12.10.2017

Fisch mit Bio-Abfall kühlen

Foto: Fraunhofer UMSICHT / Michael Joemann

In Entwicklungs- und Schwellenländern verdirbt etwa ein Drittel aller erzeugten Lebensmittel, da es dort vor allem an entsprechender Kühling mangelt. Die unzulängliche Abfallentsorgung in diesen Ländern ist ein hygienisches Problem, dass zu Gesundheitsbeeinträchtigungen in der Bevölkerung führt. Ein Beispiel für diese Situation ist das Hafengebiet der indischen Stadt Mumbai, wo es aufgrund einer unzureichenden Kälteversorgung zu einem erhöhten Ausschuss bei der Fischverarbeitung kommt.

 

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen haben jetzt eine Lösung für diese Situation gefunden. Sie haben ein technologisches Konzept entwickelt, das biogene Abfälle wie Überschüsse aus der Fischverarbeitung oder der Landwirtschaft zur direkten Kälteerzeugung für die Lebensmittellagerung nutzt.

 

"Die Idee zur Bio-Kälte-Anlage entstand im Rahmen eines Fraunhofer-Ideenwettbewerbs 2015", erzählt Dr.-Ing. Clemens Pollerberg, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr.-Ing. Michael Joemann das Projekt federführend betreut. "Mithilfe einer Anschubfinanzierung konnten wir schließlich das technische Konzept für die Anlage ausarbeiten."

Foto: Fraunhofer UMSICHT / Michael Joemann

Das Ziel des Projekts "BioKälte" ist eine höhere Lebensmittelqualität durch effiziente Kühlung zu erreichen. Dazu sollen bioabfallbetriebene Lebensmittellager auf dem indischen Subkontinent eingeführt werden. Um die Effizienz der Landwirtschaft zu verbessern, muss die Qualität der Lebensmittel erhöht, Ausschüsse verringert und die hygienische Belastung durch wilde Deponien von Bioabfällen vermieden werden. Der technische Grundgedanke hinter einer Bio-Kälte-Anlage ist: Durch Fermentation von biogenen Abfällen erzeugtes Biogas mit Hilfe einer Absorptionskältemaschine für Kühlprozesse nutzbar zu machen.

 

Die Hauptkomponenten einer solchen Anlage bestehen aus Fermenter, Gasbrenner, Absorptionskältemaschine und Rückkühlwerk. Stellt man diese Anlage etwa in einen 40 Fuß-Container, bleibt genug Platz, der als Kühlhaus für Lebensmittel, wie zum Beispiel Fisch, genutzt werden kann. Um marktübliche Kosten vor Ort zu gewährleisten und den Marktzugang sicherzustellen, soll das gesamte System in Indien hergestellt und vertrieben werden. Im April 2017 ist nun die Realisation einer Demonstrationsanlage angelaufen, Standort könnte Mumbai oder Pune sein. Wo sie letztlich stehen wird, wird sich wohl Ende 2017 entschieden.


hjo

 

Weitere Infos zur Bio-Kälte-Anlage findet man bei Fraunhofer UMSICHT...

 

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