommission“, beurteilt er den EU-Vorschlag.

Werden die zusätzlichen Leitungen durch die schon heute verlegten Leitungen geschoben, sei auch dies nicht ohne Probleme möglich. Das führe, so das UBA „zu einer größeren Oberfläche in der Leitung und zu schlechter durchströmten Bereichen“.

Dies begünstige so genannte Biofilme. In geringen Mengen seien die kein Problem, dagen die Experten des UBA. „In stärker ausgeprägten Biofilmen siedeln sich jedoch neben Bakterien und anderen Mikroorganismen gerne Wasserasseln und andere Kleintiere an, die dort Nahrung finden.“

 

Besser: Kabelschächte für die verschiedenen Anwendungen

 

Die Fachleute betonen daher: „Vereinzelt sind diese Tierchen Teil des natürlichen Systems und gesundheitlich unbedenklich, in der Trinkwasserleitung sind sie aus naheliegenden Gründen jedoch unerwünscht, insbesondere wenn sie häufiger und in größeren Mengen vorkommen.“

Grundsätzlich gelte, dass Trinkwasserverteilungssysteme so schlicht und geradlinig wie möglich zu halten seien. Die EU-Trinkwasserrichtlinie fordere, dass Verunreinigungen aus den Stoffen und Materialien, die zur Trinkwasserversorgung verwendet würden, nicht in Konzentrationen zurückbleiben dürfen, die höher sind als für ihren Verwendungszweck erforderlich. Holzmann: „Wenn in den Trinkwasserleitungen lokale Verunreinigungen auftreten, und es dann noch Datenkabel gibt, lassen sich die Ursachen viel schwerer finden. Denn durch die zusätzlichen Kabelsysteme und Anschlussstellen entstehen zahlreiche neue Quellen für Schmutz, Krankheitserreger und Schadstoffe, die dann alle überprüft werden müssen.“

Das UBA nennt daher als Alternativen: „Außerhalb der Trinkwasserleitungen  eignen sich zum Ausbau der Breitbandkabel auch so genannte Leerrohre.“


red

 

 

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